Honigbiene

Die Honigbiene (Apis mellifera) ist die bekannteste Bienenart Europas und das einzige Insekt, das der Mensch gezielt zur Honigproduktion hält. Sie lebt als hoch organisierter Staat von mehreren zehntausend Tieren, überwintert als komplettes Volk und ist zugleich die wirtschaftlich bedeutendste Bestäuberin der Welt. Wenn im Alltag von „der Biene“ die Rede ist, ist fast immer die Honigbiene gemeint – obwohl sie nur eine von weltweit rund 20.000 Bienenarten ist.

Steckbrief Honigbiene

  • Wissenschaftlicher Name: Apis mellifera (Westliche Honigbiene)
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Lebensweise: staatenbildend (sozial)
  • Volksgröße: im Sommer 40.000–60.000 Tiere, im Winter etwa 5.000–15.000
  • Wesen im Volk: eine Königin, tausende Arbeiterinnen, im Sommer einige hundert bis tausend Drohnen
  • Nahrung: Nektar und Honigtau (Energie), Pollen (Eiweiß)
  • Lebensdauer Arbeiterin: im Sommer 5–6 Wochen, als Winterbiene mehrere Monate
  • Verbreitung: ursprünglich Europa, Afrika, Naher Osten – heute weltweit

Einordnung: Honigbiene, Wildbiene und Hummel

Die Honigbiene gehört zu den Echten Bienen und ist eng mit den Hummeln verwandt, die ebenfalls staatenbildend leben. Von den rund 600 heimischen Wildbienenarten unterscheidet sie sich vor allem durch ihre Lebensweise: Die allermeisten Wildbienen sind Einzelgänger, während die Honigbiene einen dauerhaften Staat bildet, der als Ganzes überwintert.

Weltweit gibt es mehrere Arten der Gattung Apis, darunter die asiatische Östliche Honigbiene (Apis cerana), die Riesenhonigbiene und die Zwerghonigbiene. Die bei uns gehaltene Westliche Honigbiene gliedert sich wiederum in zahlreiche Unterarten und Zuchtformen – in Mitteleuropa dominiert die Carnica, daneben ist die Buckfast verbreitet.

Die drei Wesen im Bienenvolk

Ein Honigbienenvolk besteht aus drei unterschiedlichen „Wesen“, die jeweils klar abgegrenzte Aufgaben haben:

  • Königin (Weisel): das einzige voll fortpflanzungsfähige Weibchen. Sie legt in der Hochsaison bis zu 2.000 Eier am Tag und hält das Volk über Duftstoffe zusammen.
  • Arbeiterinnen: unfruchtbare Weibchen, die je nach Alter alle Aufgaben übernehmen – von der Brutpflege über den Wabenbau bis zum Sammeln.
  • Drohnen: die männlichen Bienen, deren einzige Aufgabe die Begattung einer jungen Königin ist. Sie besitzen keinen Stachel.

Der Bien: das Volk als Superorganismus

Ein einzelnes Bienenwesen ist allein nicht lebensfähig. Erst das Zusammenspiel aller Tiere ergibt eine funktionierende Einheit, die in der Imkerei traditionell als „der Bien“ bezeichnet wird. Wärmeregulierung, Nahrungssuche, Verteidigung und Vermehrung sind Leistungen des Gesamtvolkes, nicht des Einzeltieres. Man kann sich das Volk deshalb wie einen Superorganismus vorstellen, in dem die einzelnen Bienen die Rolle von Zellen oder Organen übernehmen.

Entwicklung: vom Ei zur Biene

Alle drei Bienenwesen durchlaufen eine vollständige Verwandlung über die Stadien Ei, Larve und Puppe. Die Entwicklungsdauer unterscheidet sich je nach Wesen:

  • Königin: rund 16 Tage bis zum Schlupf
  • Arbeiterin: rund 21 Tage
  • Drohne: rund 24 Tage

Ob aus einem befruchteten Ei eine Arbeiterin oder eine Königin wird, entscheidet allein die Ernährung der Larve: Wird sie durchgehend mit Gelée royale gefüttert, entwickelt sie sich zur Königin. Drohnen entstehen dagegen aus unbefruchteten Eiern.

Die Honigbiene im Jahreslauf

Das Leben des Volkes folgt einem festen Rhythmus:

  • Winter: Das Volk bildet eine Wintertraube, in der die Bienen durch Muskelzittern Wärme erzeugen und die Königin schützen. Es wird keine Brut oder nur wenig aufgezogen.
  • Frühjahr: Mit den ersten warmen Tagen beginnt der Reinigungsflug, die Königin steigert die Eiablage, das Volk wächst rasch.
  • Sommer: Auf dem Höhepunkt der Entwicklung steht der Schwarmtrieb – die natürliche Vermehrung – sowie die Hauptzeit der Honigernte.
  • Herbst: Das Volk zieht die langlebigen Winterbienen heran und stößt die Drohnen ab (Drohnenschlacht). Der Imker sorgt für Futter und Gesundheit.

Ernährung und Kommunikation

Honigbienen ernähren sich von zwei Grundstoffen: Nektar liefert die Energie und ist der Rohstoff für Honig, Pollen deckt den Eiweißbedarf für die Brutaufzucht. An heißen Tagen sammeln sie zusätzlich Wasser zur Kühlung des Stocks.

Bemerkenswert ist die Verständigung im Volk: Mit dem Schwänzeltanz teilen Sammelbienen ihren Stockgenossinnen Richtung und Entfernung einer Futterquelle mit – eine Symbolsprache, deren Entschlüsselung durch Karl von Frisch mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Zusätzlich steuern Duftstoffe (Pheromone) nahezu alle Abläufe im Stock.

Bedeutung für Mensch und Natur

Der wirtschaftliche Wert der Honigbiene liegt weit weniger im Honig als in ihrer Leistung als Bestäuberin. Ein großer Teil unserer Nutzpflanzen – von Obst über Raps bis zu vielen Gemüsearten – ist auf Insektenbestäubung angewiesen, und die Honigbiene übernimmt davon einen erheblichen Anteil. Daneben liefert sie Produkte wie Honig, Bienenwachs, Propolis, Pollen und Gelée royale.

Gefährdung: Ist die Honigbiene bedroht?

Anders als oft angenommen ist die Honigbiene als Art nicht vom Aussterben bedroht – sie wird von Imkern gehalten und vermehrt. Das häufig zitierte „Bienensterben“ betrifft in erster Linie die wildlebenden Bienenarten, deren Bestände durch Lebensraumverlust und Pflanzenschutzmittel zurückgehen. Für die Honigbiene selbst ist die größte Bedrohung die Varroamilbe: Ohne regelmäßige Behandlung stirbt ein befallenes Volk innerhalb weniger Jahre. Hinzu kommen Krankheiten wie die Amerikanische Faulbrut sowie Trachtmangel in ausgeräumten Landschaften.

Häufige Fragen zur Honigbiene

Wie viele Bienen leben in einem Volk?

Ein starkes Sommervolk umfasst 40.000 bis 60.000 Bienen. Im Winter schrumpft es auf etwa 5.000 bis 15.000 Tiere, die als Wintertraube zusammenrücken.

Was ist der Unterschied zwischen Honigbiene und Wildbiene?

Die Honigbiene bildet einen dauerhaften Staat und überwintert als ganzes Volk. Die meisten Wildbienen leben solitär: Jedes Weibchen versorgt sein eigenes Nest, und nur die neue Generation überdauert den Winter. Auch Hummeln sind streng genommen staatenbildende Wildbienen.

Wie lange lebt eine Honigbiene?

Eine Sommer-Arbeiterin lebt nur etwa fünf bis sechs Wochen, weil sie sich beim Sammeln verausgabt. Die im Spätsommer geschlüpften Winterbienen leben mehrere Monate. Eine Königin kann mehrere Jahre alt werden.

Stirbt eine Honigbiene nach dem Stich?

Ja – aber nur beim Stich in die elastische Haut von Säugetieren. Der Widerhaken des Stachels bleibt stecken, die Biene verliert beim Wegfliegen den Stechapparat und stirbt. Drohnen besitzen keinen Stachel und können gar nicht stechen.

Warum ist die Honigbiene so wichtig?

Ihr Hauptnutzen ist die Bestäubung: Ein großer Teil der Nutz- und Wildpflanzen ist auf bestäubende Insekten angewiesen. Dieser Beitrag zur Nahrungsmittelproduktion übersteigt den Wert des Honigs bei Weitem.

Siehe auch