Honigöl ist die volkstümliche Bezeichnung für eine Zubereitung aus Honig und einem Pflanzenöl – meist Olivenöl, Mandelöl oder Jojobaöl. Sie wird vor allem in der Hautpflege und der Volksheilkunde verwendet. Der Begriff ist nicht botanisch definiert und sollte nicht mit den ätherischen Ölen verwechselt werden, die aus bestimmten Trachtpflanzen wie Linde oder Lavendel gewonnen werden.
Was Honigöl ist (und nicht ist)
In der Praxis trifft man auf drei verschiedene Bedeutungen des Begriffs:
- Selbstgemachte Hautpflege – Honig in einem Trägeröl angesetzt, oft mit Kräutern oder Propolis veredelt. Die häufigste und naheliegendste Bedeutung.
- Industrielles Pflegeöl – kommerzielle Mischungen aus Pflanzenöl, gelöstem Honig und Emulgatoren, meist in der Naturkosmetik.
- Aromatisiertes Speiseöl – seltener: Olivenöl mit Honiganteil, für Salat-Dressings und mediterrane Küche.
Honig selbst enthält kein Öl im chemischen Sinne; er ist eine gesättigte Zuckerlösung mit Spurenstoffen. Was als „Honigöl“ verkauft wird, ist immer eine Mischung.
Traditionelle Herstellung
Die klassische, selbstgemachte Variante ist denkbar einfach:
- Zutaten: 1 Teil reiner Honig, 4–5 Teile hochwertiges Trägeröl (Olivenöl, Mandelöl, Jojoba), optional Kräuter (Ringelblume, Lavendel, Kamille)
- Verfahren: Honig im Wasserbad bei maximal 40 °C verflüssigen (höher zerstört Enzyme), mit dem Trägeröl gründlich verrühren, in dunkle Flasche füllen
- Lagerung: kühl und dunkel; haltbar etwa 6 Monate
Der Honig löst sich nicht vollständig im Öl – die Zubereitung muss vor jeder Verwendung gut geschüttelt werden. Wer eine stabile Emulsion möchte, fügt Lecithin oder ein anderes natürliches Emulgiermittel hinzu.
Verwendung in der Hautpflege
Honigöl wird traditionell für mehrere Anwendungen genutzt:
- Hautpflege bei trockener, gereizter Haut – die feuchtigkeitsspendende Wirkung des Honigs kombiniert mit der lipidergänzenden Wirkung des Öls
- Massageöl – warme Konsistenz, gute Verteilbarkeit
- Lippenpflege – als Alternative zu konventionellen Lippenbalsams
- Haarpflege – als Kur für trockenes Haar, meist mit einem leichteren Trägeröl
- Nach Sonneneinwirkung zur Beruhigung der Haut
Wer empfindlich auf Bienenprodukte reagiert oder eine bekannte Honig- oder Bienengift-Allergie (Insektengiftallergie) hat, sollte vor der Anwendung an einer kleinen Hautstelle testen.
Honigöl in der Volksheilkunde
In verschiedenen europäischen Traditionen wird Honigöl bei kleinen Hautverletzungen, Insektenstichen und leichten Verbrennungen verwendet – ähnlich der bekannten Verwendung von Propolis und Honig allein. Die antimikrobielle Wirkung von Honig (durch Wasserentzug und Wasserstoffperoxid-Bildung) bleibt in der Öl-Mischung in abgeschwächter Form erhalten.
Solche traditionellen Anwendungen ersetzen keine medizinische Versorgung ernsthafter Wunden oder ärztliche Beratung.
Speise-Honigöle
In mediterranen Küchen, vor allem in Italien und Griechenland, kennt man Olivenöle mit Honiganteil als Spezialität für Salate, gegrilltes Gemüse und Käseteller. Der Anteil ist gering (oft unter 5 %), das Aroma trotzdem deutlich. Die Sorte des Honigs prägt den Charakter: Akazienhonig macht milde Speiseöle, Waldhonig kräftige.