Eine Weiselzelle ist die Zelle, in der die Honigbienen eine neue Königin (Weisel) heranziehen. Sie unterscheidet sich deutlich von normalen Wabenzellen: deutlich größer, senkrecht hängend, mit einer charakteristischen erdnussförmigen Außenstruktur und nach unten geöffnet. Das Auftreten von Weiselzellen ist eines der wichtigsten Anzeichen, das der Imker bei der Durchsicht beachtet.
Drei Anlässe, eine Form
Bienen bauen Weiselzellen aus drei verschiedenen Anlässen:
- Schwarmzellen – bei Schwarmstimmung; meist am Wabenrand, mehrere gleichzeitig, oft in den unteren oder seitlichen Bereichen der Brutwaben. Sind das deutliche Zeichen, dass das Volk schwärmen will.
- Nachschaffungszellen – beim plötzlichen Verlust der Königin (z.B. nach Quetschen durch den Imker). Sie entstehen mitten auf den Brutwaben, da die Arbeiterinnen aus normalen Arbeiterinnenzellen mit jungen Larven Königinnen-Notaufzuchten beginnen.
- Stille Umweiselung – wenn das Volk die alte Königin ersetzen will (z.B. wegen schlechter Eilage, Alter, Krankheit). Meist nur ein bis zwei Zellen, oft an unauffälligen Stellen.
Entwicklung in der Weiselzelle
Die Königin entwickelt sich erstaunlich schnell – in nur 16 Tagen vom Ei bis zum Schlupf:
- Tag 1–3: Ei
- Tag 4–8: offene Made, dauerhaft mit reinem Gelée royale ernährt
- Tag 9: Verdeckelung; ab jetzt ist die Weiselzelle „verdeckelt“ und nicht mehr offen
- Tag 10–15: Puppenstadium
- Tag 16: Schlupf der jungen Königin – sie beißt sich aus der Spitze der Weiselzelle
Der Unterschied zur Arbeiterinnen-Entwicklung (21 Tage) und zur Drohnen-Entwicklung (24 Tage) liegt fast ausschließlich an der Ernährung mit reinem Gelée royale – das gleiche Ei kann zur Arbeiterin oder zur Königin werden, abhängig von der Fütterung.
Erkennen am Stand
Weiselzellen sind unverwechselbar:
- Größe – etwa daumendick, deutlich aus der Wabenebene hervorstehend
- Form – erdnussförmig oder fingerhutartig; nach unten geöffnet
- Oberfläche – grob strukturiert, fast „warzig“ wirkend
- Position – am Wabenrand bei Schwarmzellen, mittig auf der Wabe bei Nachschaffungszellen
- Spielnäpfchen – flache, runde Wachsanfänge ohne Inhalt; Bienen bauen sie spielerisch, sie werden noch nicht als „echte“ Weiselzellen gezählt
Imkerliche Reaktion
Wie der Imker mit Weiselzellen umgeht, hängt vom Anlass ab:
- Schwarmzellen: meist Schwarmverhinderung – Weiselzellen brechen, gleichzeitig Ableger bilden und der alten Königin Platz schaffen. Wer schwärmen lassen möchte, lässt sie stehen.
- Nachschaffungszellen: eine starke Zelle stehenlassen, die anderen brechen, oder die ganze Wabe für die Königinnenzucht entnehmen
- Stille Umweiselung: gewähren lassen – das Volk weiß meist besser, wann eine Königin ersetzt werden muss
Bedeutung für die Königinnenzucht
In der gezielten Königinnenzucht imitiert der Imker den Nachschaffungs-Mechanismus: junge Larven werden in künstliche Weiselzellen-Näpfchen umgelarvt und einem weisellosen Pflegevolk übergeben, das sie zu Königinnen heranzieht. Die ausgereiften Weiselzellen werden vor dem Schlupf in Begattungsvölkchen verschult, wo aus ihnen die nächste Generation Wirtschaftsköniginnen entsteht.