Trachtlücke

Als Trachtlücke bezeichnet man eine Phase im Bienenjahr, in der Bienenvölker kaum Nektar und Pollen finden, weil zwischen zwei großen Blühphasen das Angebot einbricht. Am bekanntesten ist die Junilücke: Raps, Obst und Löwenzahn sind verblüht, während Sommertracht und Waldtracht noch nicht eingesetzt haben. Ausgerechnet im Hochsommer können Völker dann hungern.

Wann tritt die Trachtlücke auf?

Der Zeitpunkt hängt von Region und Landschaft ab. In ausgeräumten Agrarlandschaften beginnt die Lücke oft schon Ende Mai mit dem Abblühen des Rapses und dauert bis zur Lindenblüte Ende Juni. In Städten mit ihrem vielfältigen Blühangebot aus Gärten, Parks und Balkonen fällt sie deutlich schwächer aus oder fehlt ganz – ein Grund, warum Stadtbienen heute oft bessere Trachtbedingungen vorfinden als Landbienen. In Waldgebieten kann die Honigtautracht die Lücke überbrücken, sie ist aber von Jahr zu Jahr unzuverlässig.

Folgen der Trachtlücke für das Bienenvolk

Ein Wirtschaftsvolk verbraucht im Sommer täglich 200 bis 300 Gramm Futter. Bleibt der Eintrag aus, leben die Bienen von den Vorräten – und die sind nach dem Abschleudern der Frühtracht oft knapp. Die Folgen reichen von gedrosselter Bruttätigkeit über eingestellten Wabenbau bis zum Verhungern ganzer Völker innerhalb weniger Tage. Zusätzlich steigt die Gefahr von Räuberei: Starke Völker überfallen schwächere, um an deren Vorräte zu gelangen.

Auch die Stimmung der Völker verändert sich spürbar. Trachtlose Völker sind reizbarer, die Durchsicht wird ungemütlicher, und am Flugloch ist statt zielstrebigem Flugbetrieb nervöses Suchen zu beobachten.

Trachtlücke erkennen: Futterkontrolle statt Vermutung

Verlässliche Hinweise liefern die Stockwaage und die Futterkontrolle bei der Durchsicht. Nimmt ein Volk über mehrere Tage kontinuierlich an Gewicht ab, herrscht Trachtmangel. Als Faustregel gilt: Ein Volk sollte im Sommer nie unter fünf Kilogramm Futtervorrat fallen. Wer keine Waage hat, kippt die Beute leicht an – ein erfahrener Griff verrät das ungefähre Gewicht.

Maßnahmen gegen die Trachtlücke

  • Futterreserve belassen: Beim Abschleudern der Frühtracht nicht alle Honigwaben entnehmen oder eine volle Futterwabe je Volk zurückbehalten.
  • Notfütterung: Bei akutem Mangel Futterteig oder dünnen Sirup in kleinen Portionen geben – niemals offen füttern, das löst Räuberei aus.
  • Trachtwanderung: Völker gezielt in Gebiete mit laufender Tracht bringen, etwa in blühende Linden- oder Waldgebiete.
  • Bienenweide verbessern: Spät blühende Trachtpflanzen wie Phacelia, Buchweizen oder Weißklee schließen die Lücke dauerhaft.

Häufige Fragen zur Trachtlücke

Was ist die Junilücke?

Die Junilücke ist die häufigste Form der Trachtlücke: die trachtarme Zeit zwischen dem Abblühen von Raps und Obst und dem Beginn von Linden- und Sommertracht, meist von Ende Mai bis Ende Juni.

Können Bienenvölker im Sommer wirklich verhungern?

Ja. Nach dem Abschleudern der Frühtracht reichen die Vorräte bei anhaltend schlechtem Wetter oder fehlender Tracht mitunter nur wenige Tage. Brutstarke Völker sind besonders gefährdet.

Wie viel Futter braucht ein Volk während der Trachtlücke?

Mindestens fünf Kilogramm Vorrat sollten jederzeit im Volk sein. Der Tagesverbrauch eines starken Volkes liegt im Sommer bei 200 bis 300 Gramm.

Warum sind Stadtbienen weniger betroffen?

Gärten, Parks, Balkone und Straßenbegleitgrün blühen gestaffelt über die ganze Saison. Dieses vielfältige Angebot überbrückt die Lücke, die in Agrarlandschaften nach der Rapsblüte entsteht.