Die Drohnenbrutentnahme ist eine biotechnische Methode der Varroa-Bekämpfung, bei der verdeckelte Drohnenbrut samt der darin eingeschlossenen Milben aus dem Bienenvolk entfernt wird. Sie nutzt die Vorliebe der Varroamilbe für Drohnenzellen und senkt den Milbendruck im Frühjahr und Frühsommer deutlich – ganz ohne Chemie und ohne Rückstände im Honig.
Warum die Drohnenbrutentnahme gegen die Varroamilbe wirkt
Varroamilben vermehren sich ausschließlich in verdeckelter Brut. Drohnenbrut bleibt mit 24 Tagen Entwicklungszeit drei Tage länger verdeckelt als Arbeiterinnenbrut – die Milbe kann dort mehr Nachkommen großziehen. Untersuchungen zeigen, dass Drohnenzellen etwa fünf- bis zehnmal häufiger befallen werden als Arbeiterinnenzellen. Genau diese Falle macht sich der Imker zunutze: Er lässt das Volk gezielt Drohnenwaben bauen, wartet die Verdeckelung ab und entnimmt die Brut, bevor die nächste Milbengeneration schlüpft.
Wer von April bis Juni konsequent drei bis fünf Drohnenwaben pro Volk entnimmt, bremst den Befallsanstieg spürbar. Fachberatungen gehen davon aus, dass sich die Milbenpopulation dadurch um bis zur Hälfte reduzieren lässt – die Sommerbehandlung nach der Honigernte ersetzt das jedoch nicht.
Anleitung: So funktioniert die Entnahme mit dem Baurahmen
Das gängigste Verfahren arbeitet mit dem Baurahmen, einem leeren Rähmchen ohne Mittelwand:
- Ab der Kirschblüte einen Baurahmen an den Rand des Brutnests hängen.
- Das Volk baut darin Naturbau mit großen Drohnenzellen; die Königin bestiftet sie.
- Nach der Verdeckelung – je nach Volksstärke nach 14 bis 21 Tagen – den Rahmen entnehmen.
- Brut ausschneiden, einschmelzen oder einfrieren; den leeren Rahmen wieder zurückgeben.
Entscheidend ist der Zeitpunkt: Die Brut muss verdeckelt sein, darf aber noch nicht schlüpfen. Ein Kontrollrhythmus von sieben bis zehn Tagen passt gut zur ohnehin fälligen Schwarmkontrolle. Wer zwei Baurahmen versetzt einsetzt, hat immer einen im Bau und einen in der Verdeckelung.
Vorteile und Grenzen der Methode
| Vorteile | Grenzen |
|---|---|
| Rückstandsfrei, kein Medikamenteneinsatz | Ersetzt keine Sommer- und Winterbehandlung |
| Senkt den Milbendruck um bis zu 50 % | Erfordert regelmäßige Eingriffe im 7–10-Tage-Rhythmus |
| Liefert sauberes Wachs für den Wachskreislauf | Kostet das Volk Energie und Eiweiß für den Brutaufbau |
| Lässt sich mit der Schwarmkontrolle verbinden | Wirkt nur während der Drohnensaison (April–Juni) |
Ein Nebeneffekt: Vergessene Baurahmen kehren die Wirkung um. Schlüpft die befallene Drohnenbrut, entlässt sie die vermehrten Milben zurück ins Volk. Konsequenz ist deshalb wichtiger als Perfektion – lieber weniger Baurahmen einsetzen, diese aber zuverlässig ernten.
Verwertung der entnommenen Drohnenbrut
Die ausgeschnittene Brut ist kein Abfall. Das helle Naturwachs der Drohnenwaben stammt aus dem aktuellen Jahr, ist unbelastet und eignet sich hervorragend für den eigenen Wachskreislauf. Die eiweißreiche Brut selbst kann eingefroren als Futter für Vögel oder Hühner dienen; in der Forschung wird Drohnenbrut zudem als essbares Insektenprotein diskutiert. Wichtig ist nur, die Brut rasch einzuschmelzen oder einzufrieren, damit die Milben sicher abgetötet werden.
Häufige Fragen zur Drohnenbrutentnahme
Wie oft sollte man Drohnenbrut schneiden?
Während der Drohnensaison von April bis Juni alle sieben bis zehn Tage kontrollieren und verdeckelte Drohnenwaben entnehmen. Drei bis fünf geerntete Waben pro Volk und Saison gelten als wirksames Maß.
Schadet die Drohnenbrutentnahme dem Bienenvolk?
Nein. Ein starkes Volk gleicht den Verlust problemlos aus und zieht weiterhin genug Drohnen für die Begattung auf. Der Baurahmen deckt zudem den natürlichen Bautrieb ab.
Reicht die Drohnenbrutentnahme als alleinige Varroa-Behandlung?
Nein. Sie verzögert den Befallsanstieg, ersetzt aber nicht die Behandlung nach der Honigernte im Sommer und die Restentmilbung im Winter.
Was passiert, wenn ein Baurahmen vergessen wird?
Schlüpft die befallene Drohnenbrut, gelangen die vermehrten Milben zurück ins Volk – der Befall steigt dann schneller, als wenn gar kein Baurahmen eingesetzt worden wäre.