Honigschleuder

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Die Honigschleuder ist das zentrale Erntegerät der Imkerei. Mit ihr wird der reife Honig durch Zentrifugalkraft aus den Waben geschleudert, ohne diese zu zerstören. Die entleerten Waben können den Bienen zurückgegeben und wiederverwendet werden – ein enormer Fortschritt gegenüber dem früheren Auspressen oder Ausschneiden. Zusammen mit der beweglichen Wabe und der Mittelwand zählt die Honigschleuder zu den drei großen Erfindungen, die die moderne Imkerei begründeten.

Steckbrief Honigschleuder

  • Funktion: Honiggewinnung aus den Waben per Zentrifugalkraft
  • Erfinder: Franz von Hruschka, 1865
  • Bauarten: Tangential- und Radialschleuder
  • Antrieb: Handkurbel oder Motor
  • Material: lebensmittelechter Edelstahl
  • Vorteil: Waben bleiben erhalten und wiederverwendbar

Funktionsprinzip

Die Honigschleuder nutzt die Zentrifugalkraft: In einem trommelförmigen Behälter rotieren die entdeckelten Waben um eine senkrechte Achse. Durch die Drehung wird der flüssige Honig aus den offenen Zellen an die Trommelwand geschleudert, läuft dort nach unten und sammelt sich am Boden, von wo er über einen Auslaufhahn (Quetschhahn) abgelassen wird. Voraussetzung ist, dass die Wachsdeckel der reifen Honigzellen zuvor entfernt werden – das Entdeckeln. Da die Wabenstruktur beim Schleudern erhalten bleibt, können die leeren Waben den Bienen zurückgegeben werden, die sie sofort wieder befüllen.

Geschichte

Die Honigschleuder wurde 1865 vom österreichisch-italienischen Offizier und Imker Franz von Hruschka erfunden. Der Legende nach beobachtete er, wie eine in einem Körbchen an einer Schnur herumgeschleuderte Wabe ihren Honig verlor – die Geburtsstunde des Zentrifugalprinzips. Erst die Honigschleuder machte die zerstörungsfreie Honigernte in großem Maßstab möglich und ersetzte das alte Auspressen und Ausschmelzen der Waben. Gemeinsam mit der beweglichen Wabe (Rähmchen) und der Mittelwand vollendete sie die technische Revolution der Imkerei im 19. Jahrhundert.

Tangential- und Radialschleuder

Man unterscheidet zwei Grundbauarten:

  • Tangentialschleuder: Die Waben stehen mit einer Flachseite nach außen. Zuerst wird nur die äußere Wabenseite entleert; dann müssen die Waben gewendet werden, um die zweite Seite zu schleudern. Vorteil: schon mit wenigen Waben und günstig; Nachteil: der Wendevorgang kostet Zeit, und ungleiche Belastung kann bei einseitig geschleuderten Waben zu Bruch führen.
  • Radialschleuder: Die Waben stehen sternförmig mit dem Oberträger nach außen. Beide Wabenseiten werden gleichzeitig entleert – kein Wenden nötig. Vorteil: schneller und schonender bei größeren Mengen; Nachteil: teurer und braucht meist mehr Waben pro Durchgang.

Kleine Hobbyimker beginnen oft mit einer handbetriebenen Tangentialschleuder für drei bis vier Waben; größere Imkereien nutzen motorbetriebene Radialschleudern für viele Waben gleichzeitig.

Der Schleudervorgang Schritt für Schritt

  1. Reifeprüfung: Nur verdeckelte oder ausreichend eingedickte Waben schleudern (Spritzprobe / Refraktometer – der Wassergehalt sollte unter 18 % liegen).
  2. Entdeckeln: Die Wachsdeckel mit Entdeckelungsgabel, -messer oder -geschirr abnehmen.
  3. Einsetzen und anschleudern: Waben gleichmäßig einsetzen und langsam beginnen, um Wabenbruch zu vermeiden, dann die Drehzahl steigern.
  4. Wenden (nur bei der Tangentialschleuder), um die zweite Seite zu entleeren.
  5. Sieben: Den ablaufenden Honig durch ein Doppelsieb in einen Abfülleimer leiten, um Wachsteilchen zu entfernen.
  6. Klären und abfüllen: Den Honig ruhen lassen, abschäumen und in Gläser abfüllen.

Material, Hygiene und Zubehör

Moderne Honigschleudern bestehen aus lebensmittelechtem Edelstahl, der sich leicht reinigen lässt und geschmacksneutral ist. Nach jeder Ernte wird die Schleuder mit warmem Wasser gründlich gereinigt und gut getrocknet, um Gärung und Verunreinigung zu vermeiden. Zur vollständigen Ausrüstung für die Honigernte gehören neben der Schleuder ein Entdeckelungsgeschirr, ein Doppelsieb, ein Abfülleimer mit Quetschhahn und ein Refraktometer zur Kontrolle des Wassergehalts. Viele Vereine verleihen Schleudern, sodass Anfänger nicht sofort eine eigene anschaffen müssen.

Häufige Fragen zur Honigschleuder

Wie funktioniert eine Honigschleuder?

Sie schleudert entdeckelte Waben in einer Trommel im Kreis. Die Zentrifugalkraft drückt den Honig aus den Zellen an die Wand, von wo er nach unten läuft und abgelassen wird. Die Waben bleiben dabei heil.

Tangential- oder Radialschleuder – was ist besser?

Für wenige Völker reicht eine günstige Tangentialschleuder, bei der man die Waben wendet. Wer viel erntet, profitiert von einer Radialschleuder, die beide Wabenseiten gleichzeitig und schonender entleert.

Braucht man als Anfänger eine eigene Schleuder?

Nicht unbedingt. Viele Imkervereine verleihen Honigschleudern. Gerade in den ersten Jahren mit wenigen Völkern ist das Leihen günstiger als der Kauf.

Wie wird die Honigschleuder gereinigt?

Mit warmem (nicht heißem) Wasser gründlich ausspülen, da sich Honig gut in Wasser löst. Anschließend vollständig trocknen lassen. Keine aggressiven Reinigungsmittel verwenden.

Siehe auch