Östliche Honigbiene

Die Östliche Honigbiene (Apis cerana) ist eine staatenbildende Honigbiene und das asiatische Gegenstück zur in Europa verbreiteten Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Sie ist in einem riesigen Verbreitungsgebiet von Afghanistan über Indien, China, Korea und Japan bis nach Indonesien zuhause und wird dort seit Jahrtausenden imkerlich genutzt.

Aussehen und Lebensweise

Apis cerana ist etwas kleiner und schlanker als ihre westliche Verwandte und meist deutlich kontrastreicher gezeichnet. Ihre Völker sind vergleichsweise klein – häufig 6.000 bis 12.000 Tiere statt der 40.000 und mehr, die ein gut entwickeltes mellifera-Volk im Sommer trägt. Genistet wird traditionell in Baumhöhlen, Felsspalten oder hohlen Holzstämmen (Klotzbeute). In moderner Imkerei in Asien werden auch Magazinbeuten und vereinfachte Bauformen verwendet.

Verteidigung gegen Hornissen

Das wohl spektakulärste Verhalten von Apis cerana ist die Hitzekugel (auch Bienenkugel genannt) gegen die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia). Dringt eine Hornissen-Späherin in den Stockbereich ein, umschließen sie blitzschnell Hunderte Bienen wie eine lebende Faust. Durch synchrones Vibrieren der Flugmuskulatur steigt die Temperatur im Kugelinneren auf etwa 46 °C – knapp über der tödlichen Grenze der Hornisse, aber unterhalb dessen, was die Bienen selbst aushalten. Die Westliche Honigbiene, die nicht mit dieser Hornissenart koevolviert ist, kennt diesen Trick nicht und ist gegen Asiatische Hornissen weitgehend wehrlos.

Bedeutung für die Varroa-Forschung

Apis cerana ist der ursprüngliche Wirt der Varroamilbe (Varroa destructor). Über Jahrmillionen hat sich ein erstaunliches Gleichgewicht entwickelt: Die Milbe vermehrt sich bei cerana nur in der Drohnenbrut, die Bienen erkennen befallene Brutzellen und entfernen sie aktiv. Erst als die Milbe in den letzten 75 Jahren auf die westliche Honigbiene übersprang – eine Wirtin, die diese Abwehrmechanismen nicht besitzt – wurde sie zum imkerlichen Hauptproblem.

Verwandte Arten

Innerhalb der Gattung Apis gehört cerana zur Gruppe der höhlenbrütenden Honigbienen. Eng verwandt sind die Borneo-Honigbiene, die Ostafrikanische Hochlandbiene und die hochalpine Kliff-Honigbiene des Himalaya. Im Gegensatz dazu nisten Apis dorsata und Apis florea freihängend an Felsen oder Ästen.

Heimische Imker und Apis cerana

In Deutschland darf Apis cerana nicht gehalten werden – wie bei allen gebietsfremden Honigbienenunterarten gelten artenschutzrechtliche und seuchenrechtliche Beschränkungen. Wer sich für die östliche Biene interessiert, findet das beste Anschauungsmaterial in Bildungsimkereien und Lehrbeständen sowie in der wissenschaftlichen Literatur zu Verhaltensbiologie und Schwarmökologie.

Siehe auch