Eine Belegstelle ist ein geschützter Begattungsplatz für Bienenköniginnen, an dem ausschließlich ausgewählte Drohnenvölker einer bestimmten Zuchtlinie stehen. Imker bringen ihre unbegatteten Jungköniginnen in kleinen Begattungseinheiten dorthin, damit sie sich kontrolliert mit Drohnen der gewünschten Abstammung paaren. Die Belegstelle ist damit das wichtigste Werkzeug der kontrollierten Anpaarung in der Königinnenzucht.
Warum Belegstellen nötig sind
Eine Königin paart sich auf ihren Hochzeitsflügen mit 10 bis 20 Drohnen aus einem Umkreis von mehreren Kilometern. Am heimischen Stand ist die Vaterseite damit reiner Zufall – die sogenannte Standbegattung. Wer dagegen Eigenschaften wie Sanftmut oder Varroatoleranz züchterisch festigen will, muss beide Elternseiten kontrollieren. Die Belegstelle löst das räumlich: In einem drohnenarmen Gebiet werden ausschließlich Drohnenvölker geprüfter Herkunft aufgestellt, sodass die angelieferten Königinnen mit hoher Wahrscheinlichkeit nur diese Drohnen treffen.
Arten von Belegstellen
| Typ | Schutzprinzip | Sicherheit der Anpaarung |
|---|---|---|
| Landbelegstelle | Schutzzone von meist 5–10 km Radius, in der keine fremden Völker stehen dürfen | Gut, abhängig von Disziplin der Umgebung |
| Gebirgs- und Hochgebirgsbelegstelle | Natürliche Isolation durch Täler und Höhenlagen | Sehr hoch |
| Inselbelegstelle | Wasserflächen verhindern Drohnenzuflug (z. B. Nordseeinseln wie Norderney oder Baltrum) | Nahezu vollständig |
In Deutschland betreiben Landesverbände und Züchterringe je nach Rasse eigene Belegstellen – vor allem für Carnica, Buckfast und zunehmend wieder für die Dunkle Europäische Biene. Viele Belegstellen sind nach Landesrecht anerkannt; innerhalb des Schutzradius gilt dann ein Aufstellungsverbot für fremde Bienenvölker.
Ablauf der Belegstellenbeschickung
- Jungköniginnen schlüpfen lassen und in Begattungskästchen (z. B. Mini-Plus oder Kirchhainer) mit jungen Bienen einquartieren – ohne Drohnen.
- Anmeldung bei der Belegstelle; viele verlangen ein aktuelles Gesundheitszeugnis, das Freiheit von Amerikanischer Faulbrut bescheinigt.
- Kästchen am Annahmetag abliefern. Die Aufenthaltsdauer beträgt meist 10 bis 14 Tage.
- Nach der Rückholung Eilage kontrollieren: Stiftet die Königin und entsteht geschlossene Arbeiterinnenbrut, war die Begattung erfolgreich.
Die Begattungsquote liegt auf gut geführten Belegstellen je nach Witterung bei 70 bis 90 Prozent. Gebühren von wenigen Euro pro Königin decken die Pflege der Drohnenvölker.
Häufige Fragen zur Belegstelle
Was kostet die Beschickung einer Belegstelle?
Je nach Verband meist zwischen 3 und 10 Euro pro Königin, auf Inselbelegstellen teils etwas mehr. Hinzu kommt die eigene Anfahrt.
Wie lange bleiben die Königinnen auf der Belegstelle?
In der Regel 10 bis 14 Tage – genug Zeit für mehrere Hochzeitsflüge und den Beginn der Eilage.
Warum sind Inselbelegstellen besonders sicher?
Drohnen überfliegen keine größeren Wasserflächen. Auf einer Insel stehen daher garantiert nur die aufgestellten Vatervölker als Paarungspartner zur Verfügung.
Was ist der Unterschied zwischen Belegstelle und Standbegattung?
Bei der Standbegattung paart sich die Königin mit zufälligen Drohnen der Umgebung, auf der Belegstelle nur mit Drohnen ausgewählter Zuchtvölker. Nur so lässt sich die Vaterseite züchterisch steuern.