Gallwespe

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Die Gallwespen (Cynipidae) sind eine Familie meist sehr kleiner Wespen, die für die Bildung der auffälligen Pflanzengallen verantwortlich sind – jener kugeligen, schwammigen oder bizarr geformten Wucherungen, die man häufig an Eichenblättern, Rosen und anderen Pflanzen findet. Die Tiere selbst sind unscheinbar und harmlos; berühmt sind vor allem ihre kunstvollen „Bauwerke“, die sie die Pflanze für sich erstellen lassen.

Was ist eine Galle?

Eine Galle ist eine durch einen fremden Organismus verursachte Wucherung des Pflanzengewebes. Bei den Gallwespen entsteht sie so: Das Weibchen legt mit seinem Legebohrer ein Ei in das Pflanzengewebe – etwa in eine Knospe, ein Blatt oder einen Trieb. Die Larve sondert beim Schlüpfen Stoffe ab, die die Pflanze dazu anregen, um die Larve herum ein spezielles Gewebe zu bilden. Diese Galle dient der Larve gleichzeitig als Schutz und als Nahrungsquelle: Sie lebt geschützt im Inneren und ernährt sich vom umgebenden Gewebe, bis sie sich verpuppt und als fertige Wespe die Galle verlässt.

Jede Gallwespenart erzeugt dabei eine ganz charakteristische, art-typische Gallenform – so lässt sich oft allein an der Galle erkennen, welche Wespe sie verursacht hat, ohne das Tier selbst je zu sehen.

Bekannte Gallen

  • Eichengallen / Galläpfel – die kugeligen, apfelähnlichen Gallen an Eichenblättern, verursacht von der Gemeinen Eichengallwespe; sie waren historisch ein wichtiger Rohstoff zur Herstellung von Eisengallustinte und zum Gerben von Leder, da sie reich an Gerbsäure (Tannin) sind
  • Rosengallen / Schlafapfel (Bedeguar) – die moosig-fadigen, rötlichen Gebilde an Wildrosen, verursacht von der Rosengallwespe
  • Eichenrosen und Linsengallen – flache, scheibenförmige Gallen an der Blattunterseite von Eichen

Komplexe Lebenszyklen

Viele Gallwespen haben einen erstaunlich komplexen Lebenszyklus mit einem Generationswechsel: Eine sich geschlechtlich fortpflanzende Generation wechselt sich mit einer rein weiblichen, sich ungeschlechtlich (parthenogenetisch) fortpflanzenden Generation ab. Beide Generationen können völlig unterschiedliche Gallen an verschiedenen Pflanzenteilen erzeugen und sahen sich für die Forscher früher so unähnlich, dass sie teils als getrennte Arten beschrieben wurden.

Schaden und Bedeutung

In aller Regel sind Gallwespen für ihre Wirtspflanzen harmlos – die Gallen sehen zwar auffällig aus, schaden der Pflanze aber kaum. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei der eingeschleppten Esskastanien-Gallwespe, können größere Schäden an Kulturpflanzen entstehen. Ökologisch sind Gallwespen und ihre Gallen ein faszinierendes Beispiel für die enge Wechselwirkung zwischen Insekt und Pflanze. Zudem sind die Gallen selbst ein eigener kleiner Lebensraum: In und an ihnen leben zahlreiche weitere Insekten, darunter Schlupfwespen, die die Gallwespenlarven parasitieren.

Für die Imkerei haben Gallwespen keine direkte Bedeutung, sind aber ein interessanter Teil der heimischen Insektenvielfalt, die ein gesundes Ökosystem ausmacht.

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