Die Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica) ist eine heimische soziale Wespe aus der Gruppe der Langkopfwespen. Anders als die beiden lästigen Allerweltsarten (Deutsche und Gemeine Wespe) geht die Sächsische Wespe nicht an menschliche Nahrung und ist daher am Esstisch nie anzutreffen. Sie ist eine von vielen harmlosen Wespenarten, die zu Unrecht unter dem schlechten Ruf der wenigen Kulturfolger leiden.
Aussehen und Einordnung
Die Sächsische Wespe gehört zur Gattung der Langkopfwespen (Dolichovespula), die sich von den Kurzkopfwespen durch einen größeren Abstand zwischen Auge und Oberkiefer unterscheiden – ein Detail, das im Feld kaum erkennbar ist. Sie trägt die typische schwarz-gelbe Wespenzeichnung und ist mit etwa 11 bis 18 mm mittelgroß. Für Laien ist sie von anderen Wespen kaum zu unterscheiden; entscheidend ist ihr Nest und ihr Verhalten.
Nestbau – der „Freihöhlennister“
Im Gegensatz zur Deutschen und Gemeinen Wespe, die ihre Nester im Verborgenen (oft unterirdisch) anlegen, ist die Sächsische Wespe ein Freihöhlennister bzw. baut an halboffenen Stellen. Ihre kugeligen, grauen Papiernester finden sich häufig gut sichtbar an geschützten, aber luftigen Orten – unter Dachvorsprüngen, an Balkondecken, in Carports, Gartenhäusern, Schuppen oder Nistkästen. Gerade weil die Nester oft an menschennahen Stellen entstehen, kommt es zu Begegnungen, obwohl die Art harmlos ist.
Die Völker sind mit meist 100 bis 300 Tieren deutlich kleiner als die der großen Kurzkopfwespen. Außerdem entwickeln sie sich früher im Jahr und lösen sich oft schon im Hochsommer (Juli/August) wieder auf – also zu einer Zeit, in der die lästigen Arten erst richtig in Erscheinung treten.
Lebensweise und Ernährung
Wie alle sozialen Wespen bildet die Sächsische Wespe einjährige Völker mit dem typischen Zyklus aus überwinternder Königin, Nestgründung, Arbeiterinnen-Generation, Geschlechtstieren und herbstlichem Zerfall. Sie ernährt ihre Larven mit erbeuteten Insekten und ist damit ein nützlicher Schädlingsvertilger. Die erwachsenen Tiere nehmen Nektar und Honigtau auf.
Entscheidend: Die Sächsische Wespe interessiert sich nicht für Kuchen, Limonade oder Wurst. Ein Nest an der Terrasse bedeutet also nicht, dass man künftig beim Essen belästigt wird – die Tiere fliegen zur Insektenjagd aus und ignorieren den gedeckten Tisch.
Friedfertigkeit und Umgang
Die Sächsische Wespe gilt als friedfertig und verteidigt nur die unmittelbare Nestumgebung. Da ihre Nester oft an gut sichtbaren, menschennahen Stellen hängen, lohnt sich Gelassenheit: In aller Regel kann ein solches Nest bis zum natürlichen Absterben im Spätsommer toleriert werden. Wie alle Wespen steht auch diese Art unter Naturschutz; ein Nest darf nicht ohne triftigen Grund entfernt werden. Bei echten Konflikten (etwa direkt über einem Hauseingang) hilft die Naturschutzbehörde oder ein Wespenberater.
Bedeutung
Als Insektenjägerin trägt die Sächsische Wespe zur natürlichen Regulierung von Fliegen, Raupen und anderen Insekten bei. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass die allermeisten Wespenarten nützlich und harmlos sind – und dass das pauschale Bild von der „lästigen Wespe“ nur auf zwei von vielen Dutzend heimischen Arten zutrifft.