Sommertracht

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Als Sommertracht bezeichnet die Imkerei die Hochsaison der Honigernte – die Wochen von Anfang Juni bis Ende Juli, in denen die wichtigsten Massentrachten gleichzeitig oder dicht hintereinander blühen. Sie ist die ergiebigste Phase des Bienenjahres und Quelle der meisten klassischen Sortenhonige.

Wie sich die Sommertracht aufbaut

Anders als die noch fragmentierte Frühtracht (Raps, Obst, Löwenzahn) bietet die Sommertracht eine dichte Kette verschiedener Trachten:

  • Anfang Juni: Edelkastanie im Süden, erste Linden in Stadtnähe, Esskastanie
  • Mitte/Ende Juni: Robinie (Akazie) in den Wärmegebieten – kurze, intensive Massentracht
  • Ende Juni bis Mitte Juli: Linden voll im Saft, oft die ertragreichste Phase
  • Juli: Phazelie, Buchweizen, Sonnenblume in landwirtschaftlich genutzten Flächen
  • Parallel ab Mitte Juni: Waldtracht mit Honigtau in Nadelwäldern

Ertragspotenzial

Die Sommertracht ist mit Abstand die ergiebigste Trachtphase. Typische Zahlen pro Volk und Tracht:

  • Robinie – 5–15 kg an guten Tagen, 20–40 kg insgesamt in starken Jahren
  • Linde – ähnlich, oft über 30 kg
  • Waldtracht – sehr schwankend, bei guter Lage über 40 kg

Ein gut geführtes Volk kann in einer ergiebigen Sommertracht-Saison 80–120 kg Honig einbringen – wovon der Imker je nach Region und Verfahren 30–60 kg ernten kann; der Rest dient dem Volk als Eigenbedarf.

Imkerliche Aufgaben

Die Sommertracht stellt den Imker vor mehrere parallele Anforderungen:

Honigraum-Management. Vor der Robinie sollte der Honigraum sauber sein, damit der spätere Sortenhonig nicht durch Frühtrachthonig verunreinigt wird. Wer sortenreinen Akazienhonig oder Lindenhonig anstrebt, schleudert zwischen den Trachten und setzt frische Mittelwände ein.

Schwarmkontrolle. Die Sommertracht-Phase fällt mit dem maximalen Schwarmtrieb zusammen. Regelmäßige Durchsicht, Ableger-Bildung und gegebenenfalls Weiselzellen-Entnahme gehören zum Wochenrhythmus.

Wandern. Wer eine bestimmte Sorte gezielt erntet, wandert in das passende Trachtgebiet: in Robinienwälder für Akazienhonig, in den Schwarzwald oder Bayerischen Wald für Waldhonig, in städtische Linden-Reichgebiete für Lindenhonig.

Wetterabhängigkeit. Die Sommertracht ist stark wetterabhängig: Robinie braucht warmes, stilles Wetter, Linde verträgt mehr Wechsel, Waldtracht setzt nach längeren feuchten Phasen ein. Drei Tage Dauerregen während der Robinienblüte können eine ganze Sortenernte kosten.

Sommertrachthonig als Mischsorte

Wer nicht sortenrein erntet, sondern alles in der Honigsaison Eingetragene zusammen schleudert, erhält Sommertrachthonig – einen aromatischen Mischhonig, dessen genauer Charakter vom regionalen Trachtangebot abhängt. Ein Schwarzwald-Sommertrachthonig wird tendenziell dunkler und würziger, ein Norddeutscher heller und milder. Im Handel ist „Sommertrachthonig“ eine gültige, von der Honigverordnung anerkannte Sortenbezeichnung.

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