Als Ableger bezeichnet die Imkerei ein junges Bienenvolk, das durch gezielte Teilung aus einem Wirtschaftsvolk gebildet wurde. Die Ablegerbildung gehört zu den grundlegenden Arbeiten der modernen Bienenhaltung – sie ermöglicht Volksvermehrung, Königinnenzucht, Königinnenwechsel und ist gleichzeitig eines der wirksamsten Mittel zur Schwarmverhinderung.
Warum Ableger bilden?
Drei klassische Gründe:
- Vermehrung: Aus einem starken Volk werden zwei – langfristig wachsen Bienenstand und Honigertrag.
- Schwarmkontrolle: Ein Volk im Schwarmtrieb gibt einen Teil seiner Bienen und Brut nach außen ab. Wer ihm zuvorkommt und selbst Brut entnimmt, dämpft den Schwarmtrieb deutlich.
- Reservevolk und Königinnenwechsel: Junge Königinnen reifen im Ableger heran. Erweist sich eine Wirtschaftskönigin als alt, sanft- oder weiselgestört, kann die Reserve im Ableger sie ersetzen.
Die wichtigsten Ablegerarten
Brutwabenableger
Die häufigste Variante. Aus einem starken Volk werden eine bis drei verdeckelte Brutwaben samt ansitzenden Bienen entnommen und in eine neue Beute gegeben. Dazu kommt eine Futterwabe, eine leere Mittelwand und – je nach Methode – eine geschlüpfte Königin, eine reife Weiselzelle oder das Material für eine Nachschaffung aus den vorhandenen jungen Larven.
Flugling
Der alte Standort, das alte Volk wird komplett umgesetzt – zurück bleibt am alten Platz nur die geöffnete Beute mit einer einzigen Brutwabe und Futter. Die heimkehrenden Flugbienen sammeln sich dort und ziehen sich aus der vorhandenen Brut eine neue Königin. Methode für die schnelle Schwarmverhinderung an einem warmen Vormittag.
Saugling
Das Gegenstück zum Flugling: Aus dem Mutterstock werden Brutwaben mit ansitzenden Jungbienen entnommen und an einen weit entfernten Standort gebracht. Die Flugbienen kehren zum alten Stock zurück, im Saugling bleiben nur die Stockbienen mit der Brut.
Sammelbrutableger
Aus mehreren Wirtschaftsvölkern werden je ein bis zwei Brutwaben gezogen und zu einem starken Jungvolk zusammengefasst. Vorteil: kein einzelnes Volk wird stark geschwächt, der Ableger ist von Anfang an kräftig.
Kunstschwarm
Streng genommen kein Ableger im klassischen Sinn: Brutfreie Bienen werden zusammen mit einer Königin in eine Schwarmkiste gefegt und wie ein Naturschwarm einlogiert. Hauptanwendung in der modernen Imkerei: Königinnen-Vermehrung mit Begattungseinheiten.
Zeitpunkt
In Mitteleuropa ist die Hauptzeit für die Ablegerbildung Mai bis Juni – früh genug, damit das Jungvolk bis in den Spätsommer eigene Vorräte sammeln und vor dem Winter ausreichend Winterbienen aufziehen kann. Spätere Ableger (Juli/August) benötigen meist Futter- und Pflegezuwendungen, um winterfest zu werden.
Was braucht ein gesunder Ableger?
- Eine Ablegerbeute (oft eine 5- oder 6-waben-Mini-Magazinbeute oder eine reguläre Beute mit Schied)
- Brut und ansitzende Bienen aus dem Spendervolk
- Futter – flüssig oder als verdeckelte Futterwabe
- Eine Königin, eine reife Weiselzelle oder geeignetes Material für die Nachschaffung
- Einen Standort, idealerweise mehr als 3 km vom Spenderstand entfernt (sonst kehren die Flugbienen zurück)
- Varroa-Behandlung in der brutfreien Phase nach Einlogierung – ein Ableger ist die wirksamste Gelegenheit für eine schadschwellenfreie Oxalsäure-Behandlung