Ein Kunstschwarm ist ein vom Imker zusammengestellter Schwarm: abgekehrte Bienen ohne Waben und Brut, dazu eine begattete Königin im Käfig. Er ahmt den natürlichen Bienenschwarm nach und ist eine der sichersten Methoden, neue Völker zu bilden – mit dem Nebeneffekt eines nahezu varroafreien Starts.
Kunstschwarm bilden: Schritt für Schritt
- Eine Kunstschwarmkiste mit Gitterboden bereitstellen und wiegen.
- Aus einem oder mehreren Völkern Bienen von Brutwaben in die Kiste abkehren – die Spenderköniginnen bleiben dabei sicher im Volk. 1,5 bis 2 Kilogramm Bienen (etwa 15.000 bis 20.000 Tiere) sind das übliche Maß.
- Die neue Königin im verschlossenen Zusetzkäfig zwischen die Bienen hängen.
- Die Kiste zwei bis drei Tage kühl und dunkel stellen und über ein Futtergeschirr mit Zuckerwasser versorgen. In dieser „Kellerhaft“ formiert sich der Schwarm und nimmt die Königin an.
- Am Abend des zweiten oder dritten Tages den Schwarm in eine Beute mit Mittelwänden einschlagen; den Königinnenkäfig mit Futterteigverschluss öffnen lassen.
Bester Zeitraum ist Mai bis Anfang Juli: Der Schwarm hat dann genug Zeit, bis zum Winter ein vollständiges Wabenwerk zu errichten und ausreichend Winterbienen aufzuziehen. Durchgehende Fütterung nach dem Einschlagen ist Pflicht, denn anders als der Naturschwarm hat der Kunstschwarm keine prall gefüllte Honigblase.
Varroa-Sanierung: Der große Vorteil des Kunstschwarms
Ein Kunstschwarm ist brutfrei – sämtliche Varroamilben sitzen auf den Bienen und sind für eine Behandlung erreichbar. Eine einzige Sprüh- oder Träufelbehandlung mit Oxalsäure oder Milchsäure in der brutfreien Phase erfasst über 95 Prozent der Milben. Deshalb wird das Kunstschwarmverfahren auch zur Sanierung stark befallener Völker im Sommer eingesetzt: Das alte Wabenwerk mit der befallenen Brut wird eingeschmolzen, die Bienen starten behandelt und sauber neu.
Kunstschwarm oder Ableger?
| Kriterium | Kunstschwarm | Ableger |
|---|---|---|
| Ausgangsmaterial | Nur Bienen + Königin | Brutwaben mit ansitzenden Bienen |
| Varroa-Start | Nahezu milbenfrei nach Behandlung | Milben in der Brut enthalten |
| Entwicklung | Sofort Bautrieb, Brutbeginn nach Königinnenannahme | Langsamer, Pflegebienen schlüpfen erst |
| Eingriff ins Spendervolk | Schwächt nur die Bienenmasse | Entnimmt Brut und Bienen |
| Königin | Muss zugekauft oder nachgezogen werden | Kann selbst nachgeschaffen werden |
Der Ableger ist der einfachere Weg für Einsteiger, der Kunstschwarm der hygienischere: keine alte Wabe, keine Brutkrankheit, kaum Milben. Auch beim Bienenkauf hat der Kunstschwarm Vorteile – er lässt sich ohne Wabenmaterial transportieren, was das Risiko verschleppter Krankheiten wie der Amerikanischen Faulbrut minimiert.
Häufige Fragen zum Kunstschwarm
Wie viele Bienen braucht ein Kunstschwarm?
Üblich sind 1,5 bis 2 Kilogramm Bienen, also etwa 15.000 bis 20.000 Tiere. Kleinere Einheiten ab 1 Kilogramm funktionieren früh im Jahr, brauchen aber mehr Pflege.
Wann ist die beste Zeit für einen Kunstschwarm?
Mai bis Anfang Juli. Später gebildete Schwärme schaffen es oft nicht mehr, genug Wabenwerk und Winterbienen aufzubauen.
Warum kommt der Kunstschwarm erst in Kellerhaft?
Zwei bis drei Tage Dunkelhaft lassen die Bienen zu einer Einheit zusammenwachsen und die fremde Königin annehmen. Ohne diese Phase fliegen viele Bienen zum alten Stand zurück.
Wann beginnt die Königin im Kunstschwarm zu legen?
Wenige Tage nach dem Einschlagen, sobald die ersten Zellen ausgebaut sind. Nach gut drei Wochen schlüpfen die ersten eigenen Jungbienen.