Als Bienenstock bezeichnet man die Behausung eines Honigbienenvolkes – also den Hohlraum, in dem die Bienen ihre Waben bauen, Brut aufziehen und Honig einlagern. Im imkerlichen Sprachgebrauch wird der Begriff oft synonym zu Beute verwendet, hat aber genau genommen eine etwas weitere Bedeutung: Bienenstock meint das gesamte Bauwerk inklusive Bienenvolk, Beute nur den vom Menschen gefertigten Behälter.
Natürliche und künstliche Bienenstöcke
In der Natur suchen sich wilde Honigbienenvölker geschützte Hohlräume – traditionell ausgehöhlte alte Bäume (Klotzbeute-Vorform), Felsspalten oder Gebäudezwischenräume. Die wilden Bestände wurden in Mitteleuropa durch die Varroamilbe und Lebensraumverlust weitgehend vernichtet; heute leben fast alle Honigbienenvölker in vom Menschen bereitgestellten Behausungen.
Künstliche Bienenstöcke gibt es in vielen Bauformen:
- Magazinbeute – die heute dominante Bauform mit übereinander gestapelten Zargen; in Varianten wie Dadant, Zander, Langstroth, Deutsch Normal
- Hinterbehandlungsbeute – traditionelle Form, die von hinten geöffnet wird
- Klotzbeute – aus einem ausgehöhlten Baumstamm gefertigt; historisch wichtig, heute Nische
- Bienenkorb (Skep) – geflochtener Strohkorb; vor allem im Heidegebiet noch im Einsatz
- Top-Bar-Hive – horizontale Stockform mit Naturwabenbau; bei wesensgemäßen Imkern verbreitet
Aufbau eines modernen Bienenstocks
Ein typischer Magazin-Bienenstock besteht aus mehreren übereinander gestapelten Elementen:
- Bodenbrett mit Fluglochöffnung – Eingang und Ausgang für die Bienen
- Brutraum – eine oder mehrere Zargen mit Waben für Brut, Pollen und Honigvorräte
- Absperrgitter – verhindert, dass die Königin in den Honigraum gelangt
- Honigraum – eine oder mehrere Zargen, die ausschließlich Honig aufnehmen
- Innendeckel mit Belüftungsmöglichkeit, oft mit Futterloch
- Außendeckel – wetterfester Abschluss
Innenleben
Im Inneren des Bienenstocks ist die Welt streng geordnet:
- Im Zentrum der Brutraum mit kreisförmig angeordneter Brut – jüngste Brut in der Mitte, älter werdend nach außen
- Über und neben der Brut Pollen- und Honigkränze als unmittelbare Nahrungsreserve
- Oben oder seitlich die längerfristigen Honigvorräte
- An der Wabenoberkante Drohnenbrut, oft in unverdeckelten Zellen
- Am Eingang der „Stockduft“ – ein für jedes Volk einzigartiger Mix von Pheromonen
Die Temperatur im Brutraum wird konstant zwischen 34 und 35 °C gehalten – Sommer wie Winter. Diese Stockwärme ist eine der erstaunlichsten Leistungen der Honigbiene als Superorganismus.
Standort des Bienenstocks
Der Standort beeinflusst die Volksentwicklung wesentlich. Ideale Bedingungen:
- Sonnige, windgeschützte Lage – warme Morgensonne ist besonders wichtig
- Flugloch nach Südosten – Bienen verlassen den Stock früh am Morgen
- Trockener Untergrund – Bodenfeuchte schadet
- Erreichbarkeit – der Imker muss mit Material gut zukommen
- Trachtnähe – im Idealfall mehrere kleine Trachten in 1–3 km Radius
- Soziale Verträglichkeit – ausreichender Abstand zu Wegen, Nachbarn, Spielplätzen