Die Mittlere Wespe (Dolichovespula media) ist eine heimische soziale Wespe aus der Gattung der Langkopfwespen. Trotz ihres mitunter beeindruckenden Aussehens – sie wird gelegentlich mit einer kleinen Hornisse verwechselt – ist sie friedfertig und geht nicht an menschliche Nahrung. Wie die meisten Wespenarten meidet sie den Esstisch und leidet zu Unrecht unter dem schlechten Ruf der wenigen lästigen Arten.
Aussehen
Die Mittlere Wespe ist eine relativ große, kräftige Wespe mit schwarz-gelber Zeichnung, bei der oft dunkle, fast rötlich-braune Partien hervortreten. Manche Tiere wirken auffallend dunkel. Wegen ihrer Größe und der dunklen Färbung wird sie bisweilen für eine Hornisse oder gar für die invasive Asiatische Hornisse gehalten – tatsächlich handelt es sich aber um eine harmlose heimische Art. Ein typisches Merkmal sind gelbe Zeichnungselemente am ansonsten dunklen Brustabschnitt.
Nestbau
Die Mittlere Wespe ist wie ihre Verwandte, die Sächsische Wespe, ein Freinister. Ihre kugeligen, grauen Papiernester hängen meist frei und gut sichtbar in Sträuchern, Hecken, Bäumen oder an Gebäuden – oft in einigen Metern Höhe. Die Nester sind kunstvoll gebaut und tragen häufig eine charakteristische, nach unten gezogene Eintrittsöffnung.
Die Völker bleiben mit meist 100 bis 250 Tieren klein und entwickeln sich relativ früh im Jahr. Bereits im Spätsommer lösen sich die Nester häufig wieder auf. Damit ist die Mittlere Wespe schon weitgehend verschwunden, wenn die lästigen Kurzkopfwespen ihren Höhepunkt erreichen.
Lebensweise und Ernährung
Der Lebenszyklus entspricht dem aller sozialen Wespen: einjähriges Volk, Nestgründung durch eine überwinterte Königin, Aufzucht von Arbeiterinnen, später Geschlechtstiere, herbstlicher Zerfall. Die Mittlere Wespe jagt Insekten zur Versorgung ihrer Larven und ist damit ein nützlicher Schädlingsregulierer. Die erwachsenen Tiere nehmen Nektar und Honigtau auf, nicht aber menschliche Speisen.
Friedfertigkeit und Umgang
Die Mittlere Wespe gilt als ausgesprochen friedlich und sticht nur bei direkter Bedrohung des Nests. Da ihre Nester oft gut sichtbar in Gärten hängen, lohnt es sich, das beeindruckende Bauwerk in Ruhe zu beobachten, statt es zu entfernen. Wie alle Wespen steht auch diese Art unter Naturschutz und darf nicht ohne triftigen Grund beseitigt werden. Bei Konflikten beraten die Naturschutzbehörde oder ein Wespenfachmann.
Gerade weil die Mittlere Wespe gelegentlich mit der gefürchteten Asiatischen Hornisse verwechselt wird, ist es wichtig, vor übereilten Maßnahmen eine sichere Bestimmung vorzunehmen – im Zweifel durch ein Foto und eine Nachfrage bei einer Fachstelle.