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Königinnenzucht

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Die Königinnenzucht bezeichnet alle imkerlichen Verfahren, mit denen gezielt Bienenköniginnen aus ausgewähltem Zuchtmaterial nachgezogen werden. Statt die Nachschaffung dem Zufall zu überlassen, wählt der Züchter Völker mit erwünschten Eigenschaften – Sanftmut, Honigleistung, Schwarmträgheit, Varroatoleranz – und vermehrt deren Genetik. Grundlage ist eine Besonderheit der Honigbiene: Aus jeder jungen Arbeiterinnenlarve kann eine Königin werden, wenn sie durchgehend mit Gelée royale gefüttert wird.

Warum Königinnenzucht betreiben?

Jedes Bienenvolk zieht über kurz oder lang eine neue Königin nach – etwa beim Schwärmen, bei der stillen Umweiselung oder nach dem Verlust der alten Königin. Was die Bienen dabei jedoch nicht tun, ist auswählen: Sie nehmen die erstbeste geeignete Larve. Der Imker, der selbst zieht, steuert dagegen gezielt, welche Genetik weitergeführt wird. Das lohnt sich selbst für den Hobbyimker mit wenigen Völkern, denn eine gute Königin macht den Unterschied zwischen einem sanftmütigen, ertragreichen Volk und einem, das sticht und schwärmt.

Ablauf der Königinnenzucht: vom Umlarven bis zum Schlupf

Das Standardverfahren beginnt mit dem Umlarven: Mit einem Umlarvlöffel werden jüngste Larven – höchstens 24 Stunden alt – aus dem Zuchtvolk in künstliche Weiselzellen aus Wachs oder Kunststoff übertragen. Jüngere Larven werden von den Pflegebienen besser angenommen und entwickeln sich zu qualitativ hochwertigeren Königinnen. Die bestückte Zuchtlatte kommt in ein weiselloses Pflegevolk (Anbrüter oder Sammelbrutableger), das die Näpfchen zu Weiselzellen ausbaut und die Larven königlich pflegt.

Der Zeitplan ist fest durch die Biologie vorgegeben: Am 5. Tag nach dem Umlarven werden die Zellen verdeckelt, am 10. oder 11. Tag werden sie „geschult“ – also in Schlupfkäfige gesteckt –, und am 12. Tag schlüpfen die Jungköniginnen, 16 Tage nach der Eiablage. Wer mehrere Serien plant, arbeitet mit einem Zuchtkalender.

Zuchtmethoden im Vergleich

Neben dem klassischen Umlarven gibt es mehrere Alternativen, die je nach Erfahrung und Ziel geeignet sind:

  • Umlarven (Standard): höchste Kontrolle über Larvenalter und Zuchtmaterial, erfordert aber Übung und gute Augen. Geeignet für alle, die regelmäßig und in größerer Zahl ziehen wollen.
  • Nicot-System: Die Königin legt selbst in ein Käfigrahmen-System mit vorgeformten Zellböden. Keine Umlarvarbeit nötig – das Larvenalter wird durch die Zugabe der Königin gesteuert. Gut geeignet für Einsteiger.
  • Nachschaffungsverfahren: Ein weiselloses Volk zieht aus offener Brut selbst Königinnen. Kein Eingriff in die Larven nötig, aber keine Kontrolle über das Zuchtmaterial.
  • Schwarmzellen nutzen: Schwarmzellen des besten Volkes als Königinnen einsetzen. Einfach, aber auf die Schwarmzeit beschränkt und zufällig in der Auslese.

Begattung der Jungköniginnen

Die geschlüpften Königinnen werden einzeln in kleine Begattungseinheiten gegeben, etwa Einwaben- oder Mini-Plus-Kästchen mit einer Handvoll Bienen. Nach fünf bis zehn Tagen fliegt die Königin zu ihren Hochzeitsflügen aus und paart sich an Drohnensammelplätzen mit 10 bis 20 Drohnen. Wer die Vaterseite kontrollieren will, beschickt eine Belegstelle oder setzt auf instrumentelle Besamung. Etwa eine Woche nach der Begattung beginnt die junge Königin zu legen; sobald verdeckelte Arbeiterinnenbrut zu sehen ist, gilt sie als „in Eilage“ und kann verkauft oder zugesetzt werden.

Einweiseln: die Jungkönigin ins Zielvolk bringen

Eine fremde Königin wird vom Volk zunächst als Eindringling betrachtet und kann gestochen werden. Deshalb erfolgt das Einweiseln fast immer über einen Einweislungskäfig: Die Königin wird mit einigen Begleitbienen in einen kleinen Gitterkäfig gesperrt und dieser ins weisellosen Volk gehängt. Über das Gitter gewöhnen sich die Bienen an ihren Duft. Ein Futterteigpropfen am Ausgang des Käfigs sorgt dafür, dass die Bienen ihn erst nach einem bis drei Tagen öffnen – lange genug, damit die Königin angenommen wird. Risikofaktoren für Annahmeverweigerung sind Jungvölker mit eigenen Weiselzellen, Nachschaffungsstimmung oder eine zu kurze Weisellosigkeit vor dem Einweiseln.

Zeichnen: der internationale Farbcode

Gezüchtete Königinnen werden mit einem Farbpunkt oder Zeichenplättchen auf dem Brustschild markiert. Die Farbe folgt einem fünfjährigen Zyklus nach der Endziffer des Schlupfjahres:

Endziffer des JahresFarbeBeispiel
1 und 6Weiß2026
2 und 7Gelb2027
3 und 8Rot2028
4 und 9Grün2029
5 und 0Blau2030

Die Markierung verrät das Alter der Königin auf einen Blick und macht sie bei der Durchsicht schneller auffindbar.

Zuchtauslese und Zuchtwerte

Ernsthafte Zucht beruht auf Leistungsprüfung: Sanftmut, Wabensitz, Honigertrag, Schwarmneigung und zunehmend Varroa-Merkmale wie das Ausräumverhalten (VSH/SMR) werden bewertet. In Deutschland koordinieren Landesverbände und Zuchtverbände die Daten über die Datenbank BeeBreed, die für Carnica– und Buckfast-Linien Zuchtwerte berechnet. Auch wer nur für den Eigenbedarf nachzieht, profitiert von der einfachen Regel: vom besten Volk nachziehen, vom schlechtesten nicht.

Warum Königinnen versagen – häufige Probleme

Auch eine gut gezogene Königin kann scheitern. Häufige Ursachen:

  • Hochzeitsflug misslingt: Schlechtes Wetter, Räuber (Vögel, Hornissen) oder ein zu kurzes Begattungsfenster können die Begattung verhindern. Die Königin bleibt unbegattet und legt später nur Drohneneier.
  • Zu wenige Drohnen: In drohnenarmen Zeiten (Frühjahr, Herbst) paart sich die Königin unter Umständen mit zu wenigen Männchen – die Spermienvorräte reichen nicht lange.
  • Fehlende Annahme beim Einweiseln: Das Volk tötet die Königin, weil sie als fremd erkannt wird.
  • Krankheit oder Verletzung: Nosema, Varroabefall und mechanische Verletzungen beim Einweiseln können die Legeleistung dauerhaft mindern.
  • Altersbedingter Leistungsabfall: Nachlassende Legeleistung, Lückenbild in der Brut und erhöhte Schwarmneigung sind typische Zeichen einer altersschwachen Königin.

Häufige Fragen zur Königinnenzucht

Wie lange dauert die Entwicklung einer Königin?

16 Tage von der Eiablage bis zum Schlupf – schneller als Arbeiterin (21 Tage) und Drohn (24 Tage). Nach dem Umlarven vergehen bis zum Schlupf etwa 12 Tage.

Warum wird aus mancher Larve eine Königin und aus anderer eine Arbeiterin?

Allein das Futter entscheidet: Königinnenlarven erhalten während der gesamten Entwicklung Gelée royale, Arbeiterinnenlarven nur in den ersten Tagen.

Welche Farbe haben Königinnen aus 2026?

Weiß – die Endziffer 6 entspricht im internationalen Farbcode der Farbe Weiß.

Kann ich ohne Umlarven Königinnen nachziehen?

Ja. Beim Nachschaffungsverfahren zieht ein weiselloses Volk aus offener Brut selbst Königinnen, und über Zuchtsysteme wie das Nicot-System lassen sich Larven ohne Umlarvlöffel gewinnen. Die gezielte Auslese bleibt aber nur mit kontrolliertem Zuchtstoff möglich.

Wie weisele ich ein Volk um?

Die alte Königin herausnehmen, das Volk kurze Zeit weisellos lassen (damit die Aufnahmebereitschaft steigt), dann die neue Königin im Einweislungskäfig einsetzen. Nach ein bis drei Tagen öffnet sich der Käfig selbstständig über den Futterteig – ist alles gut, wird die Königin angenommen.

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