Die Ruhr (auch Bienenruhr) ist keine eigenständige Infektionskrankheit, sondern ein Durchfall-Symptom erwachsener Honigbienen, das vor allem im Spätwinter und zeitigen Frühjahr auftritt. Befallene Bienen können den im Darm angesammelten Kot nicht mehr zurückhalten und koten in den Stock – ein gefährlicher Zustand, weil Honigbienen normalerweile niemals im Stock abkoten.
Ursachen
Die Ruhr entsteht, wenn sich im Darm der überwinternden Bienen zu viel unverdaulicher Ballast ansammelt und gleichzeitig kein Reinigungsflug möglich ist. Wichtige Auslöser:
- Ungeeignetes Winterfutter – besonders mineralstoffreicher Honigtau– oder Waldhonig, der schwer verdaulich ist und viel Ballast hinterlässt
- Lange Kälteperioden – ohne Flugmöglichkeit über Wochen oder Monate
- Feuchte, kalte Standorte mit schlechter Belüftung
- Nosematose – die Nosema-Infektion verstärkt die Durchfallneigung erheblich
- Unruhe im Volk – etwa durch Störungen, Mäuse oder Spechte
Symptome
- Kotspritzer an Flugloch, Anflugbrett, Beutenwänden und auf den Waben
- Beschmutzte Wabenoberkanten und Rähmchen
- Unruhiges, geschwächtes Volk
- Erhöhter Totenfall
- In schweren Fällen: durchnässtes, riechendes Stockinneres
Vorbeugung
Die Ruhr lässt sich durch gute Einwinterung weitgehend vermeiden:
- Geeignetes Winterfutter – gut verdaulicher Zuckersirup oder Invertzucker; keinen Honigtauhonig im Volk belassen
- Trockene, sonnige, windgeschützte Standorte
- Gute Belüftung – offener Gitterboden hilft, Feuchtigkeit abzuführen
- Ruhe im Winter – Mäusegitter anbringen, Störungen vermeiden
- Starke, gesunde Völker einwintern
- Nosema-Vorbeugung – Wabenhygiene und gute Bedingungen
Tritt die Ruhr bereits auf, ist der wichtigste Helfer ein warmer Tag mit Reinigungsflug. Danach erholen sich nicht zu stark betroffene Völker oft von selbst. Stark verschmutzte Waben werden im Frühjahr ausgetauscht.