Heidekraut

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Das Heidekraut oder die Besenheide (Calluna vulgaris) ist eine der bedeutendsten Spättrachtpflanzen und die Quelle des einzigartigen Heidehonigs. In den großen Heidelandschaften Norddeutschlands – allen voran der Lüneburger Heide – verwandelt ihre Blüte im August und September weite Flächen in ein violettes Blütenmeer und bietet den Bienenvölkern eine letzte große Tracht des Jahres.

Botanik und Lebensraum

Die Besenheide ist ein niedriger, immergrüner Zwergstrauch aus der Familie der Heidekrautgewächse. Sie wird etwa 20 bis 50 cm hoch und trägt unzählige kleine, glockenförmige Blüten in zartem Rosa bis Violett. Sie ist an nährstoffarme, saure Sandböden angepasst, auf denen kaum andere Pflanzen gedeihen, und prägt dort charakteristische Heidelandschaften.

Diese Heiden sind allerdings keine reine Naturlandschaft, sondern eine vom Menschen geschaffene und gepflegte Kulturlandschaft: Ohne regelmäßige Pflege durch Beweidung (traditionell mit Heidschnucken), Mahd, Plaggen und kontrolliertes Abbrennen würden sie verbuschen und verwalden. Der Erhalt der Heideflächen ist damit auch eine Voraussetzung für die Heidetracht.

Die Heidetracht

Die Heideblüte setzt spät ein – meist Anfang bis Mitte August – und dauert bis in den September. Damit ist sie eine wichtige Spättracht, die das Trachtjahr abschließt, wenn die meisten anderen Trachten längst vorbei sind. Traditionell wandern Imker im Spätsommer mit ihren Völkern in die Heidegebiete, um Heidehonig zu gewinnen – eine Praxis mit langer Geschichte, die früher mit den geflochtenen Bienenkörben (Lüneburger Stülper) und der typischen Heideimkerei verbunden war.

Da die Heidetracht so spät liegt, muss der Imker den Spagat zwischen Honiggewinnung und rechtzeitiger Einwinterung der Völker bewältigen – nach der Heide bleibt nur noch wenig Zeit für die Auffütterung und Varroabehandlung vor dem Winter.

Der besondere Heidehonig

Der Heidehonig ist in jeder Hinsicht ein Sonderfall unter den Sortenhonigen. Er ist dunkel – rotbraun bis bernsteinfarben – und hat ein kräftiges, würzig-herbes, leicht malziges Aroma. Seine auffälligste Eigenschaft ist jedoch die thixotrope (gelartige) Konsistenz: Heidehonig ist im Ruhezustand geleeartig fest, wird aber beim Rühren oder Schütteln vorübergehend flüssig. Diese Besonderheit hat weitreichende Folgen für die Ernte.

Wegen der gelartigen Konsistenz lässt sich Heidehonig nicht einfach schleudern wie anderer Honig. Imker müssen ihn entweder mit speziellen Verfahren gewinnen – etwa durch vorheriges „Lösen“ der Wabenzellen mit Nadelwalzen (Heidehonig-Lösegeräte), durch Pressen der Waben oder durch den Verkauf als Wabenhonig (Scheibenhonig). Dieser hohe Aufwand und die begrenzte Verfügbarkeit machen echten Heidehonig zu einem der teuersten und gesuchtesten deutschen Sortenhonige.

Ökologische Bedeutung

Heideflächen sind wertvolle, artenreiche Lebensräume für zahlreiche spezialisierte Insekten, darunter viele Wildbienen und die Hummeln, die die spät blühende Heide als wichtige Nahrungsquelle nutzen. Der Erhalt der Heidelandschaften dient damit nicht nur der Honiggewinnung, sondern auch dem Naturschutz. Neben der Besenheide spielt regional auch die früher blühende Glockenheide (Erica) eine Rolle als Trachtpflanze.

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