Die Bienenkönigin – fachsprachlich auch Weisel genannt – ist das einzige voll fortpflanzungsfähige Weibchen in einem Bienenvolk und damit die Mutter nahezu aller Tiere im Stock. Ein Volk besitzt im Normalfall genau eine Königin. Sie legt die Eier, aus denen Arbeiterinnen und Drohnen entstehen, und hält das Volk durch ihre Duftstoffe zusammen. Fällt sie aus, gerät der gesamte Bienenstaat in Gefahr.
Steckbrief Bienenkönigin
- Andere Bezeichnung: Weisel
- Rolle: einziges fortpflanzungsfähiges Weibchen im Volk
- Entwicklungsdauer: rund 16 Tage – schneller als Arbeiterin und Drohne
- Legeleistung: in der Hochsaison bis zu 2.000 Eier pro Tag
- Lebensdauer: mehrere Jahre
- Besonderheit: paart sich nur einmal im Leben auf dem Hochzeitsflug
- Erkennungsmerkmal: deutlich längerer Hinterleib, oft farbig gekennzeichnet
Aussehen und Kennzeichnung der Königin
Die Königin ist größer als die Arbeiterinnen, vor allem ihr Hinterleib ist deutlich länger und ragt weit über die Flügel hinaus. Trotzdem ist sie auf einer dicht besetzten Wabe oft schwer zu finden. Viele Imker kennzeichnen sie deshalb mit einem kleinen Farbpunkt auf dem Brustsegment. Die Farbe folgt einem internationalen Code, der das Schlupfjahr angibt:
- Weiß: Jahre auf 1 oder 6
- Gelb: Jahre auf 2 oder 7
- Rot: Jahre auf 3 oder 8
- Grün: Jahre auf 4 oder 9
- Blau: Jahre auf 5 oder 0
Die Kennzeichnung hilft, die Königin schnell wiederzufinden und ihr Alter auf einen Blick zu erkennen – wichtig, um rechtzeitig über einen Austausch zu entscheiden.
Entwicklung aus der Weiselzelle
Eine Königin entsteht aus demselben befruchteten Ei wie eine Arbeiterin – den Unterschied macht allein die Ernährung. Eine zur Königin bestimmte Larve wächst in einer besonders großen Weiselzelle heran und wird durchgehend ausschließlich mit Gelée royale (Weiselfuttersaft) gefüttert. Diese reichhaltige Ernährung steuert ihre Entwicklung zum fortpflanzungsfähigen Tier. Vom Ei bis zum Schlupf vergehen bei der Königin nur rund 16 Tage – schneller als bei Arbeiterin und Drohne. Wie Imker diesen Vorgang gezielt nutzen, beschreibt der Beitrag zur Königinnenzucht.
Hochzeitsflug und Begattung
Wenige Tage nach dem Schlupf unternimmt die junge Königin einen oder mehrere Hochzeitsflüge. Dabei paart sie sich hoch in der Luft mit zahlreichen Drohnen aus verschiedenen Völkern. Den dabei aufgenommenen Samenvorrat speichert sie in einer eigenen Samenblase und nutzt ihn für ihr gesamtes weiteres Leben. Nach der Begattung kehrt sie in den Stock zurück und verlässt ihn – außer beim Schwärmen – in der Regel nie wieder. Bleibt der Hochzeitsflug aus, etwa bei langanhaltend schlechtem Wetter, bleibt die Königin unbegattet und kann nur noch unbefruchtete Eier legen.
Eiablage
Die Hauptaufgabe der Königin ist die Eiablage. In der Hochsaison kann sie täglich bis zu 2.000 Eier legen – mehr als ihr eigenes Körpergewicht. Sie entscheidet dabei, ob ein Ei befruchtet wird oder nicht: Aus befruchteten Eiern entstehen weibliche Tiere (Arbeiterinnen oder neue Königinnen), aus unbefruchteten die männlichen Drohnen. So steuert die Königin maßgeblich die Zusammensetzung des Volkes über das Jahr.
Pheromone und der Zusammenhalt des Volkes
Die Königin gibt Duftstoffe (Pheromone) ab, die sich über die Bienen im ganzen Stock verteilen. Diese „Königinnensubstanz“ signalisiert dem Volk, dass eine intakte Königin vorhanden ist, und unterdrückt die Entwicklung neuer Königinnen sowie die Eiablage durch Arbeiterinnen. Lässt die Wirkung nach – etwa weil die Königin altert oder verloren geht –, beginnt das Volk, eine neue Königin nachzuziehen. Die Pheromone sind damit das unsichtbare Band, das den Bienenstaat zusammenhält.
Schwarm, Nachschaffung und Umweiselung
Der Wechsel der Königin geschieht auf mehreren Wegen. Beim natürlichen Schwärmen verlässt die alte Königin mit einem Teil des Volkes den Stock, während im Muttervolk eine junge Königin aus einer Schwarmzelle heranwächst. Geht die Königin plötzlich verloren, zieht das Volk aus jüngsten Larven eine Nachschaffungsköniginnen heran. Bei der stillen Umweiselung ersetzt das Volk eine alternde Königin unbemerkt durch eine Tochter, ohne zu schwärmen. Der Imker wiederum kann gezielt umweiseln, indem er eine alte Königin gegen eine junge, ausgewählte austauscht.
Lebensdauer und Weisellosigkeit
Eine Bienenkönigin kann mehrere Jahre alt werden und lebt damit deutlich länger als eine Arbeiterin, die im Sommer nur wenige Wochen lebt. Mit dem Alter lässt ihre Legeleistung jedoch nach. Ein Volk ohne Königin nennt man weisellos: Erkennbar wird das an fehlender Brut, unruhigem Verhalten und schließlich am Auftreten von Drohnenbrut in Arbeiterinnenzellen, wenn Arbeiterinnen ersatzweise unbefruchtete Eier legen. Ein solches Volk geht ohne Eingreifen des Imkers zugrunde.
Häufige Fragen zur Bienenkönigin
Wie unterscheidet sich die Königin von einer Arbeiterin?
Beide entstehen aus befruchteten Eiern, doch die Königin wird ausschließlich mit Gelée royale aufgezogen. Sie ist größer, hat einen längeren Hinterleib, legt Eier und lebt mehrere Jahre. Arbeiterinnen sind kleiner und unfruchtbar.
Wie erkenne ich die Königin auf der Wabe?
An ihrem langen, über die Flügel hinausragenden Hinterleib und an der ruhigeren, gemesseneren Fortbewegung. Viele Imker kennzeichnen sie zusätzlich mit einem Farbpunkt, dessen Farbe das Schlupfjahr angibt.
Sticht die Bienenkönigin?
Sie besitzt zwar einen Stachel, setzt ihn aber praktisch nur gegen rivalisierende Königinnen ein, nicht gegen den Menschen. Für den Imker ist sie ungefährlich.
Wie viele Eier legt eine Königin pro Tag?
In der Hochsaison bis zu rund 2.000 Eier täglich – das entspricht mehr als ihrem eigenen Körpergewicht.
Was passiert, wenn die Königin stirbt?
Das Volk zieht aus jüngsten Larven in Weiselzellen eine neue Königin nach. Gelingt das nicht rechtzeitig, wird das Volk weisellos und geht ohne Eingreifen des Imkers zugrunde.
Wie alt wird eine Bienenkönigin?
Sie kann mehrere Jahre leben. In der Imkerei wird sie aber oft schon nach ein bis zwei Jahren ersetzt, weil die Legeleistung mit dem Alter nachlässt.