Ameisensäurebehandlung

Die Ameisensäurebehandlung ist die zentrale Sommerbehandlung gegen die Varroamilbe. Ameisensäure ist das einzige in Deutschland zugelassene Varroazid, das auch in die verdeckelte Brut hineinwirkt und dort die Milben abtötet. Angewendet wird sie direkt nach der letzten Honigernte, meist zwischen Mitte Juli und Ende August.

Wie Ameisensäure gegen die Varroamilbe wirkt

Ameisensäure verdunstet in der Beute und verteilt sich als Dampf im Bienenstock. Die Dämpfe dringen durch die Zelldeckel in die Brutzellen ein und töten die dort sitzenden Milben – genau die Phase, in der sich die Varroa vermehrt und in der Kontaktmittel wie Oxalsäure wirkungslos bleiben. Bei korrekter Anwendung sterben 80 bis 95 Prozent der Milben im Volk.

Üblich ist Ameisensäure 60 % ad us. vet.; erfahrene Anwender setzen regional auch 85%ige Säure ein. Die Wirkung hängt stark von Temperatur und Verdunstungsmenge ab – zu wenig Verdunstung lässt Milben überleben, zu viel schädigt Bienen und Brut.

Zeitpunkt und Witterung

Behandelt wird erst, wenn der Honig abgeerntet und der Honigraum abgeräumt ist, denn Ameisensäure geht in den Honig über. Ideal sind Tageshöchsttemperaturen zwischen 20 und 25 °C bei trockener Witterung. Unter 12 °C verdunstet zu wenig Säure, über 30 °C drohen Schäden an Bienen und Königin. Die Wetterprognose für drei bis fünf Tage entscheidet deshalb über den Starttermin.

Anwendungsverfahren im Überblick

VerfahrenPrinzipDauer
Nassenheider VerdunsterDocht reguliert die Verdunstung aus einem VorratsbehälterLangzeit, 7–14 Tage
Liebig-DispenserSaugvlies unter Flasche, Dosierung über VliesgrößeLangzeit, 5–10 Tage
SchwammtuchDefinierte Menge auf Tuch, stoßartige VerdunstungKurzzeit, mehrfach wiederholt
MAQS-StreifenGelstreifen mit Ameisensäure, fertig dosiert7 Tage

Bewährt hat sich das Schema aus zwei Behandlungsblöcken: eine Behandlung direkt nach der Ernte im Juli/August, eine zweite nach drei Wochen, sobald die nächste Brutgeneration verdeckelt war. Dazwischen zeigt die Gemülldiagnose auf der Bodeneinlage den Behandlungserfolg: Fallen nach der Behandlung täglich weiterhin mehr als eine Milbe, ist eine Wiederholung nötig.

Sicherheit für Imker und Bienen

Ameisensäure ist stark ätzend. Säurefeste Handschuhe, Schutzbrille und ein Gefäß mit Wasser zum Abspülen gehören zu jeder Anwendung. Angebrochene Gebinde lichtgeschützt und für Kinder unzugänglich lagern. Für die Bienen gilt: Nur starke Völker mit ausreichend Futter behandeln, das Flugloch offen halten und die Beute nicht zusätzlich abdichten, damit die Dämpfe zirkulieren können. Ein vorübergehender Brutstopp nach der Behandlung ist normal und sogar erwünscht – er unterbricht den Vermehrungszyklus der Milbe zusätzlich.

Die Ameisensäurebehandlung ist Teil eines Gesamtkonzepts: Im Frühjahr bremst die Drohnenbrutentnahme den Befallsaufbau, im Winter folgt die Restentmilbung in der brutfreien Zeit.

Häufige Fragen zur Ameisensäurebehandlung

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Ameisensäurebehandlung?

Direkt nach der letzten Honigernte, in den meisten Regionen zwischen Mitte Juli und Ende August, bei Tagestemperaturen von 20 bis 25 °C.

Warum wirkt Ameisensäure auch in der verdeckelten Brut?

Die Säuredämpfe durchdringen die porösen Zelldeckel und erreichen die Milben in den Brutzellen – das kann kein anderes zugelassenes Varroazid.

Schadet Ameisensäure den Bienen?

Bei korrekter Dosierung und passender Witterung nicht nennenswert. Zu hohe Verdunstung kann jedoch Brutschäden verursachen und im Extremfall die Königin gefährden.

Darf während der Behandlung Honig im Volk bleiben?

Honigräume müssen vor der Behandlung entfernt werden. Honig, der während einer Behandlung im Volk hing, darf nicht als Lebensmittel vermarktet werden.

Wie kontrolliere ich den Behandlungserfolg?

Über den natürlichen Milbenfall auf der Bodeneinlage: Fallen einige Tage nach der Behandlung weiterhin mehr als eine Milbe pro Tag, sollte die Behandlung wiederholt werden.