Ableger

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Als Ableger bezeichnet die Imkerei ein junges Bienenvolk, das durch gezielte Teilung aus einem Wirtschaftsvolk gebildet wurde. Die Ablegerbildung gehört zu den grundlegenden Arbeiten der modernen Bienenhaltung – sie ermöglicht Volksvermehrung, Königinnenzucht, Königinnenwechsel und ist gleichzeitig eines der wirksamsten Mittel zur Schwarmverhinderung.

Steckbrief Ableger

  • Was: junges Teilvolk aus einem Wirtschaftsvolk
  • Zweck: Vermehrung, Schwarmkontrolle, Königinnenwechsel, Reservevolk
  • Hauptzeit: Mai bis Juni
  • Häufigste Form: Brutwabenableger
  • Standort: idealerweise über 3 km vom Spendervolk entfernt
  • Varroa-Vorteil: brutfreie Phase erlaubt eine sehr wirksame Behandlung

Warum Ableger bilden?

Drei klassische Gründe:

  1. Vermehrung: Aus einem starken Volk werden zwei – langfristig wachsen Bienenstand und Honigertrag.
  2. Schwarmkontrolle: Ein Volk im Schwarmtrieb gibt einen Teil seiner Bienen und Brut nach außen ab. Wer ihm zuvorkommt und selbst Brut entnimmt, dämpft den Schwarmtrieb deutlich.
  3. Reservevolk und Königinnenwechsel: Junge Königinnen reifen im Ableger heran. Erweist sich eine Wirtschaftskönigin als alt, sanft- oder weiselgestört, kann die Reserve im Ableger sie ersetzen.

Die wichtigsten Ablegerarten

Brutwabenableger

Die häufigste Variante. Aus einem starken Volk werden eine bis drei verdeckelte Brutwaben samt ansitzenden Bienen entnommen und in eine neue Beute gegeben. Dazu kommt eine Futterwabe, eine leere Mittelwand und – je nach Methode – eine geschlüpfte Königin, eine reife Weiselzelle oder das Material für eine Nachschaffung aus den vorhandenen jungen Larven.

Flugling

Der alte Standort, das alte Volk wird komplett umgesetzt – zurück bleibt am alten Platz nur die geöffnete Beute mit einer einzigen Brutwabe und Futter. Die heimkehrenden Flugbienen sammeln sich dort und ziehen sich aus der vorhandenen Brut eine neue Königin. Methode für die schnelle Schwarmverhinderung an einem warmen Vormittag.

Saugling

Das Gegenstück zum Flugling: Aus dem Mutterstock werden Brutwaben mit ansitzenden Jungbienen entnommen und an einen weit entfernten Standort gebracht. Die Flugbienen kehren zum alten Stock zurück, im Saugling bleiben nur die Stockbienen mit der Brut.

Sammelbrutableger

Aus mehreren Wirtschaftsvölkern werden je ein bis zwei Brutwaben gezogen und zu einem starken Jungvolk zusammengefasst. Vorteil: kein einzelnes Volk wird stark geschwächt, der Ableger ist von Anfang an kräftig.

Kunstschwarm

Streng genommen kein Ableger im klassischen Sinn: Brutfreie Bienen werden zusammen mit einer Königin in eine Schwarmkiste gefegt und wie ein Naturschwarm einlogiert. Hauptanwendung in der modernen Imkerei: Königinnen-Vermehrung mit Begattungseinheiten.

Zeitpunkt

In Mitteleuropa ist die Hauptzeit für die Ablegerbildung Mai bis Juni – früh genug, damit das Jungvolk bis in den Spätsommer eigene Vorräte sammeln und vor dem Winter ausreichend Winterbienen aufziehen kann. Spätere Ableger (Juli/August) benötigen meist Futter- und Pflegezuwendungen, um winterfest zu werden.

Was braucht ein gesunder Ableger?

  • Eine Ablegerbeute (oft eine 5- oder 6-waben-Mini-Magazinbeute oder eine reguläre Beute mit Schied)
  • Brut und ansitzende Bienen aus dem Spendervolk
  • Futter – flüssig oder als verdeckelte Futterwabe
  • Eine Königin, eine reife Weiselzelle oder geeignetes Material für die Nachschaffung
  • Einen Standort, idealerweise mehr als 3 km vom Spenderstand entfernt (sonst kehren die Flugbienen zurück)
  • Varroa-Behandlung in der brutfreien Phase nach Einlogierung – ein Ableger ist die wirksamste Gelegenheit für eine schadschwellenfreie Oxalsäure-Behandlung

Häufige Fragen zum Ableger

Was ist ein Ableger einfach erklärt?

Ein Ableger ist ein junges Bienenvolk, das der Imker aus einem starken Volk abteilt – mit Brut, Bienen und Futter. Er zieht sich entweder selbst eine Königin oder bekommt eine zugesetzt und wächst zu einem eigenständigen Volk heran.

Wann bildet man am besten Ableger?

In der Hauptsaison von Mai bis Juni. So hat das Jungvolk genug Zeit, bis zum Winter stark zu werden. Spätsommer-Ableger brauchen zusätzliche Pflege und Fütterung.

Wie weit muss ein Ableger vom Muttervolk entfernt stehen?

Idealerweise mehr als drei Kilometer. Steht er näher, fliegen die älteren Sammelbienen zum vertrauten alten Standort zurück, und der Ableger verliert Flugbienen.

Warum ist ein Ableger gut gegen die Varroamilbe?

Nach der Bildung durchläuft ein Ableger eine brutfreie Phase. Dann sitzen alle Milben auf den Bienen und lassen sich mit einer einzigen Oxalsäurebehandlung sehr wirksam entfernen – ein Neustart mit minimalem Milbendruck.

Siehe auch