Kategorie: Honigbienen

Arten und Rassen der Honigbiene (Gattung Apis) – von der heimischen Carnica über die Dunkle Biene bis zu den asiatischen Verwandten.

  • Afrikanisierte Honigbiene

    Die Afrikanisierte Honigbiene ist ein Hybrid aus der ostafrikanischen Savannenbiene Apis mellifera scutellata und verschiedenen europäischen Unterarten der Westlichen Honigbiene. In der Boulevardpresse hat sie sich den Namen Killerbiene eingehandelt – ein irreführender Begriff, der ihrer biologischen Realität nicht gerecht wird.

    Wie ist sie entstanden?

    1956 importierte der brasilianische Genetiker Warwick E. Kerr Königinnen von A. m. scutellata aus Tansania nach São Paulo. Ziel war es, eine an tropische Bedingungen angepasste Honigbiene zu züchten, die im damaligen Brasilien bessere Trachterträge liefert als die europäischen Importbienen. 1957 entkamen 26 dieser Königinnen samt Begleitvölker einem Versuchsstand bei Rio Claro.

    Was als regionaler Vorfall begann, wurde zu einem der dramatischsten Faunenwechsel der jüngeren Imkereigeschichte. Die scutellata-Gene erwiesen sich als außerordentlich dominant. Innerhalb weniger Jahrzehnte verbreitete sich der Hybrid über ganz Südamerika, Mittelamerika, die Karibik und schließlich bis in den Süden der USA – heute reicht das stabile Verbreitungsgebiet bis Texas, Arizona, Kalifornien, Florida und Georgia.

    Eigenschaften

    • Sehr hohe Honigleistung unter tropischen Bedingungen
    • Frühe und häufige Schwärme – ein Volk kann mehrere Schwärme pro Saison abgeben
    • Niedrige Stockschwelle gegenüber Störung – sie verteidigt früher, mit mehr Tieren gleichzeitig und über größere Entfernungen als europäische Bienen
    • Absconding – das komplette Verlassen eines Standorts bei Trachtmangel oder Störung, was sie als Wanderbiene weiträumig macht
    • Höhere Resistenz gegen Varroa im Vergleich zu rein europäischen Linien

    Verteidigungsverhalten – die Wahrheit hinter dem „Killerbienen“-Mythos

    Eine einzelne afrikanisierte Biene stechen nicht stärker oder häufiger als eine europäische. Auch ihr Gift ist nicht giftiger. Entscheidend ist das kollektive Verhalten: Wo eine europäische Carnica vielleicht 10 bis 20 Wächterbienen bei einer Bedrohung schickt, mobilisiert ein afrikanisiertes Volk Hunderte. Die Tiere verfolgen den Eindringling weit – berichtet werden Verfolgungsdistanzen von 400 Metern und mehr. Tödliche Vorfälle bei Mensch und Vieh resultieren fast immer aus einer großen Anzahl Stiche, nicht aus einer Einzelreaktion.

    In den USA hat die Apex-Forschungsstelle des USDA die Biene ausführlich charakterisiert. Imker in den betroffenen Bundesstaaten haben spezielle Strategien entwickelt: Königinnen werden gezielt umgeweiselt (auf europäische Genetik gezüchtet), Stände werden in größerem Abstand zu Wohngebieten betrieben und Schutzkleidung ist umfangreicher.

    In Deutschland

    Die Afrikanisierte Honigbiene kommt in Deutschland und Mitteleuropa nicht vor. Klimatisch wäre sie hier außerhalb der wärmsten Bereiche kaum überlebensfähig, und die Einfuhr lebender Bienen unterliegt strengen seuchen- und tierschutzrechtlichen Bestimmungen (Bienenseuchen-Verordnung).

    Siehe auch

  • Östliche Honigbiene

    Die Östliche Honigbiene (Apis cerana) ist eine staatenbildende Honigbiene und das asiatische Gegenstück zur in Europa verbreiteten Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Sie ist in einem riesigen Verbreitungsgebiet von Afghanistan über Indien, China, Korea und Japan bis nach Indonesien zuhause und wird dort seit Jahrtausenden imkerlich genutzt.

    Aussehen und Lebensweise

    Apis cerana ist etwas kleiner und schlanker als ihre westliche Verwandte und meist deutlich kontrastreicher gezeichnet. Ihre Völker sind vergleichsweise klein – häufig 6.000 bis 12.000 Tiere statt der 40.000 und mehr, die ein gut entwickeltes mellifera-Volk im Sommer trägt. Genistet wird traditionell in Baumhöhlen, Felsspalten oder hohlen Holzstämmen (Klotzbeute). In moderner Imkerei in Asien werden auch Magazinbeuten und vereinfachte Bauformen verwendet.

    Verteidigung gegen Hornissen

    Das wohl spektakulärste Verhalten von Apis cerana ist die Hitzekugel (auch Bienenkugel genannt) gegen die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia). Dringt eine Hornissen-Späherin in den Stockbereich ein, umschließen sie blitzschnell Hunderte Bienen wie eine lebende Faust. Durch synchrones Vibrieren der Flugmuskulatur steigt die Temperatur im Kugelinneren auf etwa 46 °C – knapp über der tödlichen Grenze der Hornisse, aber unterhalb dessen, was die Bienen selbst aushalten. Die Westliche Honigbiene, die nicht mit dieser Hornissenart koevolviert ist, kennt diesen Trick nicht und ist gegen Asiatische Hornissen weitgehend wehrlos.

    Bedeutung für die Varroa-Forschung

    Apis cerana ist der ursprüngliche Wirt der Varroamilbe (Varroa destructor). Über Jahrmillionen hat sich ein erstaunliches Gleichgewicht entwickelt: Die Milbe vermehrt sich bei cerana nur in der Drohnenbrut, die Bienen erkennen befallene Brutzellen und entfernen sie aktiv. Erst als die Milbe in den letzten 75 Jahren auf die westliche Honigbiene übersprang – eine Wirtin, die diese Abwehrmechanismen nicht besitzt – wurde sie zum imkerlichen Hauptproblem.

    Verwandte Arten

    Innerhalb der Gattung Apis gehört cerana zur Gruppe der höhlenbrütenden Honigbienen. Eng verwandt sind die Borneo-Honigbiene, die Ostafrikanische Hochlandbiene und die hochalpine Kliff-Honigbiene des Himalaya. Im Gegensatz dazu nisten Apis dorsata und Apis florea freihängend an Felsen oder Ästen.

    Heimische Imker und Apis cerana

    In Deutschland darf Apis cerana nicht gehalten werden – wie bei allen gebietsfremden Honigbienenunterarten gelten artenschutzrechtliche und seuchenrechtliche Beschränkungen. Wer sich für die östliche Biene interessiert, findet das beste Anschauungsmaterial in Bildungsimkereien und Lehrbeständen sowie in der wissenschaftlichen Literatur zu Verhaltensbiologie und Schwarmökologie.

    Siehe auch

  • Carnica

    Die Carnica (Kärntner Biene, Apis mellifera carnica) ist eine Unterart der Honigbiene und die in Deutschland und Österreich am häufigsten gehaltene Rasse.

    Gezüchtet wird die Carnica vor allem wegen ihrer Sanftmut: Sie gilt als ruhig und gut handhabbar – ein großer Vorteil für Einsteiger. Auch ihre Winterfestigkeit und ihr zügiger Frühjahrsstart schätzen viele Imker.

    Ein typisches Merkmal ist der ausgeprägte Schwarmtrieb, den der Imker im Auge behalten muss. Zuchtlinien versuchen, diesen Trieb zu dämpfen.

    Wer mit der Imkerei beginnt, fährt mit einer Carnica meist gut. Wichtiger als die Rasse ist aber, das eigene Volk und seine Königin kennenzulernen.

    Verwandte Begriffe

  • Honigbiene

    Die Honigbiene (Apis mellifera) ist die in Europa bekannteste Bienenart und das einzige Insekt, das vom Menschen für die Honigproduktion gehalten wird.

    Honigbienen leben als Staat von oft mehreren zehntausend Tieren. Ein Volk besteht aus einer Königin, den männlichen Drohnen und den vielen weiblichen Arbeiterinnen.

    Anders als die meisten Wildbienen überwintert die Honigbiene als ganzes Volk. Im Winter bilden die Bienen eine Wärmetraube und halten so die Königin am Leben.

    Für die Landwirtschaft ist die Honigbiene als Bestäuberin von großer Bedeutung – ihr wirtschaftlicher Nutzen übersteigt den Wert des Honigs bei Weitem. In Mitteleuropa wird häufig die Unterart Carnica gehalten.

    Verwandte Begriffe