Das Absperrgitter – auch Königinabsperrgitter genannt – ist eines der wichtigsten Hilfsmittel in der modernen Magazinimkerei. Es trennt den Honigraum räumlich vom Brutraum: Die Arbeiterinnen können hindurchschlüpfen und Honig in den oberen Räumen einlagern, die deutlich breitere Königin bleibt mit ihrem Eierlegegeschäft unten.
Aufbau und Funktionsprinzip
Ein Absperrgitter besteht aus parallel angeordneten Stäben oder Lochungen mit einem präzisen Spaltmaß von 4,1 bis 4,3 Millimeter. Arbeiterinnen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera carnica, ligustica und mellifera) passieren dieses Maß problemlos. Eine Königin, deren Hinterleib durch die voll entwickelten Eierstöcke voluminöser ist, kommt nicht hindurch. Dasselbe gilt für die noch breiteren Drohnen – ein wichtiger Nebeneffekt, weil so auch keine Drohnenbrut in die Honigwaben gerät.
Material und Bauformen
Drei gängige Varianten halten sich seit Jahrzehnten:
- Kunststoff-Absperrgitter – günstig, leicht, mit umlaufendem Rahmen für sauberen Sitz auf der Zarge. Empfindlich gegen scharfen Stockmeißel-Einsatz.
- Verzinkter Draht – preiswert, robust. Der Nachteil: scharfe Schnittkanten an unsauber gefertigten Exemplaren, an denen sich Bienen die Flügel zerstoßen können.
- Edelstahl-Absperrgitter im Holzrahmen – die langlebigste Variante. Saubere Drahtenden, leicht zu reinigen, langlebig über Jahrzehnte. Preislich klar oben angesiedelt, aber wirtschaftlich, weil sie ein Imkerleben halten.
Größen orientieren sich am Beutensystem: Standard-Außenmaß DNM / Zander / Langstroth / Dadant – beim Kauf unbedingt das eigene Beutensystem prüfen.
Wann setzt man das Gitter?
Klassischer Einsatz: zu Beginn der Trachtsaison, wenn der erste Honigraum aufgesetzt wird. Vor dem Auflegen wird sichergestellt, dass die Königin unten ist – sonst läuft man Gefahr, die Königin oberhalb des Gitters einzusperren. Eine bewährte Reihenfolge:
- Volk öffnen, Königin im Brutraum lokalisieren oder zumindest junge offene Brut unten finden
- Absperrgitter sauber auf die obere Brutraumzarge legen
- Erste Honigraumzarge aufsetzen
Wer mit dem System der angepassten Brutraumgröße oder mit Schied imkert, kann auch ganz auf das Gitter verzichten und stattdessen über die Position der Brutwaben steuern – beide Schulen haben überzeugte Anhängerinnen.
Reinigung und Pflege
Nach dem Abschleudern werden Absperrgitter von Wachs und Propolis befreit. Drei Methoden funktionieren in der Praxis:
- Mechanisch mit Stockmeißel und Sprühflasche – schnell, aber materialbelastend bei Kunststoff
- Heißluft (Heißluftpistole, max. 200 °C) – Wachs läuft ab, Gitter ist sauber. Bei Kunststoff zwingend unter Schmelzpunkt bleiben.
- Wachsschmelzer / Dampfwachsschmelzer – die schonendste Methode für Holz- und Edelstahlgitter
Häufige Fehler
- Königin oberhalb des Gitters eingesperrt → das gesamte Volk legt seinen Honig im Brutraum ab, die Honigräume bleiben leer. Bei der nächsten Durchsicht entdeckt man Brut oben statt unten.
- Schiefes Aufliegen → die Königin findet eine Lücke und ist plötzlich oben. Saubere Auflage prüfen.
- Drohnen im Honigraum verklemmt → bei zu engem Gitter oder bei Dunklen Bienen mit etwas größerem Wuchs kann das vorkommen. Drohnenfluglöcher in der Honigraumzarge bohren oder gelegentlich das Volk vom Honigraum „abdrohnen“.