Lorenzo Langstroth

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Lorenzo Lorraine Langstroth (geboren am 25. Dezember 1810 in Philadelphia; gestorben am 6. Oktober 1895 in Dayton, Ohio) war ein US-amerikanischer Pfarrer und Imker, der als „Vater der modernen Imkerei“ gilt. Seine Entdeckung des Bienenabstands und die darauf aufbauende Erfindung der Magazinbeute mit beweglichen Rähmchen revolutionierten die Bienenhaltung weltweit und legten die Grundlage für die gesamte moderne Imkerei.

Leben

Langstroth studierte Theologie an der Yale University und wurde Geistlicher der kongregationalistischen Kirche. Zeit seines Lebens litt er unter wiederkehrenden Phasen schwerer Schwermut, die ihn immer wieder aus dem Pfarramt und dem Schuldienst zwangen. In diesen Zeiten fand er Halt und Ablenkung in der Beschäftigung mit den Bienen, die ihn seit einer Begegnung mit einem Bienenvolk in jungen Jahren faszinierten. Aus dieser Leidenschaft erwuchs sein bahnbrechendes imkerliches Werk.

Die Entdeckung des Bienenabstands

Das zentrale Problem der damaligen Imkerei war, dass die Bienen in den gebräuchlichen Beuten und Körben alles mit Wachs und Propolis verbauten. Waben waren fest mit der Beute verklebt und konnten nicht entnommen werden, ohne das Volk und den Wabenbau zu zerstören. Eine Kontrolle des Volkes oder eine schonende Honigernte war kaum möglich.

1851 machte Langstroth die entscheidende Beobachtung: Bienen lassen einen ganz bestimmten Zwischenraum von etwa 6 bis 9 Millimetern stets frei – sie verbauen ihn weder mit Wachs noch mit Propolis, sondern nutzen ihn als Laufgang. Ist ein Spalt kleiner, verkitten sie ihn mit Propolis; ist er größer, bauen sie ihn mit Wachs zu. Diesen exakt einzuhaltenden Abstand nannte er den „bee space“ – den Bienenabstand.

Die Erkenntnis war von revolutionärer Tragweite: Wenn man die Rähmchen in einer Beute so anordnet, dass rundherum überall genau dieser Bienenabstand eingehalten wird, dann verkleben die Bienen die Rähmchen nicht mit dem Beutenkörper – und die Waben lassen sich einzeln, sauber und unbeschädigt herausnehmen.

Die Langstroth-Beute

Auf dieser Entdeckung aufbauend entwickelte Langstroth eine Beute mit von oben einhängbaren, frei beweglichen Rähmchen, bei der ringsum der Bienenabstand gewahrt blieb. 1852 ließ er seine Konstruktion patentieren. Die nach ihm benannte Langstroth-Beute ist eine Magazinbeute: Sie besteht aus übereinander stapelbaren Zargen (Kästen), in die die Rähmchen von oben eingehängt werden, und lässt sich beliebig nach oben erweitern.

Die Vorteile waren überwältigend: Der Imker konnte nun jedes einzelne Wabenwerk entnehmen, das Volk kontrollieren, den Gesundheitszustand prüfen, die Königin suchen, Ableger bilden und den Honig ernten, ohne das Volk zu zerstören. Die Langstroth-Beute ist bis heute die weltweit am weitesten verbreitete Beute, vor allem in Nord- und Südamerika, Australien und vielen anderen Ländern. Praktisch alle modernen Magazinbeuten – auch die in Deutschland gebräuchlichen Systeme – beruhen auf demselben Prinzip des Bienenabstands.

Weiteres Werk und „Langstroth on the Hive and the Honey-Bee“

1853 veröffentlichte Langstroth sein grundlegendes Buch über die Bienenhaltung, das die neuen Methoden einem breiten Publikum zugänglich machte und zu einem der einflussreichsten imkerlichen Werke überhaupt wurde. Es verband wissenschaftliche Genauigkeit mit praktischer Anleitung und einer tiefen Wertschätzung für die Bienen und gilt bis heute als Klassiker der imkerlichen Literatur.

Die Erfindung der beweglichen Wabe schuf erst die Voraussetzung für weitere Schlüsselerfindungen der modernen Imkerei: Johannes Mehrings Mittelwand (1857) und Franz von Hruschkas Honigschleuder (1865) konnten nur deshalb wirken, weil es nun bewegliche, herausnehmbare Rähmchen gab. Diese drei Erfindungen zusammen begründeten die rationelle, schonende Imkerei, wie wir sie heute kennen.

Lebensabend und Bedeutung

Trotz seiner bahnbrechenden Erfindung hatte Langstroth zeitlebens wirtschaftliche Schwierigkeiten – die Durchsetzung seines Patents gegen zahlreiche Nachahmer gelang ihm nur unzureichend, und seine Krankheit beeinträchtigte sein Wirken immer wieder. Er starb 1895 in Dayton, Ohio. Seine historische Bedeutung ist gleichwohl unbestritten: Kaum eine andere Einzelperson hat die praktische Imkerei so grundlegend und nachhaltig verändert. Der von ihm beschriebene Bienenabstand ist das Fundament, auf dem die gesamte moderne Beutentechnik ruht.

Siehe auch