Honigtau

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Honigtau ist eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die von pflanzensaftsaugenden Insekten – vor allem Blattläusen und Schildläusen – als Ausscheidungsprodukt auf Blättern und Nadeln abgesetzt wird. Für Bienen ist Honigtau eine eiweißarme, aber sehr zuckerreiche Tracht; aus ihm entsteht der charakteristische dunkle Waldhonig.

Entstehung – ein dreistufiger Stoffwechselweg

Honigtau ist im wörtlichen Sinne ein „Abfallprodukt“ – allerdings ein hochgradig brauchbares. Der Weg dorthin verläuft in drei Schritten:

  1. Saugen: Eine Blattlaus sticht mit ihrem Stechrüssel in die Siebröhren (Phloem) einer Pflanze ein. Dort fließt zucker- und aminosäurereicher Pflanzensaft, der unter Druck steht. Die Laus muss nicht aktiv saugen – der Saft fließt von selbst durch ihren Verdauungstrakt.
  2. Filtern: Die Laus interessiert sich vor allem für die Aminosäuren (Proteine). Den Zuckerüberschuss kann sie weder vollständig aufnehmen noch verstoffwechseln.
  3. Ausscheiden: Der filtrierte, immer noch zuckerreiche Saft wird als kleine Tröpfchen ausgeschieden – auf den Blättern unter ihr, auf den Zweigen, auf allem unter dem Baum. Bei massivem Befall klebt im Sommer ganze Waldböden.

Während des Durchgangs durch den Laus-Darm verändert sich die Zuckerzusammensetzung: Pflanzensaft enthält vor allem Saccharose, im Honigtau dominieren längere Zucker wie Melezitose und Trehalose, die später dem Waldhonig sein typisches Profil geben.

Bedeutendste Honigtau-Lieferanten

Nicht alle Blattläuse sind für die Imkerei gleich interessant. Hauptlieferanten in deutschen Wäldern:

  • Fichtenrindenlaus (Cinara spp.) – wichtigste Honigtau-Quelle auf der Gemeinen Fichte
  • Tannentrieblaus und Tannenstammlaus – auf Weißtanne
  • Lecanium-Schildläuse – auf Laubbäumen wie Eiche, Linde, Ahorn
  • Großbeer-Blattlaus – auf Bergahorn

Massentrachten entstehen nur in günstigen Jahren, wenn drei Faktoren zusammenkommen: ausreichende Laus-Populationen vom Vorjahr, warme aber feuchte Frühjahrsbedingungen für die Lausentwicklung und genug Restfeuchtigkeit im Spätsommer.

Erkennen am Stand und im Wald

Honigtau-Eintrag verrät sich auf mehrere Arten:

  • Klebrige Blätter unter befallenen Bäumen – im Sommer das deutlichste Zeichen
  • Klebrige Autos unter Linden in der Stadt – derselbe Vorgang
  • Schnelle Gewichtszunahme der Bienenvölker auf der Waage – manchmal 3–5 kg an einem Tag
  • Dunkler, sehr zähflüssiger Honig in den Waben, der nicht vergoren wirkt
  • Ameisenkolonnen an Baumstämmen – Ameisen „melken“ die Läuse aktiv

Imkerliche Besonderheiten

Honigtauhonig hat zwei Tücken, die jeden Imker betreffen:

Hoher Mineralstoffgehalt. Während Blütenhonig kaum Mineralien enthält, ist Honigtauhonig reich an Kalium, Magnesium und anderen Salzen. Das macht ihn geschmacklich interessant, aber als Winterfutter ungeeignet – die Bienen können die Mineralstoffe im Winter nicht ausreichend ausscheiden und bekommen die gefürchtete „Ruhrkrankheit“ (Durchfall im verschlossenen Stock). Wer im Spätsommer Waldtracht erntet, sorgt für ausreichend Blütenhonig oder Futter-Auffütterung mit Zuckersirup.

Melezitose – „Zementhonig“. Ein hoher Anteil des Dreifachzuckers Melezitose lässt manche Waldtrachten bereits in den Waben kristallisieren – fest wie Zement. Der Honig lässt sich dann kaum noch schleudern. Imker reagieren mit häufiger Ernte, Wärmebehandlung der Waben oder Verzicht auf die kritischen Trachten.

Honigtau und Klimawandel

Mit wärmeren Sommern und milderen Wintern haben sich die Laus-Populationen in deutschen Wäldern verändert. Manche traditionelle Waldtracht-Gebiete liefern heute weniger als vor 30 Jahren, andere zeigen unerwartet starke Trachten. Die langfristige Entwicklung ist Gegenstand laufender Forschung.

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