Als Winterbiene bezeichnet man die langlebigen Arbeiterinnen, die ein Honigbienenvolk durch die kalte Jahreszeit bringen. Anders als die kurzlebigen Sommerbienen leben Winterbienen mehrere Monate und sorgen dafür, dass das Volk den Winter übersteht und im Frühjahr neu durchstarten kann.
Unterschied zwischen Sommer- und Winterbienen
Eine Arbeiterin, die im Sommer schlüpft, lebt durch die intensive Sammelarbeit oft nur wenige Wochen. Winterbienen hingegen, die im Spätsommer und Herbst geboren werden, können mehrere Monate alt werden. Sie unterscheiden sich physiologisch von den Sommerbienen: Ihr Fettkörper ist stärker ausgebildet, und sie verfügen über größere Reserven, etwa an einem speziellen Eiweißstoff. Diese Anpassungen ermöglichen es ihnen, lange Zeit ohne Tracht zu überdauern und im Frühjahr die erste Brut zu versorgen.
Die Wintertraube
Sinken die Temperaturen, ziehen sich die Bienen im Bienenstock zu einer dichten Kugel zusammen – der Wintertraube. In ihrem Inneren erzeugen die Bienen durch Muskelzittern Wärme und halten so eine lebensnotwendige Temperatur aufrecht. Die Bienen wechseln dabei laufend zwischen dem wärmeren Inneren und dem kühleren Rand der Traube, sodass keine einzelne Biene dauerhaft der Kälte ausgesetzt ist. Im Zentrum der Traube wird es selbst bei strengem Frost mehrere Grad warm; sobald wieder Brut gepflegt wird, steigt die Temperatur dort deutlich an.
Ernährung im Winter
Im Winter zehrt das Volk von seinen Vorräten. In freier Natur ist das eingelagerter Honig; in der Imkerei wird der entnommene Honig häufig durch geeignetes Winterfutter wie Invertzucker ersetzt. Die Winterbienen verbrauchen die Vorräte sparsam, da sie kaum aktiv sind und die Brut über weite Teile des Winters ruht. Ein ausreichender und gut verteilter Futtervorrat ist entscheidend dafür, dass das Volk bis zum Frühjahr durchhält.
Bedeutung der Bienengesundheit
Die Gesundheit der Winterbienen entscheidet maßgeblich über das Überleben des Volkes. Besonders ein hoher Befall mit der Varroamilbe im Spätsommer schwächt die heranwachsenden Winterbienen und verkürzt ihre Lebensdauer – eine der Hauptursachen für Völkerverluste im Winter. Deshalb ist die rechtzeitige Bekämpfung der Varroamilbe vor der Aufzucht der Winterbienen ein zentraler Bestandteil der imkerlichen Vorbereitung auf den Winter.
Vom Winter ins Frühjahr
Mit steigenden Temperaturen im Spätwinter beginnt die Königin wieder verstärkt zu legen. Die Winterbienen ziehen die erste Brut des Jahres auf und übergeben dann gewissermaßen den Staffelstab an die neue Generation der Frühjahrsbienen. Damit endet der Lebenszyklus der Winterbienen, die das Volk erfolgreich durch die schwierigste Zeit des Jahres getragen haben.