Bienenhaltung

Verfasst von

in

Bienenhaltung – auch Imkerei oder Bienenwirtschaft – ist die planvolle Pflege von Honigbienenvölkern durch den Menschen. Sie umfasst alles, was nötig ist, um ein Bienenvolk gesund zu erhalten, zu vermehren, vor Krankheiten zu schützen und ihm dabei einen Teil seiner Erträge (vor allem Honig, aber auch Wachs, Propolis, Pollen und Gelée royale) zu entnehmen. Bienenhaltung reicht von der Hobby-Imkerei mit zwei Völkern im Stadtgarten bis zur Berufsimkerei mit mehreren hundert Wirtschaftsvölkern.

Was Bienenhaltung leistet

Bienenhaltung verfolgt typischerweise mehrere Ziele gleichzeitig:

  • Honigertrag – die wirtschaftliche Hauptmotivation; je nach Region und Trachtangebot 20–50 kg je Volk und Jahr
  • Bestäubungsleistung – aus volkswirtschaftlicher Sicht der mit Abstand wichtigste Nutzen; jeder Honigwert wird vom Bestäubungswert mehrfach überstiegen
  • Volkserhaltung und Vermehrung – über Ableger und Königinnenzucht
  • Naturschutz – beim Halten alter Landrassen und beim Erhalt strukturreicher Trachträume
  • Liebhaberei und Bildung – Verstehen eines Superorganismus, Anteilnahme am Jahreszyklus

Betriebsweisen

Die wichtigsten Betriebsweisen in Mitteleuropa:

  • Magazinimkerei – die heute dominierende Form; mehrere übereinander stehende Zargen (Brutraum, Honigraum) mit beweglichen Rähmchen in standardisierten Maßen (Dadant, Zander, Langstroth, Deutsch Normal)
  • Hinterbehandlung – traditionelle Beuten, von hinten geöffnet; in Bayern und Österreich noch verbreitet
  • Trogbeute – ein einziger großer Brutraum ohne Aufsatzzargen; in Skandinavien beliebt
  • Klotzbeute – ausgehöhlter Baumstamm; historische und ökologische Nische, kaum noch Erwerbsimkerei
  • Wesensgemäße Bienenhaltung – Sammelbegriff für minimalinvasive Ansätze nach Demeter-Richtlinien oder ähnlichen Konzepten

Das Bienenjahr

Bienenhaltung ist jahreszeitlich strukturiert:

  • Frühjahr (Februar–April): Reinigungsflug, erste Durchsicht, Anbruten, Volksaufbau
  • Vorsommer (Mai–Juni): Schwarmkontrolle, Ablegerbildung, Honigraum aufsetzen, erste Honigernte (Raps, Frühtracht)
  • Hochsommer (Juli–August): Sommerhonig-Ernte, Varroabehandlung beginnt, Wintereinfütterung
  • Herbst (September–Oktober): Auffütterung abschließen, Restentmilbung, Wintereinwinterung
  • Winter (November–Januar): Ruhephase; Imker kontrolliert nur Beuten von außen, prüft Standorte und plant die kommende Saison

Pflichten und Rechtliches

Wer in Deutschland Bienen hält, hat mehrere rechtliche Pflichten:

  • Anmeldung beim Veterinäramt nach der Bienenseuchen-Verordnung – Pflicht jedes Imkers, unabhängig von der Anzahl der Völker
  • Teilnahme am Faulbrut-Sperrbezirk-Regime, wenn entsprechende Anordnungen gelten
  • Honigverordnung – Vorgaben zu Qualität, Etikettierung und Vermarktung des Honigs
  • Lebensmittelhygiene – wer Honig verkauft, muss die Hygiene-Vorgaben für Lebensmittel-Direktvermarkter einhalten

Die Mitgliedschaft in einem Imkerverein ist nicht verpflichtend, aber bringt fast überall Vorteile – günstigere Versicherung, Schulungen, Zugang zu Königinnenzucht-Programmen und Bienensachverständigen.

Einstieg in die Bienenhaltung

Wer einsteigen will, geht typischerweise drei Schritte:

  1. Imkerkurs beim örtlichen Imkerverein – in vielen Bundesländern kostenlos oder zum Selbstkostenpreis
  2. Patenimker finden – jemanden, der die ersten beiden Saisons begleitet; das ist mehr wert als jedes Buch
  3. Erstausstattung – zwei bis drei Wirtschaftsvölker (nicht nur eines, um vergleichen zu können), Standardbeuten, Grundausstattung an Gerät

Siehe auch