Waldtracht

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Die Waldtracht ist eine besondere Form der Bienen-Tracht, bei der die Bienen nicht Blütennektar, sondern Honigtau aus Wäldern eintragen. Sie unterscheidet sich grundlegend von der klassischen Blütentracht und ist die Grundlage für den geschmackvollen, dunklen Waldhonig.

Was die Waldtracht ausmacht

Während Blütentrachten an die Blühphasen bestimmter Pflanzen gebunden sind, hängt die Waldtracht von Insektenpopulationen ab – vor allem von Blattläusen und Schildläusen, die auf Nadel- und Laubbäumen den Honigtau ausscheiden. Das macht die Waldtracht zur unberechenbarsten Tracht des Jahres:

  • Sie kann kommen oder ausbleiben – manche Jahre liefern Spitzenernten von 40 kg pro Volk, andere praktisch nichts
  • Sie tritt regional sehr unterschiedlich auf – ein Tal kann reich tragen, das nächste leer bleiben
  • Sie ist kurzlebig – starke Trachten dauern oft nur ein bis drei Wochen
  • Sie beginnt meist plötzlich – die Stockwaage zeigt von einem auf den anderen Tag dramatische Zunahmen

Hauptgebiete in Deutschland

Klassische Waldtrachtgebiete liegen in Mittel- und Süddeutschland:

  • Schwarzwald – traditionell ergiebig, Tannenhonig
  • Bayerischer Wald – Fichten- und Tannentrachten
  • Thüringer Wald und Harz – wechselhaft, in guten Jahren bedeutend
  • Eifel und Hunsrück – kleinere, aber regelmäßige Trachten
  • Erzgebirge und Sächsische Schweiz

Die wichtigsten Trägerbäume sind Fichte, Tanne und in Mischwäldern auch Ahorn, Eiche und Linde.

Zeitlicher Ablauf

Die Waldtracht setzt typischerweise nach der ersten Sommertrachtwelle (Robinie, Frühlinde) ein:

  • Späte Juni bis Ende Juli: Hauptphase, vor allem auf Fichte
  • Anfang bis Mitte August: Spätere Trachten auf Tanne und Mischwald
  • Manchmal doppelte Tracht in einer Saison, wenn nach einer ersten Phase neue Laus-Generationen schlüpfen

Wandern in die Waldtracht

Erwerbsimker mit Waldhonig-Interesse wandern aktiv in die Trachtgebiete. Klassischer Ablauf:

  1. Beobachtung der Trachtgebiete (Forst-Trachtbeobachtung, Imkerverbände, Wetterprognose)
  2. Schnelles Auswandern, sobald die Tracht einsetzt – Bienen müssen 1 bis 2 Tage vor dem Höhepunkt am Stand stehen
  3. Häufige Kontrolle wegen Melezitose-Gefahr (siehe unten)
  4. Zügige Heimreise nach Trachtende, um die Bienen für den Endsommer-Aufbau zurückzubringen

Tücken der Waldtracht

Die Waldtracht ist nicht nur ein Honigsegen, sie bringt auch Probleme:

Melezitose-Risiko. Manche Waldtrachten enthalten so viel des Dreifachzuckers Melezitose, dass der Honig in den Waben kristallisiert – noch bevor er geschleudert werden kann. Erfahrene Wanderimker testen tägliche Proben mit dem Refraktometer und schleudern lieber zu früh als zu spät.

Mineralstoffreiches Winterfutter ungeeignet. Honigtau ist reich an Mineralstoffen, die für Bienen im Winter schwer auszuscheiden sind. Waldhonig darf nicht als Winterfutter im Volk bleiben – Imker schleudern ihn ab und füttern stattdessen Zuckersirup.

Pilzkrankheiten und Druck auf das Volk. Lange feuchte Phasen im Wald, viel klebriger Honigtau auf Anflugbrettern und Beuten – Waldtracht-Standorte erfordern besonders saubere Stockhygiene.

Siehe auch