Bienenwachs ist ein natürlicher Stoff, den junge Arbeiterinnen aus Drüsen an ihrem Hinterleib ausschwitzen und mit dem sie ihre Waben bauen. Es ist zugleich Baustoff des Bienenvolkes und eines der ältesten vom Menschen genutzten Naturprodukte – von der Kerze über die Kosmetik bis zur Denkmalpflege. In der Imkerei steht das Wachs im Zentrum eines eigenen Kreislaufs, dessen Reinheit über die Gesundheit der Bienen mitentscheidet.
Steckbrief Bienenwachs
- Herkunft: Wachsdrüsen am Hinterleib junger Arbeiterinnen
- Schmelzpunkt: etwa 62–65 °C
- Farbe: frisch fast weiß, durch Pollen und Propolis später gelb bis braun
- Eigenschaften: wasserabweisend, formbar, brennbar, chemisch stabil
- Energieaufwand: für 1 kg Wachs verbrauchen die Bienen mehrere Kilogramm Honig
- Lebensmittelkennzeichnung: als Zusatzstoff E 901 zugelassen
Wie Bienenwachs entsteht
Bienenwachs wird von Arbeiterinnen im mittleren Lebensabschnitt – etwa vom 12. bis 18. Lebenstag – produziert. An der Unterseite ihres Hinterleibs liegen acht Wachsdrüsen (Wachsspiegel), aus denen winzige, durchsichtige Wachsplättchen austreten. Die Baubiene nimmt diese Plättchen mit den Beinen auf, knetet sie mit den Mundwerkzeugen weich und formt daraus die sechseckigen Zellwände.
Die Wachsproduktion ist energieaufwendig: Um Wachs zu erzeugen, müssen die Bienen große Mengen Honig verstoffwechseln – Schätzungen reichen von etwa drei bis sechs Kilogramm Honig je Kilogramm Wachs. Das erklärt, warum Imker das kostbare Wachs nicht verschwenden, sondern im Kreislauf halten.
Eigenschaften und Zusammensetzung
Chemisch ist Bienenwachs ein komplexes Gemisch aus überwiegend Wachsestern, dazu freien Fettsäuren und langkettigen Kohlenwasserstoffen. Frisch geschwitztes Wachs ist nahezu weiß; durch die Einlagerung von Pollenfarbstoffen und Propolis nimmt es mit der Zeit den typischen goldgelben bis bräunlichen Ton an. Bienenwachs ist bei Raumtemperatur fest, wird ab etwa 62–65 °C flüssig, ist wasserabweisend und über sehr lange Zeiträume stabil – Wachsreste aus archäologischen Funden sind über Jahrtausende erhalten geblieben.
Verwendung im Bienenvolk
Im Stock dient Wachs als universeller Baustoff. Aus ihm errichten die Bienen die Waben, in denen Brut aufgezogen und Honig sowie Pollen eingelagert werden. Reife Honigzellen und schlupfreife Brutzellen verschließen die Bienen mit einem luftdurchlässigen bzw. luftdichten Wachsdeckel. Die Wabe ist damit Kinderstube, Vorratslager und Bühne des gesamten Stocklebens zugleich.
Der Wachskreislauf in der Imkerei
In der Imkerei wird Altwachs eingeschmolzen und zu neuen Mittelwänden verarbeitet – idealerweise im eigenen, geschlossenen Wachskreislauf. Der Grund ist die Rückstandsproblematik: Bienenwachs ist fettlöslich und reichert deshalb fettlösliche Stoffe an – etwa Rückstände synthetischer Varroazide oder Umweltschadstoffe. Fremdwachs aus unbekannter Quelle kann solche Rückstände oder sogar Verfälschungen mit Paraffin oder Stearin enthalten, die instabile Waben und Brutschäden verursachen. Wer sein eigenes Wachs aufarbeitet und alte Brutwaben regelmäßig aussondert (Wabenhygiene), hält den Kreislauf sauber und beugt Krankheiten vor.
Wachsgewinnung
Wachs fällt beim Imkern an mehreren Stellen an: als helles, hochwertiges Entdeckelungswachs bei der Honigernte und als dunkleres Wachs aus ausgesonderten Altwaben. Zur Gewinnung dienen verschiedene Geräte:
- Sonnenwachsschmelzer: nutzt die Sonnenwärme, schonend und energiefrei, ideal für Entdeckelungswachs.
- Dampfwachsschmelzer: schmilzt auch stark verbaute Altwaben und ganze Rähmchen mit heißem Wasserdampf aus.
- Wachspresse: trennt das flüssige Wachs vom festen Rückstand (Trester).
Verwendung außerhalb der Imkerei
Über die Imkerei hinaus ist Bienenwachs vielseitig gefragt:
- Kerzen: Bienenwachskerzen brennen ruhig, rußarm und mit charakteristischem Duft.
- Kosmetik: als Konsistenzgeber in Salben, Cremes und Lippenpflege.
- Wachstücher: wiederverwendbare Alternative zu Frischhaltefolie.
- Holz- und Lederpflege: als Bestandteil von Wachsen und Polituren.
- Lebensmittel: als Überzugsmittel (E 901), etwa auf Süßwaren oder Käse.
- Pharmazie und Handwerk: in Salbengrundlagen, beim Gießen (Wachsausschmelzverfahren) und in der Restaurierung.
Häufige Fragen zum Bienenwachs
Wie entsteht Bienenwachs?
Junge Arbeiterinnen schwitzen es über acht Wachsdrüsen am Hinterleib als kleine Plättchen aus und kneten daraus die Waben. Am aktivsten sind sie darin etwa vom 12. bis 18. Lebenstag.
Wie viel Honig brauchen Bienen für ein Kilogramm Wachs?
Mehrere Kilogramm – die Schätzungen liegen zwischen etwa drei und sechs Kilogramm Honig je Kilogramm Wachs. Deshalb ist Wachs ein kostbares Produkt, das Imker im Kreislauf halten.
Bei welcher Temperatur schmilzt Bienenwachs?
Etwa bei 62–65 °C. Beim Verarbeiten sollte es nicht überhitzt werden, da zu hohe Temperaturen Farbe und Qualität beeinträchtigen.
Ist Bienenwachs essbar?
In kleinen Mengen ist reines Bienenwachs unbedenklich und als Lebensmittelzusatzstoff E 901 zugelassen. Es wird jedoch nicht verdaut, sondern unverändert wieder ausgeschieden.
Warum ist reines Wachs für die Imkerei so wichtig?
Weil Wachs fettlösliche Rückstände anreichert. Verunreinigtes oder mit Paraffin verfälschtes Wachs kann die Bienengesundheit schädigen und zu instabilen Waben führen. Ein geschlossener, eigener Wachskreislauf vermeidet dieses Risiko.