Der Schwänzeltanz ist eine Form der Kommunikation, mit der Honigbienen ihren Stockgenossinnen die Lage einer ergiebigen Futterquelle mitteilen. Über die Bewegung auf der Wabe vermittelt die tanzende Biene sowohl die Richtung als auch die Entfernung der Quelle. Der Schwänzeltanz gilt als eines der bekanntesten Beispiele für Symbolkommunikation im Tierreich.
Ablauf des Schwänzeltanzes
Hat eine Sammelbiene eine lohnende Nektar- oder Pollenquelle gefunden, kehrt sie in den Stock zurück und führt auf der senkrechten Wabe eine charakteristische Bewegung aus. Sie läuft ein kurzes Stück geradeaus und wackelt dabei mit dem Hinterleib – die namensgebende Schwänzelphase. Anschließend kehrt sie abwechselnd nach links und rechts zum Ausgangspunkt zurück, sodass insgesamt eine Bewegung in Form einer liegenden Acht entsteht. Umstehende Bienen folgen der Tänzerin und nehmen die Information auf.
Codierung von Richtung und Entfernung
Der Tanz verschlüsselt konkrete Informationen über die Futterquelle:
- Richtung: Der Winkel der Schwänzelstrecke zur Senkrechten entspricht dem Winkel der Futterquelle zur Sonne. Läuft die Biene gerade nach oben, liegt die Quelle in Richtung Sonne.
- Entfernung: Die Dauer der Schwänzelphase codiert die Entfernung. Je länger das Wackeln andauert, desto weiter ist die Quelle entfernt.
- Ergiebigkeit: Die Lebhaftigkeit des Tanzes signalisiert, wie lohnend die Quelle ist.
Rundtanz und Schwänzeltanz
Liegt eine Futterquelle sehr nah am Stock, führen Bienen statt des Schwänzeltanzes einen einfacheren Rundtanz aus, der nur die Anwesenheit einer nahen Quelle anzeigt, ohne eine genaue Richtung zu übermitteln. Mit zunehmender Entfernung geht die Tanzform in den richtungsweisenden Schwänzeltanz über.
Entdeckung durch Karl von Frisch
Die Bedeutung des Schwänzeltanzes wurde maßgeblich vom Zoologen Karl von Frisch erforscht, der dafür 1973 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet wurde. Seine Arbeiten zeigten, dass die Bewegungen einer klaren Logik folgen und Bienen über ein präzises Kommunikationssystem verfügen.
Bedeutung für das Bienenvolk
Die Tanzsprache macht das Bienenvolk als Ganzes effizient: Statt einzeln zu suchen, werden die Sammlerinnen gezielt zu den besten Trachtquellen gelenkt. Diese kollektive Informationsweitergabe trägt wesentlich dazu bei, dass ein Volk in kurzer Zeit große Mengen Nektar eintragen kann – die Grundlage der Honigproduktion, deren weiterer Verlauf auf dem Schwesterprojekt honig.wiki im Beitrag Wie viele Blüten besucht eine Biene für ein Glas Honig? beschrieben wird.