Waldhonig

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Waldhonig – auch Honigtauhonig genannt – ist ein dunkler, kräftig schmeckender Sortenhonig, der nicht aus Blütennektar entsteht, sondern aus Honigtau. Er gehört zu den begehrtesten Honigen Mitteleuropas und ist neben Akazienhonig und Lindenhonig die wichtigste deutsche Sortenkategorie.

Sensorisches Profil

Waldhonig ist sofort am Aussehen erkennbar: bräunlich bis fast schwarz, oft mit grünlichem oder rötlichem Schimmer im durchscheinenden Licht. Der Geschmack ist malzig, leicht würzig, mit Karamell- und Tabaknoten; manchmal auch eine angedeutete Bitternote. Anders als die süße Fruchtigkeit eines Frühtrachthonigs wirkt Waldhonig eher erdig und tiefgründig – weniger süß empfunden trotz vergleichbarem Zuckergehalt.

Der typische Geschmack stammt aus den längerkettigen Zuckern (vor allem Melezitose), der höheren Konzentration dunkler Pflanzenstoffe und dem hohen Anteil organischer Säuren und Mineralstoffe.

Herkunft und Trachtquellen

Waldhonig entsteht aus dem Honigtau verschiedener saugender Insekten. Je nach Hauptträger unterscheidet man:

  • Fichtenhonig – aus Honigtau auf der Fichte; klassischer „grünlicher“ Waldhonig
  • Tannenhonig – aus Honigtau auf der Weißtanne; oft besonders dunkel und kräftig
  • Eichenhonig – seltener, aus Honigtau auf Eichenarten
  • Mischwaldhonig – aus mehreren Trachtbäumen

Hauptproduktionsgebiete in Deutschland sind Schwarzwald, Bayerischer Wald, Thüringer Wald und Harz – siehe Waldtracht.

Bleibt lange flüssig

Der hohe Anteil Fructose und Melezitose lässt Waldhonig oft monatelang flüssig bleiben – ähnlich wie Akazienhonig, nur in dunkel. Wenn er kristallisiert, dann grobkristallin und unregelmäßig, oft mit „Schichtbildung“ im Glas.

Eine Ausnahme: Honig aus stark melezitosehaltigen Trachten kann bereits in den Waben kristallisieren („Zementhonig“) – ein Imker-Albtraum, weil sich solcher Honig kaum noch schleudern lässt. Im Endprodukt zeigt sich das später als sehr feste, sandige Konsistenz.

Sortenreinheit – die rechtlichen Kriterien

Damit ein Honig als „Waldhonig“ oder „Honigtauhonig“ verkauft werden darf, verlangt die deutsche Honigverordnung mehrere Kriterien:

  • Elektrische Leitfähigkeit über 0,8 mS/cm (Blütenhonig liegt typisch unter 0,5 mS/cm)
  • Pollenanalyse: deutliche Anteile von „Honigtau-Indikatoren“ – Pilzhyphen, Algenzellen, kleine Pflanzenfragmente
  • Sensorik – das typische dunkle, würzige Profil
  • Färbung in der Pfund-Skala mindestens 75 mm

Lagerung

Wie alle Honige: trocken, dunkel und kühl. Waldhonig hat dabei den Vorteil, dass er aufgrund des hohen Mineralstoffgehalts und der niedrigeren Glucose-Sättigung besonders lagerstabil ist und sein Aroma über Jahre kaum verliert.

Verwendung

Waldhonig passt zu kräftigen Aromen: zu reifem Käse (besonders Hartkäse, Blauschimmel), zu Wildgerichten, in Marinaden, zu schwarzem Brot, in Glühwein und Punsch. Im süßen Bereich harmoniert er mit Schokolade, Nüssen und Trockenfrüchten. Wer gewohnt ist, mit hellen Honigen zu süßen, wird Waldhonig im Kaffee zu kräftig finden – im Schwarztee dagegen kann er eine spannende Note setzen.

Gesundheitliche Aspekte

Waldhonig wird in der Volksheilkunde wegen seines hohen Mineralstoff- und Antioxidantien-Gehalts geschätzt. Studien zeigen, dass dunkle Honige – darunter Waldhonig – im Mittel höhere antioxidative Werte aufweisen als helle Sortenhonige. Wie immer bei Honig gilt: gesundheitliche Versprechen sind im Rechtssinne Aussagen mit Vorbehalt; rohe Wirkstoffe sind aber durchaus nachweisbar.

Siehe auch