Ein Bienenschwarm ist die natürliche Form der Volksvermehrung bei Honigbienen: Die alte Königin verlässt mit rund der Hälfte der Bienen – oft 10.000 bis 25.000 Tiere – den Stock, um eine neue Behausung zu gründen. Im zurückbleibenden Volk schlüpft aus einer Weiselzelle eine junge Königin. Schwarmzeit ist in Mitteleuropa von Anfang Mai bis Ende Juni. Für den Imker ist der Schwarm Volksvermehrung und Herausforderung zugleich – für Passanten dagegen ein eindrucksvolles, aber harmloses Naturschauspiel.
Steckbrief Bienenschwarm
- Zweck: natürliche Volksvermehrung – aus einem werden zwei Völker
- Auslöser: Schwarmtrieb durch Enge, starken Bruteinschlag, nachlassendes Königinnenpheromon
- Schwarmzeit: Mai bis Juni, selten bis Juli
- Vorschwarm: zieht mit der alten Königin aus – der größte und stärkste Schwarm
- Nachschwärme: kleinere Folgeschwärme mit jungen, unbegatteten Königinnen
- Größe Vorschwarm: meist 10.000 bis 25.000 Bienen
- Verhalten: in der Traube friedlich – kein Nest, kein Vorrat zu verteidigen
Wie ein Bienenschwarm entsteht
Auslöser ist der Schwarmtrieb: Wird das Volk zu groß, der Platz zu eng und das Pheromon der Königin im Stock zu „dünn“, legt das Volk Weiselzellen an. Etwa am neunten Tag nach der Bestiftung, sobald die erste Zelle verdeckelt ist, zieht der Vorschwarm mit der alten Königin aus – typischerweise an einem warmen, sonnigen Vormittag zwischen 10 und 14 Uhr.
Folgen später weitere Schwärme, spricht man von Nachschwärmen: Sie sind kleiner und werden von jungen, noch unbegatteten Königinnen angeführt. Mehrere Nachschwärme hintereinander können ein Volk so weit schwächen, dass es nicht mehr lebensfähig ist. Deshalb bricht der Imker bei schwarmstarken Völkern die Schwarmstimmung ab.
Die Schwarmtraube und die Entscheidung der Spurbienen
Der ausgezogene Schwarm sammelt sich zunächst als Schwarmtraube an einem Ast, Pfosten oder einer anderen Struktur in der Nähe des Muttervolkes – oft nur wenige Meter entfernt. Dort hängt er dicht geballt, mit der Königin im Inneren geschützt.
Von der Traube aus fliegen Spurbienen aus und suchen geeignete Quartiere: Baumhöhlen, Mauernischen, leere Bienenstöcke. Zurück an der Traube werben sie durch Tänze für ihre Fundstelle – ähnlich dem Schwänzeltanz für Futterquellen. Die Qualität des Quartiers bestimmt, wie intensiv eine Spurbiene tanzt; je besser das Quartier, desto mehr Kundschafter schließen sich an. In einem demokratischen Abstimmungsprozess einigen sich die Spurbienen auf die beste Option – dann bricht der gesamte Schwarm auf und bezieht sein neues Zuhause. Die Traube hängt meist nur wenige Stunden, selten länger als zwei Tage.
Ist ein Bienenschwarm gefährlich?
Nein. Schwarmbienen haben sich vor dem Auszug mit Honig vollgesogen und haben kein Nest zu verteidigen – sie sind in diesem Moment so friedlich wie nie. Stiche sind die absolute Ausnahme und passieren fast nur, wenn die Traube gequetscht oder gezielt gestört wird. Wer einen Schwarm entdeckt, hält Abstand, schließt in der Nähe Fenster und verständigt einen Imker oder den örtlichen Imkerverein; viele Vereine führen öffentliche Schwarmfänger-Listen.
Wem gehört ein Bienenschwarm? Die Rechtslage
Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt den Bienenschwarm ausdrücklich. Nach § 961 BGB wird ein ausgezogener Schwarm herrenlos, wenn der Eigentümer ihn nicht unverzüglich verfolgt. Solange der Imker seinem Schwarm nachsetzt, darf er dafür sogar fremde Grundstücke betreten (§ 962 BGB), muss aber entstandene Schäden ersetzen. Einen herrenlosen Schwarm darf sich jeder aneignen, der ihn einfängt. Vereinigen sich mehrere Schwärme, entsteht Miteigentum der beteiligten Imker (§ 963 BGB).
Schwarm einfangen und einschlagen
Hängt die Traube günstig, wird sie über einen Eimer oder eine Schwarmfangkiste abgestoßen oder abgekehrt. Entscheidend ist, dass die Königin mit in die Kiste gelangt – dann wandern die restlichen Bienen mit auffälligem „Sterzeln“ (Fächeln mit dem Hinterleib am Eingang) nach. Bis zum Abend bleibt die Kiste kühl und dunkel stehen, danach wird der Schwarm in eine Beute mit Mittelwänden eingeschlagen.
Ein gefangener Schwarm baut mit enormem Bautrieb innerhalb weniger Tage ein neues Wabenwerk. Da er fast brutfrei ist, lässt er sich zudem sehr wirksam gegen die Varroamilbe behandeln – der Milbenbefall kann durch eine Oxalsäurebehandlung auf ein Minimum gesenkt werden.
Schwarmprophylaxe: Schwärmen verhindern
Für die meisten Imker ist der unkontrollierte Schwarmabgang unerwünscht, weil er das Volk schwächt, Ertrag kostet und den Schwarm in die Nachbarschaft treibt. Bewährte Prophylaxe-Maßnahmen:
- Raumgabe: Honigraum rechtzeitig aufsetzen, damit die Bienen Platz haben und kein Schwarmstimmung entsteht.
- Weiselzellenbrechen: Bei der wöchentlichen Durchsicht alle Weiselzellen brechen – allerdings arbeitsintensiv und nicht immer verlässlich.
- Ablegerbildung: Durch gezielte Bildung von Ablegern wird die Volksenergie kanalisiert; der Schwarmtrieb bricht ab.
- Junge Königin: Völker mit jungen Königinnen schwärmen deutlich seltener als solche mit alten; regelmäßiges Umweiseln reduziert den Schwarmtrieb.
- Schwarmträge Rasse: Carnica und Buckfast haben deutlich geringeren Schwarmtrieb als viele andere Rassen.
Das Muttervolk nach dem Schwarm
Im Muttervolk schlüpft die erste junge Königin aus ihrer Weiselzelle. Sie tötet, wenn möglich, die noch ungeschlüpften Rivalinnen in ihren Zellen. Überleben mehrere, kommt es zum Kampf – nur eine überlebt. Kurz darauf folgt der Hochzeitsflug, und nach erfolgreicher Begattung übernimmt sie die Eiablage. Das geschwächte Volk baut sich bis zum Herbst wieder auf – vorausgesetzt, die junge Königin kommt sicher vom Hochzeitsflug zurück.
Häufige Fragen zum Bienenschwarm
Wie viele Bienen sind in einem Schwarm?
Ein Vorschwarm umfasst meist 10.000 bis 25.000 Bienen samt der alten Königin. Nachschwärme sind deutlich kleiner – oft nur einige tausend Tiere.
Wie lange bleibt ein Schwarm an einem Ort hängen?
Meist nur wenige Stunden, bis die Spurbienen sich auf eine neue Behausung geeinigt haben. Spätestens nach zwei bis drei Tagen zieht der Schwarm weiter – im Freien ohne Quartier kann er nicht überleben.
Wen rufe ich, wenn ich einen Bienenschwarm entdecke?
Den örtlichen Imkerverein oder einen Imker aus der Nachbarschaft. Feuerwehr und Polizei sind nur zuständig, wenn eine akute Gefahrenlage besteht – etwa ein Schwarm direkt vor einem Schuleingang.
Warum schwärmen Bienen überhaupt?
Schwarmen ist die natürliche Fortpflanzung des Bienenvolkes als Ganzes: Aus einem Volk werden zwei. Enge, starker Bruteinschlag und nachlassendes Königinnenpheromon lösen den Vorgang aus.
Kann man einen Schwarm selbst einfangen?
Prinzipiell ja, wenn die Traube gut erreichbar hängt. Da Schwarmbienen sehr friedlich sind, reicht einfache Schutzausrüstung. Ohne Erfahrung ist es aber sinnvoller, einen Imker zu rufen – er kann das Volk sicher einfangen und nutzbringend einschlagen.
Was passiert mit dem Muttervolk nach dem Schwarm?
Im Muttervolk schlüpft eine junge Königin aus einer Weiselzelle, tötet ihre Rivalinnen, führt den Hochzeitsflug durch und übernimmt die Eiablage. Das geschwächte Volk baut sich bis zum Herbst wieder auf.