Oxalsäure

Zuletzt aktualisiert:

Oxalsäure ist eine organische Säure und das wichtigste Mittel zur Restentmilbung gegen die Varroamilbe in der brutfreien Zeit. Als Kontaktmittel wirkt sie nur auf Milben, die auf den Bienen sitzen, nicht aber auf Milben in der verdeckelten Brut. Deshalb wird Oxalsäure gezielt dann eingesetzt, wenn ein Volk brutfrei ist – meist im Spätherbst und Winter. Sie ergänzt die sommerliche Ameisensäurebehandlung und bildet mit ihr das Rückgrat der integrierten Varroabekämpfung.

Steckbrief Oxalsäure

  • Typ: organische Säure, Kontaktmittel gegen Varroa
  • Wirkung: nur auf phoretische Milben (auf den Bienen)
  • Voraussetzung: Brutfreiheit des Volkes
  • Hauptanwendung: Restentmilbung im Winter (Nov/Dez)
  • Verfahren: Träufeln, Sprühen, Verdampfen
  • Wirkungsgrad: bei Brutfreiheit oft über 90 %

Wie Oxalsäure gegen die Varroamilbe wirkt

Oxalsäure ist ein Kontaktmittel: Sie wirkt nur auf die Milben, die außen auf den erwachsenen Bienen sitzen (phoretische Phase). Anders als die Ameisensäure dringt sie nicht durch die Zelldeckel in die verdeckelte Brut ein. Milben, die zum Behandlungszeitpunkt in verdeckelten Brutzellen sitzen, werden also nicht erreicht.

Daraus folgt die wichtigste Regel: Oxalsäure wirkt nur bei Brutfreiheit. Ist das Volk brutfrei, sitzen praktisch alle Milben auf den Bienen und sind erreichbar – der Wirkungsgrad liegt dann oft über 90 Prozent. Ist noch Brut vorhanden, überleben die Milben darin, und die Behandlung verpufft weitgehend.

Der richtige Zeitpunkt

Der klassische Einsatz ist die Restentmilbung im Spätherbst oder Winter, meist im November oder Dezember, wenn das Volk nach der ersten Kälte brutfrei geworden ist. Diese Behandlung senkt den Milbenbefall auf ein niedriges Ausgangsniveau, mit dem das Volk gut ins neue Jahr startet. Ein Blick auf die Winterbienen: Genau sie sollen möglichst milbenarm in den Winter gehen, damit das Volk gesund überwintert.

Ein zweiter, sommerlicher Anwendungsfall sind frisch gebildete, brutfreie Ableger und Kunstschwärme: Ihre brutfreie Phase ist die ideale Gelegenheit für eine hochwirksame Oxalsäurebehandlung.

Anwendungsverfahren

Für die Anwendung sind in Deutschland zugelassene Fertigpräparate zu verwenden. Es gibt drei gängige Verfahren:

  • Träufeln (Träufelbehandlung): Eine mit Zuckerwasser angesetzte Oxalsäurelösung wird mit einer Spritze in die besetzten Wabengassen geträufelt. Die Bienen verteilen sie beim gegenseitigen Ablecken im Volk. Das Träufeln ist das verbreitetste Winterverfahren – aber nur einmal pro Saison anzuwenden, da wiederholtes Träufeln die Bienen schädigt.
  • Sprühen: Auf brutfreie Waben – etwa bei Kunstschwärmen – wird die Lösung beidseitig aufgesprüht. Vor allem für kleine Einheiten und Ableger geeignet.
  • Verdampfen (Sublimation): Oxalsäure wird mit einem Verdampfer erhitzt, sodass sie sublimiert und sich als feiner Belag im Stock niederschlägt. Wirksam, erfordert aber besondere Vorsicht und geeigneten Atemschutz.

Sicherheit

Oxalsäure ist gesundheitsschädlich und reizend. Bei allen Verfahren gehören säurefeste Handschuhe und Schutzbrille zur Grundausstattung; beim Verdampfen ist zwingend ein geeigneter Atemschutz (Maske gegen Säuredämpfe) nötig, da die Dämpfe die Atemwege stark reizen. Nur zugelassene Präparate nach Herstellerangabe verwenden und Dosierung sowie Anwendungshäufigkeit exakt einhalten – mehr hilft nicht mehr, sondern schadet den Bienen.

Oxalsäure im Behandlungskonzept

Oxalsäure ist ein Baustein der integrierten Varroabekämpfung, nicht die alleinige Lösung. Über das Jahr greifen mehrere Maßnahmen ineinander: im Frühjahr die biotechnische Drohnenbrutentnahme, nach der Honigernte die Ameisensäurebehandlung, und im brutfreien Winter die Restentmilbung mit Oxalsäure. Erst dieses Zusammenspiel hält den Milbendruck dauerhaft niedrig.

Häufige Fragen zur Oxalsäure

Wann wird mit Oxalsäure behandelt?

In der brutfreien Zeit – klassisch als Restentmilbung im November oder Dezember. Zusätzlich eignen sich frisch gebildete, brutfreie Ableger und Kunstschwärme im Sommer.

Warum wirkt Oxalsäure nur bei Brutfreiheit?

Weil sie als Kontaktmittel nur die Milben auf den Bienen erreicht, nicht aber die in verdeckelter Brut. Nur wenn keine Brut vorhanden ist, sitzen alle Milben frei und werden erfasst.

Träufeln oder Verdampfen – was ist besser?

Beide sind wirksam. Das Träufeln ist einfach und im Hobbybereich am verbreitetsten, darf aber nur einmal erfolgen. Das Verdampfen ist ebenfalls sehr wirksam, erfordert jedoch Geräte und strengen Atemschutz.

Schadet Oxalsäure den Bienen?

Bei einmaliger, sachgerechter Anwendung ist sie gut verträglich. Wiederholtes Träufeln oder Überdosierung schädigt jedoch die Bienen – deshalb die Vorgaben genau einhalten.

Gelangt Oxalsäure in den Honig?

Nein – die Behandlung erfolgt außerhalb der Trachtzeit, wenn kein Honig geerntet wird. Zudem kommt Oxalsäure von Natur aus in geringen Mengen in vielen Lebensmitteln und auch im Honig vor.

Siehe auch