Der Raps (Brassica napus) ist die wichtigste Trachtpflanze des Frühjahrs in weiten Teilen Mitteleuropas und die Grundlage des hellen, schnell kristallisierenden Rapshonigs. Die weithin sichtbaren, leuchtend gelben Rapsfelder im Mai prägen das Landschaftsbild und bedeuten für die Imkerei die erste große Massentracht des Jahres – einen wahren „Startschuss“ für die Honigsaison.
Eine Kulturpflanze von großer Bedeutung
Raps gehört zur Familie der Kreuzblütler und ist eine der bedeutendsten Ölpflanzen der Welt. Aus seinen Samen wird Rapsöl gewonnen – als Speiseöl, für die Lebensmittelindustrie und als Grundstoff für Biodiesel. Der Pressrückstand (Rapskuchen) dient als eiweißreiches Futtermittel. In Deutschland ist Raps die mit Abstand flächenmäßig wichtigste blühende Ackerkultur, was ihn für die Imkerei besonders wertvoll macht: Riesige zusammenhängende Anbauflächen bedeuten ein enormes, konzentriertes Trachtangebot.
Angebaut wird überwiegend Winterraps, der im Spätsommer ausgesät wird, überwintert und dann im folgenden Frühjahr (meist ab Ende April/Anfang Mai) zur Blüte kommt. Die Blüte dauert etwa drei bis vier Wochen.
Bedeutung als Trachtpflanze
Für die Bienen ist Raps eine außerordentlich ergiebige Tracht, die sowohl reichlich Nektar als auch reichlich Pollen liefert – beides genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Völker sich im Frühjahr stark entwickeln und großen Bedarf haben. Die Rapstracht kurbelt die Volksentwicklung kräftig an und kann in guten Lagen Honigerträge von 30 bis 50 kg pro Volk bringen.
Diese frühe, starke Tracht hat aber auch Tücken: Sie fällt mit dem Beginn der Schwarmzeit zusammen, und die explosionsartig wachsenden Völker müssen vom Imker sorgfältig betreut werden – durch rechtzeitiges Erweitern, Schwarmkontrolle und Ablegerbildung.
Der Rapshonig und das schnelle Kristallisieren
Der aus Rapsnektar gewonnene Rapshonig ist sehr hell – fast weiß bis cremefarben – und mild im Geschmack. Seine wichtigste Eigenschaft für den Imker ist das sehr schnelle Kristallisieren: Rapshonig hat einen hohen Traubenzuckeranteil und wird oft schon innerhalb weniger Tage nach der Ernte fest. Das hat zwei Konsequenzen:
- Rasche Ernte nötig – Rapshonig muss zügig geschleudert werden, solange er noch flüssig in den Waben ist; kristallisiert er in der Wabe, lässt er sich nicht mehr schleudern
- Cremehonig-Eignung – durch rechtzeitiges Rühren entsteht aus Rapshonig ein feiner, streichzarter Cremehonig, der besonders beliebt ist
Wegen seiner Milde und feinen Konsistenz ist Rapshonig ein idealer „Frühstückshonig“ und besonders bei Kindern beliebt. Zudem dient er als Basis für viele Misch- und Cremehonige.
Raps und Pflanzenschutz
Da Raps großflächig konventionell angebaut wird, ist die Frage des Pflanzenschutzes für Imker von Bedeutung. Insektizide, insbesondere aus der Gruppe der Neonicotinoide, standen wegen ihrer Schädlichkeit für Bienen stark in der Kritik; einige Wirkstoffe sind inzwischen EU-weit für den Freilandeinsatz verboten. Beim Pflanzenschutz im blühenden Raps gelten strenge Regeln zum Bienenschutz – Spritzungen mit bienengefährlichen Mitteln in die blühende Kultur sind unzulässig. Imker und Landwirte stimmen sich idealerweise ab, etwa über Spritztermine in den Abendstunden außerhalb des Bienenflugs.
Bedeutung über die Honigbiene hinaus
Auch für Wildbienen, Hummeln und andere Bestäuber ist die Rapsblüte ein wichtiges, wenn auch kurzes Nahrungsangebot im Frühjahr. Allerdings ist Raps als Monokultur kein Ersatz für ein vielfältiges, ganzjähriges Blütenangebot – nach der Rapsblüte folgt in reinen Ackerlandschaften oft eine Trachtlücke. Blühstreifen und vielfältige Trachtflächen bleiben daher auch in Rapsregionen wichtig.