Bienenwabe

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Die Bienenwabe ist die zentrale Bauleistung der Honigbiene – ein architektonisches Wunderwerk aus regelmäßigen sechseckigen Zellen, gebaut aus körpereigen produziertem Bienenwachs. Auf den Bienenwaben spielt sich das gesamte Innenleben des Bienenvolkes ab: hier wird die Brut aufgezogen, Nektar zu Honig verarbeitet, Pollen eingelagert und der Stockduft erzeugt. „Wabe“ als Begriff allein ist mehrdeutig (Wabenmuster, Bauwabe, Wabe in der Technik); im imkerlichen Kontext wird daher meist Bienenwabe verwendet.

Aufbau und Geometrie

Eine Bienenwabe ist eine zweischichtige, senkrecht hängende Struktur aus sechseckigen Zellen. Die Wabe ist meist einen halben Zentimeter dick pro Zellschicht, mit den Zellen leicht (etwa 13°) nach oben geneigt, damit der Honig nicht herausläuft. Die Mittelwand zwischen den beiden Zellschichten ist nur Bruchteile eines Millimeters dick.

Die sechseckige Form ist mathematisch optimal: sie verbindet maximalen Stauraum mit minimalem Materialverbrauch. Die Honigbiene baut diese Geometrie ohne Plan und ohne Werkzeug – ein Phänomen, das Naturforscher seit Jahrhunderten fasziniert. Charles Darwin bezeichnete den Wabenbau als „das vollendetste Konstruktionswerk der Natur“.

Drei Zelltypen

Honigbienen bauen drei verschiedene Zelltypen:

  • Arbeiterinnenzellen – Durchmesser ca. 5,3 mm; für die Aufzucht von Arbeiterinnenbrut und für die Lagerung von Honig und Pollen
  • Drohnenzellen – Durchmesser ca. 6,9 mm; ausschließlich für die Aufzucht von Drohnen; größer und meist am Wabenrand gebaut
  • Weiselzellen – auch „Weiselnäpfchen“ oder „Königinnenzellen“; senkrecht hängend, deutlich größer und nach unten geöffnet; für die Aufzucht von Königinnen

Bau und Pflege durch die Bienen

Wabenbau ist Arbeit der jungen Arbeiterinnen im Alter von etwa 12 bis 18 Tagen. Sie produzieren Bienenwachs in vier Paaren von Wachsdrüsen am Bauch, scheiden es in dünnen Schuppen aus, kauen es weich und tragen es ans Baufeld. Etwa 6 kg Honig sind nötig, damit ein Volk 1 kg Wachs erzeugen kann – Wabenbau ist energetisch teuer.

Frische Waben sind weiß-gelb und durchscheinend. Mit dem Alter werden sie durch Pollen, Propolis, Larvenhüllen und Stockstaub immer dunkler – ältere Brutwaben können fast schwarz werden. Imker tauschen Brutwaben deshalb regelmäßig aus, um Wabenhygiene zu erhalten.

Mittelwände – die imkerliche Erfindung

In der modernen Magazinimkerei werden den Bienen in den Rähmchen dünne Wachsplatten als Baufundament eingehängt – Mittelwände. Sie haben das Sechseck-Muster bereits geprägt und sparen den Bienen etwa die Hälfte des Wachs-Aufwands. Die Bienen ziehen die vorgegebenen Zellen nur noch in die Tiefe.

Im Naturbau ohne Mittelwände entstehen Bienenwaben in unregelmäßigeren, oft welligen Formen – aus Sicht der wesensgemäßen Bienenhaltung ein Vorteil; aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Nachteil, weil die Waben sich nicht in standardisierte Rähmchen einpassen.

Honigwabe, Brutwabe, Pollenwabe

Funktional unterscheidet der Imker drei Wabenarten:

  • Honigwabe – im Honigraum, mit verdeckeltem Honig; wird vom Imker zur Honigernte herausgenommen
  • Brutwabe – im Brutraum, mit Brut in allen Stadien sowie Pollen- und Honigkränzen
  • Pollenwabe – stark mit Pollen gefüllt; meist randständig zur Brut

Verwendung des Wabenwachses

Ausgeschmolzenes Wabenwachs wird seit der Antike vielfältig genutzt: für Kerzen, Bohnerwachs, Lederpflege, Kosmetik und in der Kunst (Enkaustik). In der Imkerei selbst werden alte Waben eingeschmolzen, gereinigt und zu neuen Mittelwänden gegossen – ein nahezu geschlossener Kreislauf.

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