Die Robinie (Robinia pseudoacacia), auch Scheinakazie oder umgangssprachlich schlicht „Akazie“ genannt, ist eine der bedeutendsten Trachtpflanzen Mitteleuropas und die Quelle des begehrten Akazienhonigs. Ihre kurze, aber außerordentlich ergiebige Blüte Ende Mai/Anfang Juni gehört zu den Höhepunkten des imkerlichen Sommertracht-Jahres. Trotz des verbreiteten Namens „Akazie“ ist die Robinie botanisch keine echte Akazie, sondern gehört zu den Schmetterlingsblütlern.
Herkunft und Verbreitung
Die Robinie stammt ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika und wurde Anfang des 17. Jahrhunderts nach Europa eingeführt – benannt ist sie nach dem französischen Hofgärtner Jean Robin, der sie in Paris kultivierte. Wegen ihrer Anspruchslosigkeit, ihres schnellen Wuchses und ihres harten, witterungsbeständigen Holzes wurde sie in ganz Europa angepflanzt und hat sich vielerorts eingebürgert. Besonders auf trockenen, sandigen und nährstoffarmen Böden gedeiht sie gut, da sie über Wurzelknöllchen Stickstoff aus der Luft bindet.
Ihre Anpassungsfähigkeit hat allerdings eine Kehrseite: In manchen naturschutzfachlich wertvollen Magerrasen- und Trockenstandorten gilt die Robinie als problematischer Neophyt, weil sie durch ihre Stickstoffanreicherung die ursprüngliche, an Nährstoffarmut angepasste Vegetation verdrängt. Aus imkerlicher Sicht ist sie hingegen eine geschätzte Bienenweide.
Aussehen und Blüte
Die Robinie ist ein sommergrüner Baum, der 20 bis 25 Meter hoch werden kann. Ihre Rinde ist tief gefurcht, die Zweige tragen oft paarige Dornen. Die Blätter sind gefiedert und erinnern an echte Akazien. Im Mai und Juni öffnen sich die charakteristischen weißen, stark duftenden Schmetterlingsblüten, die in dichten, hängenden Trauben angeordnet sind und reichlich Nektar absondern. Der intensive, süße Duft der Robinienblüte ist weithin wahrnehmbar.
Die Blütezeit ist mit etwa zwei Wochen sehr kurz und zudem stark witterungsabhängig. Kühles, nasses oder windiges Wetter während der Blüte kann den Nektarfluss erheblich mindern – ein einziges verregnetes Robinienblüten-Fenster kann eine ganze Sortenernte kosten. Bei warmem, stabilem Wetter dagegen ist die Robinie eine wahre Massentracht.
Bedeutung als Trachtpflanze
Für die Imkerei zählt die Robinie zu den wertvollsten Trachtbäumen überhaupt. In guten Jahren liefert sie an einzelnen Tagen Sammelmengen von mehreren Kilogramm pro Volk; insgesamt sind sortenreine Ernten von 20 bis 40 kg je Volk möglich. Wegen der kurzen Blüte und der Witterungsabhängigkeit ist der Robinienhonig allerdings nicht jedes Jahr in gleicher Menge zu gewinnen, was seinen Wert zusätzlich steigert.
Wanderimker fahren ihre Völker gezielt in Robinienbestände, um sortenreinen Akazienhonig zu ernten. Wichtig ist dabei, vor der Robinienblüte den Honigraum zu leeren, damit der helle, hochwertige Robinienhonig nicht durch Frühtrachthonig verunreinigt wird. Das Wandern in die Robinie ist daher ein gut geplantes Manöver im imkerlichen Jahr.
Der Akazienhonig
Der aus dem Robiniennektar gewonnene Akazienhonig gehört zu den beliebtesten Sortenhonigen überhaupt. Er ist sehr hell – fast wasserklar bis blassgelb – mild und zurückhaltend im Geschmack und durch seinen hohen Fruchtzuckeranteil besonders lange flüssig. Diese Eigenschaften machen ihn zum idealen Honig für alle, die einen dezenten, nicht kristallisierenden Honig schätzen, etwa zum Süßen von Tee. Aufgrund seiner Beliebtheit erzielt Akazienhonig im Handel regelmäßig Spitzenpreise.
Robinie im Garten
Wer einen Beitrag zur Bienenweide leisten möchte und ausreichend Platz hat, kann eine Robinie pflanzen – allerdings sollte wegen ihrer Ausbreitungsfreude und der Neophyten-Problematik der Standort gut überlegt sein, idealerweise fern von schützenswerten Magerstandorten. Im Hausgarten eignen sich auch kleinere Zuchtformen. Zu beachten ist, dass Rinde, Blätter und Samen der Robinie für Menschen und manche Tiere giftig sind; der Nektar und der daraus gewonnene Honig sind hingegen unbedenklich.
Neben dem Nutzen als Trachtbaum liefert die Robinie auch außergewöhnlich hartes, dauerhaftes Holz, das im Garten- und Landschaftsbau als heimische Alternative zu Tropenholz geschätzt wird.