August Freiherr von Berlepsch (geboren am 28. Juni 1815 auf Schloss Seebach in Thüringen; gestorben am 17. September 1877 in Gotha) war ein deutscher Imker und Bienenforscher, dem die Entwicklung des allseits beweglichen Rähmchens zugeschrieben wird. Mit dieser Erfindung vollendete er in Deutschland den von Johann Dzierzon begonnenen Weg zur beweglichen Wabe und schuf eine der entscheidenden Grundlagen der modernen Imkerei in Mitteleuropa.
Leben
August von Berlepsch entstammte einem alten thüringischen Adelsgeschlecht. Er studierte Rechtswissenschaften, wandte sich jedoch bald ganz der Bienenzucht zu, die zu seiner Lebensaufgabe wurde. Als gebildeter, wissenschaftlich interessierter Mann mit den nötigen Mitteln konnte er sich intensiv der Forschung und dem Schreiben widmen. Er stand in engem Austausch mit den führenden Bienenforschern seiner Zeit, insbesondere mit Dzierzon, dessen Erkenntnisse er aufgriff, prüfte und weiterentwickelte.
Die Erfindung des beweglichen Rähmchens
Dzierzon hatte mit seinen Oberträgern (einzelnen Leisten, an denen die Bienen ihre Waben bauten) bereits eine bewegliche Wabe geschaffen. Diese Waben waren jedoch nur oben an der Leiste befestigt und konnten an den Seiten und unten noch mit der Beutenwand verbaut werden, was die Entnahme erschwerte.
Berlepsch löste dieses Problem 1852, indem er die Oberleiste zu einem vollständig geschlossenen, vierseitigen Rahmen erweiterte – dem Rähmchen, wie es bis heute verwendet wird. Die Wabe wird nun ringsum von einem Holzrahmen eingefasst, der ringsum den nötigen Abstand zur Beutenwand wahrt. Dadurch ließen sich die Waben endgültig frei und allseitig beweglich aus der Beute heben, ohne irgendwo verbaut zu sein.
Bemerkenswert ist, dass Berlepsch diese Entwicklung in Deutschland etwa zur selben Zeit vollzog, als Lorenzo Langstroth in den USA unabhängig den Bienenabstand entdeckte und seine Rähmchenbeute entwickelte. Beide Entwicklungslinien – die amerikanische und die mitteleuropäische – führten zum selben grundlegenden Ergebnis: der frei beweglichen, einzeln entnehmbaren Wabe.
Bedeutung für die Imkerei
Das bewegliche Rähmchen ist die Grundlage der gesamten modernen Betriebsweise. Erst durch es wurden möglich:
- die Durchsicht und Kontrolle des Volkes Wabe für Wabe
- die schonende Honigernte durch Entnahme einzelner Waben
- die spätere Nutzung der Honigschleuder, die nur mit herausnehmbaren Rähmchen funktioniert
- die Verwendung von Mittelwänden zur Lenkung des Wabenbaus
- die gezielte Königinnenzucht und Ablegerbildung
Berlepsch entwickelte zudem ganze Beutensysteme und Betriebsweisen, die die deutsche Imkerei des 19. Jahrhunderts maßgeblich prägten. Sein Name ist untrennbar mit dem Übergang von der zerstörenden Korbimkerei zur schonenden Mobilbau-Imkerei verbunden.
Schriften
Von Berlepsch verfasste grundlegende imkerliche Werke, in denen er die neuen Methoden systematisch darstellte und einem breiten Publikum vermittelte. Sein Hauptwerk über die Honigbiene und ihre Zucht in beweglichen Waben gehörte zu den einflussreichsten imkerlichen Büchern des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum und trug entscheidend dazu bei, die moderne Betriebsweise unter den Imkern zu verbreiten.
Gemeinsam mit Dzierzon (Theorie und bewegliche Wabe), Johannes Mehring (Mittelwand) und Franz von Hruschka (Honigschleuder) zählt August von Berlepsch zu den prägenden Gestalten, die im 19. Jahrhundert die Imkerei von Grund auf erneuerten und auf eine wissenschaftliche und rationelle Grundlage stellten.