Als Landrasse bezeichnet man bei Nutztieren – und damit auch bei der Honigbiene – eine Form, die über lange Zeit durch natürliche Anpassung an einen bestimmten Naturraum entstanden ist, ohne planmäßige züchterische Auslese durch den Menschen. Landrassen sind das Gegenstück zu hochgezüchteten, standardisierten Zuchtrassen.
Landrassen bei Honigbienen
Vor der modernen organisierten Bienenzucht gab es in jeder Region Europas an das lokale Klima und Trachtangebot angepasste Honigbienen-Landrassen. Die bekannteste mitteleuropäische ist die Dunkle Europäische Biene (Apis mellifera mellifera), die über Jahrtausende an die kalten Winter und kurzen Sommer Nordeuropas angepasst war.
Mit der Verbreitung ertragsstarker und sanfter Zuchtrassen wie der Carnica und der Buckfast wurden diese ursprünglichen Landrassen fast vollständig verdrängt.
Eigenschaften von Landrassen
Landrassen unterscheiden sich typischerweise von Zuchtrassen durch:
- Hohe Anpassung an lokale Bedingungen – Klima, Trachtverlauf, Krankheitsdruck
- Große genetische Vielfalt – breiteres Genspektrum als hochgezüchtete Linien
- Robustheit und Widerstandsfähigkeit
- Geringere, aber stabilere Erträge – nicht auf Höchstleistung gezüchtet
- Uneinheitlicheres Erscheinungsbild und Verhalten
Bedeutung für den Naturschutz
Landrassen gelten als wertvolle genetische Reserve. Die in standardisierten Zuchtrassen verlorengegangene Vielfalt kann in Zukunft wichtig werden – etwa für die Anpassung an den Klimawandel oder die Zucht krankheitsresistenter Bienen. Deshalb gibt es heute Schutzprogramme für Bienen-Landrassen, etwa Reinzuchtgebiete für die Dunkle Biene.
Der Begriff Landrasse wird auch bei anderen Nutztieren (Rinder, Schweine, Schafe, Hühner) und Kulturpflanzen verwendet und bezeichnet dort jeweils dasselbe Prinzip der lokal angepassten, traditionell entstandenen Form.