Die Pillenwespen (Eumenes) sind eine Gattung solitärer Lehmwespen, die für ihre außergewöhnlich kunstvollen, krugförmigen Lehmnester berühmt sind. Sie gehören zu den elegantesten und faszinierendsten heimischen Wespen und sind – wie alle Lehmwespen – völlig harmlos und ausgesprochen nützlich.
Aussehen
Pillenwespen fallen durch ihren besonders schlanken Körperbau auf. Charakteristisch ist der lang gestielte Hinterleib: Zwischen Brust und dem eigentlichen, keulenförmig verdickten Hinterleib liegt ein auffällig dünner, langer Stiel. Diese „doppelte Wespentaille“ verleiht den Tieren ein zierliches, fast filigranes Aussehen. Sie tragen die typische schwarz-gelbe Zeichnung, sind aber kleiner und graziler als die staatenbildenden Wespen.
Das berühmte Tönnchen-Nest
Die größte Besonderheit der Pillenwespen ist ihr Nestbau. Das Weibchen formt aus feuchter Erde und Speichel ein kleines, perfekt geformtes, kugel- bis krugförmiges Tönnchen – mit einer engen Öffnung und einem nach außen gebogenen Rand, der an den Hals einer antiken Amphore erinnert. Diese Lehmkrüglein werden frei an Pflanzenstängel, Zweige, Steine oder Mauern gebaut und sind nur etwa einen Zentimeter groß. Sie zählen zu den kunstvollsten Bauwerken des heimischen Insektenreichs.
In das fertige Tönnchen hängt das Weibchen zunächst ein Ei an einem feinen Faden von der Decke und trägt dann gelähmte Beutetiere ein. Anschließend wird die Öffnung verschlossen. Aus dem Ei schlüpft die Larve, frisst den Vorrat und verpuppt sich – die fertige Wespe nagt sich später aus dem Tönnchen heraus.
Ernährung der Brut
Wie alle Lehmwespen versorgen Pillenwespen ihre Brut mit erbeuteten Insekten – vor allem mit kleinen Schmetterlingsraupen und Käferlarven, die sie mit einem gezielten Stich lähmen. Pro Tönnchen werden mehrere solcher Raupen eingetragen. Damit sind Pillenwespen wirkungsvolle natürliche Schädlingsbekämpfer. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Nektar und besuchen dabei Blüten.
Lebensraum und Förderung
Pillenwespen bevorzugen warme, trockene und offene Lebensräume – Magerrasen, Heiden, Sandgebiete, sonnige Böschungen und naturnahe Gärten. Für den Nestbau benötigen sie offene, feuchte Lehm- oder Erdstellen als Materialquelle sowie geeignete Pflanzenstrukturen zum Anheften der Tönnchen. Fördern lässt sich die Pillenwespe durch ein vielfältiges, blütenreiches und pestizidfreies Gartenumfeld mit offenen Bodenstellen. Wer Glück hat, entdeckt eines ihrer winzigen Lehmkrüglein an einem Zweig – ein kleines Naturwunder im eigenen Garten.