Die Lehmwespen (Unterfamilie Eumeninae) sind eine artenreiche Gruppe solitär lebender Faltenwespen. Anders als die bekannten staatenbildenden Deutschen und Gemeinen Wespen bilden sie keine Völker, sondern jedes Weibchen baut und versorgt sein eigenes Nest. Sie sind völlig harmlos, gehen nie an menschliche Nahrung und zählen zu den faszinierendsten und nützlichsten Wespen unserer Gärten.
Solitäre Lebensweise
Lehmwespen leben einzelgängerisch. Ein Weibchen baut nach der Paarung allein seine Brutzellen, versorgt sie mit Nahrung für den Nachwuchs, legt je ein Ei hinein und verschließt sie. Es gibt keine Arbeiterinnen, keine Königin und keinen Staat – die Lebensweise entspricht damit eher der vieler Solitärbienen als der staatenbildenden Wespen. Diese friedliche Lebensweise erklärt auch, warum Lehmwespen praktisch nie stechen: Sie haben kein großes Volk und keine Vorräte zu verteidigen.
Nestbau aus Lehm
Der namensgebende Nestbau ist bemerkenswert. Viele Lehmwespen formen aus feuchter Erde und Speichel kleine, kunstvolle Brutkammern. Manche Arten bauen freistehende, töpfchenförmige Nester aus Lehm an Steinen, Mauern oder Zweigen – die Pillenwespen etwa formen regelrechte kleine Krüge. Andere Arten nutzen vorhandene Hohlräume wie hohle Pflanzenstängel, Käferfraßgänge oder Nisthilfen und unterteilen diese mit Lehmwänden in einzelne Zellen.
Weil sie Niströhren in Insektenhotels annehmen, lassen sich Lehmwespen gut beobachten – man erkennt ihre Nutzung an den charakteristischen, mit Lehm verschlossenen Röhrchen, im Unterschied zu den mit Pflanzenmaterial verschlossenen Röhren der Bienen.
Ernährung der Brut – Raupenjäger
Lehmwespen sind als Larvennahrung auf Insekten spezialisiert, vor allem auf kleine Schmetterlingsraupen und Käferlarven. Das Weibchen erbeutet diese, lähmt sie mit einem Stich und trägt sie in die Brutzelle ein – ein lebender, aber bewegungsunfähiger Nahrungsvorrat, von dem sich die schlüpfende Wespenlarve ernährt. Pro Brutzelle werden oft mehrere Raupen eingetragen. Dadurch sind Lehmwespen wirksame natürliche Gegenspieler von Schädlingen und ein wertvoller Beitrag zur biologischen Schädlingsregulierung im Garten.
Die erwachsenen Lehmwespen selbst ernähren sich – wie die meisten Wespen – von Nektar und sind dabei auch als Bestäuber aktiv.
Aussehen
Lehmwespen tragen meist die typische schwarz-gelbe oder schwarz-weiße Wespenzeichnung, sind aber oft kleiner und zierlicher als die staatenbildenden Arten. Da es sehr viele Arten mit ähnlichem Aussehen gibt, ist die genaue Bestimmung schwierig und Fachleuten vorbehalten. Für den Gartenfreund genügt das Wissen, dass es sich um harmlose, nützliche Einzelgänger handelt.
Förderung im Garten
Lehmwespen lassen sich auf dieselbe Weise fördern wie Wildbienen: durch Nisthilfen mit unterschiedlich großen Bohrungen und Stängeln, durch offene, unbefestigte Lehm- und Bodenstellen als Baumaterialquelle, durch ein gutes Blütenangebot und durch den Verzicht auf Insektengifte. Wer Wildbienen fördert, fördert damit fast automatisch auch die Lehmwespen, die dieselben Strukturen nutzen.