Die Feldwespen (Polistes) sind eine Gruppe schlanker, langbeiniger sozialer Wespen, die sich in Aussehen und Verhalten deutlich von den bekannten Deutschen und Gemeinen Wespen unterscheiden. Sie gehören einer eigenen Unterfamilie an (Polistinae) und sind ausgesprochen friedfertig. Im Gegensatz zu den lästigen Kurzkopfwespen meiden Feldwespen den Menschen und seine Nahrung vollständig.
Aussehen
Feldwespen wirken zierlicher und „eleganter“ als die gedrungenen Echten Wespen. Charakteristisch sind:
- Schlanker, langgestreckter Körper mit besonders schmaler Wespentaille
- Lange, hängende Hinterbeine, die im Flug auffällig herabbaumeln – das beste Erkennungsmerkmal
- Langsamer, fast schaukelnder Flug im Gegensatz zum schnellen, zielstrebigen Flug der Echten Wespen
- Orange-gelbe Fühler bei der häufigsten Art (Gallische Feldwespe), während Echte Wespen schwarze Fühler haben
Die in Deutschland häufigste Art ist die Gallische Feldwespe (Polistes dominula), die sich mit dem Klimawandel zunehmend nach Norden ausbreitet.
Nestbau – offene Waben ohne Hülle
Das auffälligste Merkmal der Feldwespen ist ihre Nestbauweise. Anders als die Echten Wespen, die ihr Nest mit einer schützenden Papierhülle umgeben, bauen Feldwespen ein kleines, offenes, schirmförmiges Wabennest ohne Außenhülle. Die einzelne Wabe wird mit einem kurzen Stiel an einer geschützten, sonnigen Stelle befestigt – an Mauern, unter Dachvorsprüngen, an Pflanzenstängeln, in Trockenmauern oder an Fassaden. Die Brutzellen sind frei einsehbar, was die Beobachtung des Nestlebens besonders reizvoll macht.
Die Völker bleiben sehr klein – meist nur einige Dutzend Tiere, selten über hundert. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu den mehreren tausend Individuen eines Kurzkopfwespen-Volkes und ein weiterer Grund, warum Feldwespen kaum als störend wahrgenommen werden.
Lebensweise
Wie alle sozialen Wespen bilden Feldwespen einjährige Staaten. Eine Besonderheit ist, dass sich oft mehrere Königinnen an einer Nestgründung beteiligen, von denen sich dann eine als dominante Eierlegerin durchsetzt – ein wichtiges Studienobjekt für die Verhaltensforschung zur Evolution sozialen Verhaltens. Feldwespen sind wärmeliebend und bevorzugen sonnige, trockene Lebensräume wie Magerrasen, Weinberge, Ruderalflächen und sonnige Gärten.
Sie ernähren ihre Larven mit erbeuteten Insekten, vor allem Raupen, und ernähren sich selbst von Nektar. An menschliche Nahrung gehen sie nicht – sie sind am Kaffeetisch nie anzutreffen.
Friedfertigkeit
Feldwespen gelten als besonders sanftmütig. Sie verteidigen ihr Nest nur bei unmittelbarer Bedrohung und stechen sehr selten. Selbst ein Nest an der Hauswand stellt in der Regel kein Problem dar, solange man es in Ruhe lässt. Wegen ihrer Friedfertigkeit, der gut beobachtbaren offenen Nester und der kleinen Völker sind Feldwespen bei Naturfreunden beliebt und ein dankbares Objekt zur Naturbeobachtung im eigenen Garten.
Bedeutung
Als Jäger von Raupen und anderen Insekten sind Feldwespen nützliche Helfer im Garten. Ihr Beitrag zur Schädlingsregulierung ist zwar wegen der kleinen Völker geringer als der der großen Wespenarten, aber dennoch wertvoll. Wie alle heimischen Wespen stehen auch Feldwespen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes.