Die Deutsche Wespe (Vespula germanica) ist – zusammen mit der eng verwandten Gemeinen Wespe – eine der beiden Wespenarten, die im Spätsommer den Menschen am Esstisch belästigen. Während die allermeisten heimischen Wespenarten dem Menschen aus dem Weg gehen, gehören die Deutsche und die Gemeine Wespe zu den wenigen ausgesprochenen Kulturfolgern, die menschliche Nahrung anfliegen. Sie ist damit die „typische Wespe“, die den meisten Menschen in den Sinn kommt.
Aussehen und Bestimmung
Die Deutsche Wespe ist eine mittelgroße Kurzkopfwespe mit der typischen schwarz-gelben Warnfärbung. Arbeiterinnen werden etwa 12 bis 16 mm lang, die Königin bis 20 mm. Die sichere Unterscheidung von der sehr ähnlichen Gemeinen Wespe gelingt nur über Detailmerkmale:
- Gesichtszeichnung – die Deutsche Wespe trägt auf dem Kopfschild (Clypeus) meist drei schwarze Punkte oder eine unterbrochene Linie, die Gemeine Wespe dagegen einen durchgehenden schwarzen Strich (ankerförmig)
- Schläfenzeichnung und Halsschild – feine Unterschiede in der gelben/schwarzen Musterung
Für den praktischen Umgang ist die Unterscheidung der beiden Arten allerdings unerheblich – beide verhalten sich gleich und sind die einzigen, die wirklich an den Tisch kommen.
Lebensweise und Nest
Die Deutsche Wespe ist eine Dunkelhöhlennisterin: Sie baut ihre Nester bevorzugt an versteckten, dunklen Orten – häufig unterirdisch in verlassenen Mäusebauten, aber auch in Rollladenkästen, Dachböden, Hohlwänden und Schuppen. Das schützende Nesthülle umgibt die Waben vollständig. Die Nester werden aus zerkautem, verwittertem Holz gebaut und erhalten dadurch eine charakteristische graue Färbung mit muschelartiger Struktur.
Wie bei allen sozialen Wespen ist das Volk einjährig. Im Hochsommer kann ein Nest der Deutschen Wespe sehr individuenreich werden und mehrere tausend Tiere umfassen – das ist mit ein Grund, warum gerade diese Art so auffällig in Erscheinung tritt. Im Herbst stirbt das Volk ab; nur die jungen Königinnen überwintern.
Ernährung – Allesfresser mit Vorliebe für unsere Mahlzeiten
Die Deutsche Wespe ist ein ausgesprochener Generalist. Ihre Larven werden mit eiweißreicher Nahrung versorgt – erbeuteten Insekten, aber auch Aas, Fleisch, Wurst und Fisch vom Teller des Menschen. Die erwachsenen Tiere benötigen Zucker und gehen an Fallobst, Nektar, Honigtau, süße Getränke, Eis und Kuchen. Diese breite Nahrungspalette macht sie zum klassischen Kulturfolger.
Im Spätsommer wird sie besonders aufdringlich: Die Brutaufzucht läuft aus, die zuckerhaltigen Sekrete, die die Larven den Arbeiterinnen als Gegenleistung für die Fütterung abgeben, versiegen. Die nun „arbeitslosen“, aber zahlreichen Arbeiterinnen suchen verzweifelt nach Zucker – und finden ihn auf dem gedeckten Kaffeetisch. Dieses Verhalten ist also keine Boshaftigkeit, sondern schlicht Folge des Jahreszyklus.
Bedeutung und Nutzen
Trotz ihres lästigen Rufes ist auch die Deutsche Wespe ein wertvoller Nützling. Als Insektenjägerin trägt sie erheblich zur natürlichen Schädlingsregulierung bei und vertilgt im Lauf eines Sommers große Mengen an Fliegen, Mücken, Raupen und anderen Insekten. Zudem dienen Wespen selbst zahlreichen Tieren als Nahrung und sind ein fester Bestandteil des Nahrungsnetzes.
Umgang und Schutz
Auch die Deutsche Wespe ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt – sie darf nicht ohne vernünftigen Grund getötet werden, und ihre Nester dürfen nicht einfach zerstört werden. Beim Umgang am Tisch gelten die allgemeinen Empfehlungen für Wespen: Ruhe bewahren, nicht schlagen, Speisen abdecken, Strohhalme benutzen und mit einer Ablenkfütterung (überreife Früchte abseits des Tisches) für Entspannung sorgen. Ein Nest an problematischer Stelle sollte über die Naturschutzbehörde oder einen Wespenberater begutachtet werden – oft genügt es, bis zum herbstlichen Absterben des Volkes abzuwarten.