Die Sonnenblume (Helianthus annuus) ist eine der auffälligsten Trachtpflanzen des Hoch- und Spätsommers und die Quelle des leuchtend goldgelben Sonnenblumenhonigs. Mit ihren großen, der Sonne zugewandten Blütenkörben prägt sie im Juli und August ganze Landschaften und bietet den Bienenvölkern eine wertvolle Tracht zu einer Zeit, in der viele andere Trachten bereits versiegt sind.
Botanik
Die Sonnenblume gehört, wie der Löwenzahn, zur Familie der Korbblütler. Was als eine einzelne große „Blüte“ erscheint, ist in Wahrheit ein Blütenstand aus Hunderten bis Tausenden von Einzelblüten: Die auffälligen gelben „Blütenblätter“ am Rand sind Zungenblüten, während die zahlreichen kleinen Blüten in der Mitte – die Röhrenblüten – den Nektar und Pollen liefern und später die Kerne bilden. Die einjährige Pflanze kann je nach Sorte zwei bis über drei Meter hoch werden.
Bekannt ist die Sonnenblume für den Heliotropismus ihrer jungen Pflanzen: Knospen und junge Blütenstände wenden sich im Tagesverlauf der Sonne zu. Die voll erblühten Körbe sind dagegen meist nach Osten ausgerichtet und fest.
Bedeutung als Trachtpflanze
Die Sonnenblume wird großflächig als Ölpflanze und zur Kernproduktion angebaut, zunehmend auch in Blühmischungen und auf Energieflächen. Für die Imkerei ist sie vor allem deshalb wertvoll, weil sie spät blüht – im Juli und August, wenn die großen Frühjahrs- und Frühsommertrachten (Raps, Robinie, Linde) vorbei sind. Sie hilft so, sommerliche Trachtlücken zu schließen, und liefert sowohl Nektar als auch reichlich Pollen für die Spätsommerentwicklung der Völker.
Der Trachtwert hängt stark von der angebauten Sorte ab. Moderne, auf Ölertrag gezüchtete Hochleistungssorten produzieren teils deutlich weniger Nektar als ältere Sorten; manche pollenarme Hybridsorten sind für Bienen weniger ergiebig. Wo großflächig nektarreiche Sorten stehen, sind jedoch beachtliche Erträge und annähernd sortenreine Ernten möglich.
Der Sonnenblumenhonig
Der Sonnenblumenhonig ist optisch ein Hingucker: kräftig goldgelb bis dottergelb, mit einem milden, leicht harzig-blumigen Aroma. Wie der Raps– und Löwenzahnhonig hat er einen hohen Traubenzuckeranteil und kristallisiert daher rasch und feinkörnig. Das macht ihn einerseits zu einem idealen Cremehonig, erfordert andererseits aber eine zügige Ernte, bevor er in der Wabe fest wird.
In Ländern mit großem Sonnenblumenanbau – etwa in Südosteuropa, Frankreich, Spanien und der Ukraine – ist Sonnenblumenhonig ein wichtiger Standardhonig. In Deutschland ist sortenreiner Sonnenblumenhonig seltener und damit ein besonderes Angebot. Sein freundliches Gelb und das milde Aroma machen ihn beliebt.
Bedeutung für Wildbienen und Naturschutz
Auch für Wildbienen, Hummeln und andere Bestäuber ist die spät blühende Sonnenblume eine wertvolle Nahrungsquelle. Im Garten ist sie eine der einfachsten und dankbarsten bienenfreundlichen Pflanzen – vorausgesetzt, man wählt ungefüllte, pollen- und nektarreiche Sorten. Stark gefüllte Ziersorten ohne zugängliche Staubgefäße sind für Insekten dagegen wertlos. Stehengelassene Sonnenblumenstände bieten zudem im Herbst und Winter Vögeln wie dem Stieglitz nahrhafte Kerne.