Unter Wandern (auch Wanderimkerei) versteht die Imkerei das gezielte Verbringen von Bienenvölkern zu bestimmten Trachtgebieten und das Zurückbringen nach Trachtende. Wandern ist eine der ältesten Techniken der Imkerei – schon die altägyptischen Imker brachten ihre Bienenkörbe auf Nilbooten dorthin, wo die Bestäubung gebraucht wurde. In Deutschland ist die Wanderimkerei traditionell ein wichtiger Bestandteil der Berufsimkerei.
Warum wandern?
Wer ein Bienenvolk fest an einem Standort hält, ist auf die regional verfügbare Tracht angewiesen. Wer wandert, kann mehrere Sortenhonige nacheinander ernten:
- In Rapsfelder – Frühtracht-Wanderung für hellen Sortenhonig
- In Robinienbestände – für sortenreinen Akazienhonig
- In Linden-Gebiete oder Städte mit altem Lindenbestand – für Lindenhonig
- In den Schwarzwald, Bayerischen Wald oder Harz – für Waldhonig aus Waldtracht
- In Heidegebiete – für Heidehonig im Spätsommer
- Im Auftrag der Landwirtschaft – bezahlte Bestäubungsleistung in Obstplantagen, Beerenkulturen, Sonnenblumenfeldern
Vorbereitung
Eine erfolgreiche Wanderung erfordert sorgfältige Planung:
- Zielstandort sichern – Genehmigung des Grundstückseigentümers, Anmeldung beim örtlichen Veterinäramt
- Wanderschein – nach der Bienenseuchen-Verordnung Pflicht: Bestätigung, dass die Völker frei von Faulbrut sind, ausgestellt vom zuständigen Veterinäramt
- Beuten vorbereiten – Wandergitter statt Fluglöcher, gut verschlossene Deckel, ausreichend Belüftung
- Transport organisieren – Hänger, LKW oder Pickup mit Spanngurten
- Zeitpunkt wählen – immer in den frühen Morgenstunden oder am späten Abend, wenn alle Bienen im Stock sind
Während und nach der Wanderung
Am Zielstandort werden die Beuten möglichst zügig wieder geöffnet, damit die Bienen orientiert ausfliegen können. Die Stockwaage ist während der Wanderung das wichtigste Werkzeug – sie zeigt sofort, ob die Tracht angeht, stagniert oder vorbei ist.
Nach Trachtende wird zurückgewandert. Auf dem Heimstandort beginnt die Auffütterung mit Invertzucker und die Varroabehandlung – beides typischerweise im Spätsommer.
Risiken
- Volksverlust durch Hitzestress – schlecht belüftete Beuten im Sommer können in wenigen Stunden überhitzen
- Krankheitsverbreitung – Wanderimkerei kann Faulbrut und Varroa in neue Gebiete tragen, deshalb die strenge Schein-Pflicht
- Diebstahl und Vandalismus – isolierte Wanderstandorte sind besonders gefährdet
- Standortrechtliches – Verstöße gegen Bienenseuchen-Verordnung sind bußgeldbewehrt