Hornisse

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Die Hornisse (Vespa crabro) ist die größte heimische Wespe und eine der eindrucksvollsten Insektenerscheinungen Mitteleuropas. Trotz ihrer Größe und ihres tiefen Brummens ist sie weit friedfertiger als ihr Ruf – und steht in Deutschland unter besonderem Naturschutz. Kaum ein Insekt ist so von Mythen und übertriebener Angst umgeben wie die Hornisse, weshalb sachliche Aufklärung hier besonders wichtig ist.

Aussehen und Merkmale

Hornissen sind unverkennbar groß: Königinnen erreichen bis zu 35 mm Körperlänge, Arbeiterinnen 18 bis 25 mm – damit sind sie deutlich größer als die gewöhnlichen Wespen. Anders als bei diesen ist die Färbung nicht rein gelb-schwarz, sondern rotbraun-gelb-schwarz: Kopf und Brust tragen rotbraune Anteile, der Hinterleib ist gelb mit schwarzer Zeichnung. Diese rötliche Tönung ist das sicherste Unterscheidungsmerkmal zu anderen Wespen.

Im Flug fällt das tiefe, brummende Geräusch auf, das von vielen Menschen als bedrohlich empfunden wird. Dieser Eindruck täuscht jedoch: Das Brummen ist schlicht eine Folge der Körpergröße und sagt nichts über Aggressivität aus.

Lebensweise und Volk

Wie alle sozialen Faltenwespen bildet auch die Hornisse einen einjährigen Staat. Eine überwinterte Königin gründet im Frühjahr ein neues Nest, zieht die erste Generation Arbeiterinnen allein auf und überlässt diesen dann Nestbau und Versorgung. Hornissenvölker bleiben mit einigen hundert Tieren deutlich kleiner als die Völker der Gemeinen oder Deutschen Wespe, die mehrere tausend Individuen erreichen können.

Die Nester baut die Hornisse aus zerkautem, morschem Holz – das ergibt eine eher mürbe, bräunliche Papiermasse. Bevorzugte Nistplätze sind Baumhöhlen, aber auch Nistkästen, Dachböden, Schuppen und Rollladenkästen. Im Herbst löst sich das Volk auf; nur die jungen, begatteten Königinnen überwintern. Ein einmal verlassenes Hornissennest wird nie wieder bezogen.

Eine Besonderheit ist die nächtliche Aktivität: Hornissen fliegen als einzige heimische Wespen auch in der Dämmerung und nachts und werden dabei von Lichtquellen angezogen. Ein nächtlicher Besuch am beleuchteten Fenster ist daher kein Angriff, sondern schlicht Orientierung am Licht.

Ernährung

Hornissen sind kraftvolle Jäger und erbeuten andere Insekten in großer Zahl – Fliegen, Heuschrecken, Raupen, Libellen und auch andere Wespen. Die Beute wird zerkleinert und als eiweißreiche Nahrung an die Larven verfüttert. Die erwachsenen Hornissen selbst ernähren sich von zuckerhaltigem Pflanzensaft; sie nagen dazu gern an der Rinde bestimmter Bäume (etwa Esche und Flieder), um an den austretenden Saft zu gelangen.

Entscheidend für das Zusammenleben mit dem Menschen: Hornissen gehen praktisch nie an den gedeckten Tisch. Kuchen, Limonade und Wurst interessieren sie nicht – dieses lästige Verhalten zeigen nur die Deutsche und die Gemeine Wespe. Wer eine Hornisse im Garten hat, wird von ihr beim Essen in Ruhe gelassen.

Wie gefährlich ist die Hornisse wirklich?

Der alte Spruch „Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, sieben ein Pferd“ ist schlicht falsch und gehört zu den hartnäckigsten Tierlegenden überhaupt. Das Gift der Hornisse ist nicht stärker als das einer Honigbiene oder Wespe – in mancher Hinsicht sogar weniger toxisch. Der Stich wird wegen des dickeren Stachels und der größeren Giftmenge als schmerzhafter empfunden, ist für gesunde Menschen aber genauso ungefährlich wie ein Bienen- oder Wespenstich.

Hinzu kommt, dass Hornissen ausgesprochen friedfertig und scheu sind. Sie weichen dem Menschen aus und stechen nur, wenn sie unmittelbar bedrängt werden oder man dem Nest zu nahe kommt (Verteidigungsradius einige Meter). Fängt man nicht an, nach ihnen zu schlagen, geht von einzelnen Hornissen keinerlei Gefahr aus. Wie bei allen Insektenstichen gilt die Ausnahme für Allergiker, für die jeder Stich gefährlich werden kann.

Naturschutz und rechtlicher Status

Die Hornisse ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Es ist verboten, Hornissen zu töten, ihre Nester zu zerstören oder die Tiere ohne triftigen Grund zu stören. Verstöße können je nach Bundesland mit Bußgeldern von bis zu mehreren tausend Euro geahndet werden. Wird ein Hornissennest an einem ungünstigen Ort (etwa im Rollladenkasten) zum Problem, darf es nicht einfach beseitigt werden – stattdessen wendet man sich an die untere Naturschutzbehörde oder an einen ehrenamtlichen Hornissenberater, der das Nest fachgerecht umsiedeln kann.

Dieser Schutz ist berechtigt, denn die Hornisse war durch Verfolgung und Lebensraumverlust einst selten geworden. Heute haben sich die Bestände dank des Schutzes wieder erholt.

Ökologische Bedeutung

Als Großjäger unter den Insekten leistet die Hornisse einen erheblichen Beitrag zur natürlichen Schädlingsregulierung. Ein Hornissenvolk vertilgt im Lauf eines Sommers schätzungsweise mehrere hundert Gramm bis über ein Kilogramm Insekten – darunter viele Arten, die der Mensch als lästig empfindet. Damit ist die Hornisse ein wertvoller Nützling, der einen festen Platz im Ökosystem einnimmt.

Abgrenzung zur Asiatischen Hornisse

Von der heimischen Hornisse zu unterscheiden ist die invasive Asiatische Hornisse (Vespa velutina), die sich seit einigen Jahren in Mitteleuropa ausbreitet. Sie ist insgesamt dunkler gefärbt (überwiegend schwarz mit einer einzigen gelben Hinterleibsbinde und gelben Beinenden) und gilt als ernsthafte Bedrohung für die Imkerei, weil sie gezielt Honigbienen erbeutet. Die heimische Hornisse hingegen richtet an gesunden Bienenvölkern kaum Schaden an und ist selbst schützenswert.

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