Brut

Zuletzt aktualisiert:

Als Brut bezeichnet die Imkerei die Gesamtheit der heranwachsenden Honigbienen in den verschiedenen Entwicklungsstadien – vom Ei über die Larve und Puppe bis zum Schlupf der fertigen Biene. Das Brutgeschäft ist der eigentliche Lebensvorgang jedes Bienenvolkes; an seinem Zustand lässt sich der Gesundheits- und Leistungszustand des Volkes ablesen.

Die Stadien der Entwicklung

Eine Arbeiterinnenbiene durchläuft von der Eiablage bis zum Schlupf etwa 21 Tage:

  • Ei (Tag 1–3) – senkrecht in die Zelle gestellt, am dritten Tag liegt es flach am Zellboden
  • Madenstadium / offene Brut (Tag 4–8) – die Larve wird intensiv gefüttert; in den ersten drei Tagen ausschließlich mit Gelée royale, danach mit Honig-Pollen-Brei
  • Verdeckelung (Tag 9) – die Arbeiterinnen verschließen die Zelle mit einem Wachsdeckel
  • Puppenstadium / verdeckelte Brut (Tag 10–20) – die Larve verpuppt sich; in dieser Zeit entstehen Beine, Flügel, Komplexaugen
  • Schlupf (Tag 21) – die fertige Arbeiterin frisst sich durch den Wachsdeckel

Drohnenbrut benötigt 24 Tage, Königinnenbrut nur 16 Tage – die schnelle Königinnenentwicklung ist evolutionär bedeutsam für die Schwarmsteuerung.

Brutnest und Brutwabe

Die Brut konzentriert sich im Brutraum auf wenigen, zentralen Waben. Die jüngste Brut liegt im Inneren, die ältere wächst kreisförmig nach außen. Diese Anordnung erleichtert es den Bienen, die optimale Bruttemperatur von 34–35 °C konstant zu halten – durch Sitzen auf den Waben (Wärmeerzeugung über Muskelarbeit der Flugmuskeln) oder durch Ventilation und Wassertropfen (Kühlung).

An gesunder Brut erkennt der Imker eine sogenannte geschlossene Brut: dicht an dicht gefüllte Zellen, ohne Lücken, mit gleichmäßig glatten Verdeckelungen. Lücken („Lückenbrut“) oder eingefallene Zelldeckel sind Hinweise auf Krankheiten wie Faulbrut, Kalkbrut oder Sackbrut.

Brutzyklus im Jahresverlauf

Die Brutmenge variiert stark mit dem Jahresverlauf:

  • Winter: brutlose Phase oder minimale Brutaktivität – wichtig für die Varroabehandlung
  • Frühjahr: ab Februar/März Wiederaufnahme der Brut, exponentielle Steigerung
  • Vorsommer: Maximum bei oft 40.000 Bruten gleichzeitig in einem starken Volk
  • Hochsommer: leichter Rückgang nach der Sonnwende
  • Spätsommer/Herbst: Aufzucht der Winterbienen, dann Brutpause

Imkerliche Bedeutung

Die Bruteinschätzung ist die wichtigste Routinekontrolle in der Imkerei. Der Imker beobachtet:

  • Stiftung: sind frische Eier vorhanden? – Beleg für eine intakte Königin
  • Brutbild: geschlossen oder lückenhaft? – wichtigster Gesundheitsindikator
  • Brutumfang: wie viele Brutwaben? – Hinweis auf Volksstärke
  • Drohnenbrut: zu viel davon? – möglicher Hinweis auf Drohnenbrütigkeit (Königin verloren)
  • Weiselzellen: vorhanden? – Schwarmtrieb oder stille Umweiselung

Siehe auch