Wildbienen sind alle wildlebenden, nicht vom Menschen gehaltenen Bienenarten. Allein in Deutschland gibt es rund 600 Arten, weltweit etwa 20.000. Anders als die staatenbildende Honigbiene leben die allermeisten Wildbienen solitär – als Einzelgänger, bei denen jedes Weibchen sein eigenes Nest baut und versorgt. Wildbienen sind unverzichtbare Bestäuber und ein zentraler Baustein der Artenvielfalt, zugleich aber stark gefährdet.
Steckbrief Wildbiene
- Artenzahl: rund 600 in Deutschland, weltweit etwa 20.000
- Lebensweise: überwiegend solitär (Einzelgänger)
- Ausnahmen: Hummeln leben staatenbildend
- Honig: Wildbienen legen keine Honigvorräte an
- Nester: im Boden, in Totholz, hohlen Stängeln, Mauerritzen
- Stechverhalten: sehr friedlich, stechen kaum
- Status: viele Arten gefährdet oder auf der Roten Liste
Was sind Wildbienen?
Als Wildbiene gilt jede Bienenart, die nicht als Nutztier gehalten wird – also alle heimischen Bienen außer der Honigbiene. Auch die Hummeln gehören dazu, obwohl sie als Einzige unter den Wildbienen Staaten bilden. Wildbienen sind damit keine eigene Tiergruppe, sondern ein Sammelbegriff für die enorme Vielfalt der Bienen jenseits der einen gehaltenen Art.
Wildbiene und Honigbiene im Vergleich
Die Unterschiede zur Honigbiene sind grundlegend:
- Lebensweise: Die meisten Wildbienen leben solitär, die Honigbiene bildet einen dauerhaften Staat.
- Überwinterung: Bei den meisten Wildbienen stirbt die erwachsene Generation; nur der Nachwuchs überdauert geschützt im Nest. Das Honigbienenvolk überwintert als Ganzes.
- Vorräte: Wildbienen legen keine großen Honigvorräte an – sie sammeln nur so viel, wie ihre Brut braucht.
- Spezialisierung: Viele Wildbienen sind auf bestimmte Pflanzen spezialisiert (oligolektisch), die Honigbiene ist ein Allrounder.
- Wehrhaftigkeit: Wildbienen sind ausgesprochen friedlich; die meisten können kaum oder gar nicht stechen.
Lebensweise der Solitärbienen
Bei den solitären Wildbienen gibt es weder Königin noch Arbeiterinnen. Jedes Weibchen ist zugleich Mutter und Baumeisterin: Es legt ein Nest an, richtet darin einzelne Brutzellen ein, versorgt jede Zelle mit einem Vorrat aus Pollen und Nektar, legt ein Ei darauf und verschließt die Zelle. Um die Entwicklung der Larve kümmert es sich nicht mehr – Brutpflege wie bei der Honigbiene gibt es nicht. Die Nistplätze sind vielfältig: sandiger Boden, Steilwände, Totholz, hohle oder markhaltige Pflanzenstängel, leere Schneckenhäuser oder Mauerritzen. Die meisten Arten bilden nur eine Generation pro Jahr.
Wichtige Wildbienengruppen
- Hummeln – die einzigen staatenbildenden Wildbienen; wichtige Bestäuber, die auch bei Kälte fliegen.
- Mauerbienen – nehmen gern künstliche Nisthilfen an und sind hervorragende Obstbestäuber.
- Sandbienen – nisten in selbst gegrabenen Erdgängen, oft in großen Aggregationen.
- Furchen- und Schmalbienen – kleine, unscheinbare, sehr artenreiche Bodennister.
- Woll- und Holzbienen – auffällige, teils große Arten; die Holzbiene ist die größte heimische Wildbiene.
- Kuckucksbienen – parasitische Arten, die keine eigenen Nester bauen, sondern ihre Eier in die Nester anderer Wildbienen legen.
Wildbienen als Bestäuber
Wildbienen leisten einen erheblichen und oft unterschätzten Teil der Bestäubung. Manche Arten sind dabei sogar effizienter als die Honigbiene: Mauerbienen bestäuben Obstblüten mit wenigen Tieren so wirksam wie ein Vielfaches an Honigbienen, und Hummeln beherrschen die Vibrationsbestäubung, die etwa Tomaten und Heidelbeeren brauchen. Weil viele Wildbienen früh im Jahr und bei kühlem Wetter fliegen, ergänzen sie die Honigbiene ideal. Für manche Wildpflanzen sind spezialisierte Wildbienen sogar die einzigen Bestäuber.
Gefährdung
Ein großer Teil der heimischen Wildbienenarten steht auf der Roten Liste. Als Hauptursachen gelten der Verlust geeigneter Nistplätze und blütenreicher Lebensräume, die intensive Landwirtschaft mit Monokulturen und Pestiziden, die Versiegelung von Flächen und das Verschwinden strukturreicher Randbereiche. Anders als die vom Menschen gehütete Honigbiene erhalten Wildbienen keine Pflege – umso stärker sind sie auf einen intakten Lebensraum angewiesen. Das oft beklagte „Bienensterben“ betrifft in erster Linie die Wildbienen.
Wildbienen im Garten fördern
Jeder Garten kann Wildbienen helfen – wirksamer als jedes gekaufte „Insektenhotel“ ist meist ein vielfältiges Nahrungs- und Nistangebot:
- Heimische, ungefüllte Blühpflanzen mit gestaffelter Blütezeit von Frühjahr bis Herbst – gefüllte Zierblüten bieten kaum Nahrung.
- Offene, sandige Bodenstellen als Nistplatz für die vielen bodennistenden Arten.
- Totholz und markhaltige Stängel (z. B. Brombeere, Holunder) stehen lassen.
- Richtige Nisthilfen: saubere Bohrungen in unbehandeltem Hartholz oder Schilf- und Bambusröhrchen – keine Zapfen, kein Glas, keine ausgefransten Bohrlöcher.
- Verzicht auf Pestizide und weniger häufiges Mähen.
Häufige Fragen zu Wildbienen
Stechen Wildbienen?
Kaum. Die meisten Wildbienen sind ausgesprochen friedlich, viele Arten können mit ihrem Stachel die menschliche Haut gar nicht durchdringen. Stiche sind extrem selten und harmlos.
Sind Hummeln Wildbienen?
Ja. Hummeln sind Wildbienen – und die einzigen unter ihnen, die staatenbildend leben. Alle anderen heimischen Wildbienen sind überwiegend Einzelgänger.
Machen Wildbienen Honig?
Nein, jedenfalls nicht in nennenswerter Menge. Wildbienen legen keine Honigvorräte an, sondern sammeln nur so viel Nektar und Pollen, wie ihre Brut unmittelbar benötigt. Honig im eigentlichen Sinn erzeugt nur die Honigbiene.
Wie viele Wildbienenarten gibt es?
In Deutschland rund 600 Arten, weltweit etwa 20.000. Damit ist die Vielfalt der Wildbienen um ein Vielfaches größer als die einen gehaltenen Honigbienenart.
Wie kann ich Wildbienen helfen?
Mit heimischen, ungefüllten Blühpflanzen über die ganze Saison, offenen Bodenstellen und Totholz als Nistplatz, sachgerechten Nisthilfen und dem Verzicht auf Pestizide. Wichtiger als ein gekauftes Insektenhotel ist ein durchgehendes Blütenangebot.